No (Wo)Man, no Cry

Stellt euch vor es ist kurz vor Mitternacht am 31. Dezember. Ihr wartet auf den Jahreswechsel, im Fernsehen läuft ein Song und plötzlich habt ihr ein Aha-Erlebnis. So ging es mir mit Bob Marley. Die erste Erkenntnis kam also noch im alten Jahr, der Rest dann die Tage danach…

Als ich ein Kind war, vermittelte mir meine Großmutter immer dass ihr Leben leichter wäre, wenn sie Opi nicht dauernd bedienen müsste. Er war ein Pascha, der Herr des Hauses und sie hatte den ganzen Tag zu tun um ihn glücklich zu machen. So weit, der Stand der Beziehung wie er mir vermittelt wurde. Jahre später wurde mir klar, dass Omi sich über ihrer Märtyrerrolle definierte und ihr ganzer Lebensinhalt war unter ihrer Umwelt zu leiden. Allen voran natürlich Opi. Der war natürlich wirklich ein Egoist. Andererseits hatte sie ihn sich ausgesucht….Doch der Grundgedanke „Frauen sind ohne Männer besser dran“ war da schon gelegt. Weiterlesen

Kuchenbestechung

„Wenn du nicht noch ein Stück isst, lade ich dich in Zukunft nicht mehr ein!!!“

Ich: Okay, passt.

Ich mag es nicht wirklich genötigt zu werden. Auch nicht wenn es um Kuchen geht. Und schon gar nicht kurz nach dem Mittagessen inklusive Nachspeise.

Ich bin schon eher eine Naschkatze. Aber halt nur wenn ich Gusto habe. Ich bin keine Rund-um-die-Uhr-Zucker-Raupe. Vor allem versuche ich gerade den Zuckerkonsum einzuschränken. Was halt niemand interessiert der extra einen Schokokuchen fürs Büro gekauft hat. Derjenige will halt nur dass sich alle freuen und sich auf den Kuchen stürzen. Erinnert mich jetzt schon sehr an meine Großmutter. Die hat auch alle scheiße behandelt und dann geglaubt mit kleinen Geschenke die Leute einwickeln zu können. Weiterlesen

Vorfreude ist die schönste Freude

Nicht wenn man immer wieder die Erfahrung macht, dass man sowieso enttäuscht wird. Sehr oft gönne ich mir ja Vorfreude sowieso nicht. Doch hin und wieder passe ich nicht auf und freue mich auf etwas. Und Überraschung, wie bestellt bekomme ich immer wieder eine in die Fresse. Wieso lerne ich es nicht endlich mal?

Nur, was ist das? Gehört das zu meinem Familienmotto väterlicherseits? Papa hat ja mal die Theorie aufgestellt, dass bei uns nie etwas glatt läuft aber schlussendlich immer gut ausgeht. Das kann ich ihm nicht absprechen. Einfach hatte ich es im Leben wirklich noch nie, doch rückblickend geht es mir über die Zeit immer besser. Wobei nicht gerade emotional…. Weiterlesen

Unter Beobachtung

Jetzt wo meine Großmutter gestorben ist, habe ich das Gefühl dass sie mich beobachtet. Nicht wacht über mich – das wäre zu positiv formuliert – sondern mir zuschaut. Und ich fühle mich wie ein kleines Kind, dass eine Überraschung plant. Ich habe immer noch Urlaub. Lümmel zu Hause rum, putze ein wenig, gehe trainieren und einkaufen. Ich mache nicht wirklich viel und tanke Kraft für das Arbeitsjahr.

Doch nächste Woche geht es wieder los. Ich werde wieder arbeiten gehen und was sie dann zu sehen bekommen wird, damit rechnet sie sicher nicht. Zeit ihres Lebens hat sie in mir das kleine Mädchen gesehen. Die Frau zu der ich geworden bin, hat sie nie sehen wollen. Selektive Wahrnehmung vom Feinsten. Schon als Opi damals gestorben war, war ich erleichtert nicht mehr versuchen zu müssen ihm endlich mein wahres Ich näher zu bringen. Es war eine sinnlose Aufgabe. Ich war das kleine, dumme Mädel, unfähig alleine zu überleben. Egal was ich auch vom Büro erzählte, es kam einfach nicht an. Weiterlesen

Wegen einer Wärmeflasche?

