Der dankbare Nachbar

Samstag kurz nach 12 Uhr. Ich mache gerade eine Putzpause als es an der Tür läutet. Ich schaue vorsichtig durch den Türspion und entdecke meinen Nachbarn von oben. Also mache ich auf. Er ist offenbar immer noch unterwegs. In Tracht, mit Alkoholgeruch. Er hat sein Handy und seinen Schlüssel bei einer Freundin in der Tasche. Und sie, samt Tasche hat er auf der Wiener Wiesn leider verloren…

Er saß offenbar stundenlang beim Billa und wartete darauf dass sie kommt, ihr Auto holen. Doch sie kam nicht. Und ihm wurde mit der Zeit offenbar kalt und ein wenig Verzweiflung dürfte auch hochgekommen sein. Also kam er zu mir. Und wir probierten sie und eine andere Freundin mittels Facebook zu erreichen. Telefonnummer hätte er nur von der Mama in der Steiermark auswendig gewusst. Weiterlesen

Hut ab!

Ich muss sagen ich habe die Österreicher unterschätzt. Als voriges Wochenende die Hilfskräfte die Bahnhöfe besetzt haben um den Flüchtlingen zu helfen, war ich positiv überrascht von der Hilfsbereitschaft der Österreicher. Am Westbahnhof ist die Caritas im Einsatz, am Hauptbahnhof eine zusammengewürfelte selbst organisierte Gruppe, die mittlerweile ein Verein sind. Natürlich werden auch sie von der Caritas unterstützt. Vor allem wenn es um Notquartiere geht. Doch den täglichen Bedarf lösen sie anders. Sie posten auf Facebook – wo ich sie verfolge – und auf Twitter, was sie gerade brauchen. Wasser, Bananen, Brot, Jacken, Decken, Hosen, Kosmetiker, Helfer*innen, Dolmetscher*innen, aber auch Fahrer mit Autos die Dinge nach Nickelsdorf bringen oder holen. Und sie bekommen was sie brauchen. Gerade das fasziniert mich extrem!

Wenn sie schreiben wir brauche in der nächsten Stunde 10 Helfer*innen, haben sie innerhalb von 10 Minuten 20 Kommentare dass Leute auf dem Weg sind! Und das ist ganz egal ob solche Postings um 5 Uhr morgens, um 14 Uhr oder um 1 Uhr Nachts geschrieben werden! Die Leute kommen mit selbstgekochtem oder holen Wäsche um sie zu waschen. Sie geben Essen aus, kleiden die Durchreisenden neu ein, schenken den Kindern Stofftiere, eine Umarmung oder was auch immer sie brauchen. Vorigen Sonntagabend begann ich an dem System zu zweifeln. Klar am Wochenende ist das leicht. Da haben die meisten frei, doch wie wollen die das unter der Arbeitswoche schaffen? Weiterlesen

Die Fronten verhärten sich

Zumindest habe ich den Eindruck. Immer mehr wird entweder für oder gegen Flüchtlinge gepostet. Oder soll ich besser sagen, für oder gegen Menschlichkeit? Die Gegner werden ja immer unmenschlicher bei ihren Kommentaren. Ertrinken lassen? Flammenwerfer verwenden? Leute das sind MENSCHEN! Wieso würdet ihr jedes Tier retten, aber Menschen ertrinken lassen? Ich kann das einfach nicht verstehen. Menschen die ausgesprochen Tierlieb sein können, würden andere Menschen einfach verrecken lassen.

Natürlich steckt da sehr viel Angst dahinter. Schließlich haben diese tierliebenden Flüchtlingsgegner einfach Angst. Dass ihnen jemand den Job wegnimmt? Die Wohnung? Geld? Ein paar haben auch Angst dass wir uns Terroristen ins Land holen. Klar lassen wir ruhig 300 Menschen ertrinken, könnte ja ein Terrorist darunter sein!!! Was ist denn das bitte für eine Logik. Klar, eine durch und durch angstgetriebene. Eine die ich für mich nicht mehr akzeptieren will.

Ich bin zu einem angstgetriebenen Menschen erzogen worden. 16 Jahre wurde mir eingetrichtert wovor man nicht alles Angst haben müsse. Ganz vorne weg, natürlich die Ausländer. Es ist also nicht so, als würde ich diese Gedankengänge nicht kennen… Doch ich habe mich weiterentwickelt. Heute weiß ich, je mehr man sich vor etwas fürchtet desto eher bekommt man es. Wenn man selbstbewusst und zuversichtlich durch die Welt geht, ist die Welt voller Wunder. Je netter man in den Wald hineinruft, desto netter wird man von den Waldbewohnern begrüßt. Weiterlesen

Gefallen lassen

Rückblickend auf mein Leben muss ich sagen ich habe mir immer zu viel gefallen lassen. Ich verzieh Freundinnen, die sich genau dem Typen an den Hals geworfen haben, den ich gut fand. Ich verzieh Freunden wenn sie mich vernachlässigten/ignorierten. Ich verzieh Mitarbeitern respektlosen Umgang mit mir. Ich gab den Menschen eine Chance nach der anderen.

Lange Zeit wusste ich nicht warum ich mir immer und immer wieder auf den Kopf sch… ließ. Bis ich von meiner Harmoniesucht erfuhr. Da war mir dann alles klar. Ich will einfach keinen Streit und wenn es bedeutet, dass ich zurückstecken muss, dann ist das halt so. Zur selben Zeit erfuhr ich allerdings auch, dass möglicherweise 70 % der Menschheit mit mir ein Problem haben könnte, da ich einen sehr starken Willen besitze, der meine Mitmenschen reizt mit beweisen zu müssen, dass sie besser sind als ich. Weiterlesen