Helfersyndrom

Ich war jetzt ein Wochenende mit lauter netten, hilfsbereiten Menschen beisammen. Dementsprechend war auch das Klima! Obwohl….

Zwei gab es, die mich eher abgeturnt haben. Eine, einfach aufgrund ihrer Persönlichkeit. Die hat den Mund aufgemacht und ich war sofort gereizt. Ein typischer Fall von unpassender Chemie! Und mit dem anderen hatte ich schon mal Dienst, doch dort ist es mir nicht so aufgefallen. Während des Dienstes ist aber auch nicht so viel Zeit zu plaudern….

Er hat zwar Migrationshintergrund, ist aber seit 51 Jahren in Österreich, hat hier studiert und gearbeitet. Er spricht auch deutsch, aber nicht immer versteht er alles. Was aber eher an seinem ganz persönlichen Denken liegen dürfte. Und er hat sehr viel gefragt, weil er die Vortragende nicht oder falsch verstanden hat. Da die Vortragende normalerweise mit Berufsschüler arbeitet, konnte sie damit aber recht gut umgehen. Ich aber nicht. Ich ertappte mich immer wieder, dass ich ihm gar nicht mehr zuhörte. Weiterlesen

Hochgefühl

Nach meinem letzten Dienst ist es mir enorm aufgefallen. Freiwillige Hilfe verursacht bei mir ein total arges Hochgefühl. Ich komme nach Hause, bin körperlich geschafft, aber total aufgekratzt. Kaum heimgekommen will ich mir gleich den nächsten Dienst eintragen. Es ist wie eine Sucht.

Schön langsam verstehe ich die Menschen die sich aufopfern um anderen zu helfen. Früher habe ich sie belächelt. Die werden doch nur ausgenutzt…. Sind naiv…. Doch mittlerweile denke ich, dass sie es einfach genießen.

Keine Ahnung ob ich jemals so extrem werde – ausschließen kann und will ich das derzeit nicht -, doch mir ist auf jeden Fall eine Veränderung aufgefallen in meinem Leben. Obwohl ich ständig Dienste mache und nach wie vor meine Lieben treffe, bin ich nicht saft- und kraftlos. Ich habe ständig Termine, bin ständig unterwegs und bekomme doch alles unter einen Hut. Und es geht mir gut dabei. Weiterlesen

Persönliche Veränderung

Mein junges idealistisches Ich hat dem Job immer den Vorrang gegeben. Alle privaten Termine passten sich an den Dienst an.

Was möglicherweise auch damit zu tun hat, dass ich in meinen beruflichen Anfangsjahren in der Privatwirtschaft war. Dort schwebte immer das drohende Jobverlust-Schwert über unseren Köpfen. Mein erster Auftrag in meinem ersten Job war allen abzusagen die meinen Job gewollt hatten. Ich schrieb 60 Absagen. Und da wird einem gleich mal klar, wenn man nicht „spurt“ dann warten darauf 60 Andere. Natürlich war ich damals auch jung und auf mich alleine gestellt. Ich war mit 19 ausgezogen und musste ab da alleine über die Runden kommen. Ein Zurück ins elterliche Nest war bei mir nicht möglich. Also tat ich alles um meinen Job zu behalten und mir das Dach über dem Kopf zu sichern. Weiterlesen

Abgespeichert

Im Laufe des Lebens lernen wir – hoffentlich – was uns guttut. Und wenn wir das herausgefunden haben, dann bleiben wir dabei. Wir kreieren unseren Alltag damit. Wem die Sauna guttut, geht regelmäßig dorthin. Oder massieren. Oder ins Kino. Oder in die Disco…..

Es gibt aber auch Dinge die tun einem in einer gewissen Lebensphase gut, doch nicht unbedingt dauerhaft. Wenn es mir richtig schlecht geht, meine Seele schmerzt, dann will ich alleine sein. Will zu Hause auf der Couch meinen Tränen freien Lauf lassen. Will mich in aller Ruhe wieder zusammenklauben und keine Kraft darauf verwenden müssen „zu funktionieren“. Wenn ich keine Kraft mehr habe, brauche ich keine Menschen. Dann brauche ich Sonne, ein gutes Buch, Schlaf, eine spannende Serie, einen Waldspaziergang,… Menschen fordern mich dann eher, auch wenn sie das nicht tun. „Ich bin für dich da“ ist schön, aber nicht das was ich brauche wenn ich ganz am Boden bin. Da brauche ich einfach meine Ruhe. Weiterlesen

Harmoniesucht vs Dinge ansprechen

Ich musste in meinem Leben erst lernen, zu sagen was ich möchte und noch viel schlimmer was ich NICHT möchte. Zu sehr war es mir in meiner Kindheit ausgetrieben worden. Verschlimmert wurde die Erziehung noch durch meine Harmoniesucht. Ich mag es behaglich haben in meinem Umfeld. Wenn man da immer sagt, wenn einen etwas nervt, dann fühlt sich jemand auf den Schlips getreten, dann wird diskutiert und das mag ich alles nicht. Ich mag es ruhig und beschaulich!

Da ich mich bei vielen Menschen also zurückgehalten habe und meine Befindlichkeiten runtergeschluckt habe, habe ich auch im Laufe der Zeit von immer mehr Menschen zurückgezogen. Dieses ständige sich auf die Zunge beißen, kostet nämlich auch Kraft! Eine ehemalige Freundin Drusilla war da ganz schlimm. Sie wollte mit Samthandschuhen angefasst werden, konnte selber aber ganz gut austeilen. Weiterlesen

Ende einer Ära

Am Samstag gab es die letzte Massage mit dem besten Masseur aller Zeiten. 10 Jahre war ich bei ihm Kundschaft. Er hat mit mir meine Kindheit aufgearbeitet und ging mit mir durch Täler der Tränen. Er gab mir Kraft und Geborgenheit. Er tat mir gut. Immer. Auch wenn es manchmal schmerzte, wenn er meine empfindlichen Stellen traf. Wie der eine Punkt auf meinem Hintern – Verletzungen der Seele. Als er das erste Mal auf ihn traf, war das enorm schmerzhaft. Ich habe dann über die Jahre daran gearbeitet. Jetzt am Schluss war es noch leicht unangenehm, aber kein Vergleich mehr zu früher. Weiterlesen

Kraft aufladen

Jedes Jahr bekomme ich mit 1.1. meinen neuen Urlaubsanspruch. Einfach so weil Jahreswechsel ist. Und irgendwie habe ich das Gefühl darauf arbeite ich auch immer in der Vorweihnachtszeit hin bezüglich meiner Kraftreserven. Es fühlt sich irgendwie so an als würde ich am 1.1. wieder volle Krafttanks haben. Einfach so, weil Jahreswechsel ist. Was natürlich nicht der Fall ist. Die Krafttanks laden sich nicht einfach so auf, nur weil wir ein neues Jahr haben.

Ich weiß auch wo das herkommt. Nur war ich früher später dran. Mitte Jänner um genau zu sein. Als ich anfing zu arbeiten, war ich im Rechnungswesen. Da war im Jänner immer einiges los. Neben den laufenden Arbeiten, kam der Monatsabschluss und dann natürlich der Jahresabschluss. Danach brauchte immer erstmal Urlaub. Mittlerweile gehe ich die zwei Wochen über Weihnachten und Neujahr. Weiterlesen