Wisst ihr, das schönste an meiner Familie ist eigentlich dass man nie wirklich alles weiß. Gut, das ist wahrscheinlich noch normal, doch meine Familie ist wirklich extrem! So viele Geheimnisse. Abgebrochene Kontakte. Verleugnete Kinder und Geschwister. Das sprengt echt jeden Rahmen!

Als ich ein Kind war, wusste ich dass Omi eine Schwester hat. Die Betonung hierbei liegt auf EINER. Und zwei Kinder, wobei mein Onkel bereits verstorben war. Irgendwann – ich war 18 – fand ich heraus, dass ich noch einen zweiten – damals quicklebendigen – Onkel habe. Und dass die Frau bei der ich meine Ferialpraxis absolviert hatte, meine Cousine ist. Dass sie noch eine Schwester hat, fand ich erst ein paar Jahre später raus. Weiterlesen

Ein Tag wie jeder andere…

…und doch hat sich heute etwas geändert. Mein letzter Großelternteil ist heute gestorben. Meine Großmutter hat sich aufgemacht meinem Opa Gesellschaft zu leisten.

Einiges ist daran bemerkenswert.

Sie hat Opi um vier Jahre überlebt. Und niemand konnte sagen was sie am Leben hält. Sie hatte keine Freude am Leben – wie sowieso noch nie seit ich denken kann – und ihr Lebensinhalt lebte nicht mehr. Sie hatte keine Freunde – daran hatte sie ihr Leben lang mit ihrer Art gearbeitet – und die Familie besuchte sie nur selten. Vor zwei Jahren hatte sie mit fast 90 einen Schlaganfall, war halbseitig gelähmt und konnte nicht sprechen. Doch auch davon erholte sie sich. Die Lähmung löste sich und bald konnte sie wieder wie gewohnt über andere herziehen. Damals überlegten meine Mutter und ich was sie wohl am Leben halten würde. Und wir hatten eine Idee. Sie wollte noch etwas Bestimmtes im Leben meiner Mutter mitbekommen. Weiterlesen

Druckwiderstand

Ich bewundere die Sprechstundenhilfe meiner Ärztin. Also ich könnte das nicht. Echt nicht. Als ich dort ankam, waren nur 2 Leute vor mir in der Schlange. Ich stellte mich brav an und dann merkte ich, wie schlecht es mir wirklich geht. Ich schwitzte und hatte Herzrhythmusstörungen. Ich hielt mich am Schuhkasten fest damit ich nicht umfalle. Aber ich wartete. Die Dame am Empfang kann ja nix für meine Probleme. Ich kam auch bald dran. Ich muss sagen sie ist die netteste Empfangsdame aller meiner Ärzte. Sie ist kompetent, liebenswürdig und scheint keinen Stress zu kennen. Das habe ich mir schon das letzte Mal gedacht und diesmal bewies sie mir ihren Druckwiderstand echt eindrucksvoll.

Während ich auf die Ärztin wartete blieb die Schlange am Empfang mehr oder weniger gleich lang, bis eine ältere Dame dran kam. Anfangs verfolgte ich das Schauspiel gar nicht, doch nach ein paar Minuten wurde ich auf sie aufmerksam. Es ging offenbar um die Medikamente ihres Mannes. Der war im Spital gewesen, wo er neue Medikamente bekommen hatte. Am Mittwoch war er entlassen worden und dies war der Dienstag danach. Offenbar hatten die Medikamente vom Spital nicht über das Wochenende gereicht und so hatte die ältere Dame einfach die Medikamente weiter gegeben, welche er vor seinem Spitalsaufenthalt bekommen hatte. Und auch ein paar vom Spital. Weiterlesen