Verwandtschaft

Freitagnachmittag war ich mit meiner Mutter bei unserer letzten verbliebenen Verwandtschaft mütterlicherseits. Also von meiner Großmutter. Wir haben uns im letzten Jahrzehnt immer nur bei Begräbnissen am Friedhof getroffen und wollten mal die Serie durchbrechen.

Die Terminfindung war erstmal gar nicht so einfach und wir bereuten fast unseren Vorstoß. Davon ausgehend war es eigentlich total nett. Anfangs war es aber schon ein wenig komisch. Auch wenn sie Familie sind, sind sie eigentlich eher Fremde. Also früher war das anders. Früher war ich oft bei ihnen und habe mit den Kindern gespielt. Oder besser gesagt, sie spielten mit mir. Die Geschwister waren überhaupt die einzigen Kinder mit denen ich jemals gespielt habe. Keine anderen Kinder hatten Zugang zu mir. Und sie haben mich immer aufgenommen und ihre Sachen mit mir geteilt. Was mich immer sehr gefreut hat und wofür ich auch sehr dankbar war. Weiterlesen

Aus den Augen, aus dem Sinn

Ich muss sagen das funktioniert immer besser, je älter ich werde. Früher habe ich mich oftmals noch nach Kontaktabbruch über Menschen geärgert. Sie spukten mir durch den Kopf und hielten meinen Blutdruck hoch. Mittlerweile lebe ich überwiegend im hier und jetzt und schere mich nicht mehr um die Vergangenheit.

Zumindest meistens. Hin und wieder läuft einem aber jemand über den Weg und alles ist wieder da. Und mit dem Abstand kommen dann auch gleich ein paar Aha-Erlebnisse daher!

Beim Begräbnis meines Onkels bin ich auf meine Ex-Stiefmutter getroffen. Und sie hat mich gleich wieder aufgeregt! Alleine das Outfit war eine Katastrophe. Sie schaute aus wie ich, wenn ich in den Wald gehe…. Weiterlesen

Abstand

Gestern war mir nicht nach viel. Ich wollte keine Nachrichten lesen. Keine Diskussionen auf Facebook von Menschen lesen, die nur streiten wollen und kein Interesse an anderen Standpunkten haben. Ich wollte einfach nichts von der Welt und den Menschen wissen.

Gott sei Dank war das Wetter schlecht. Da kann man sich eingraben ohne dass sich jemand etwas denkt. Man braucht keine Fragen beantworten, die man nicht beantworten könnte. Ich wusste nicht konkret wo es herkam. Natürlich war das Begräbnis „mit Schuld“. Die Stimmung, die Vergänglichkeit des Seins, grundsätzliche Überlegungen zur Familie, zu meiner im Besonderen.

Das brauchte Zeit um es wieder loszuwerden. Gestern fühlte ich mich einfach nur müde und gönnte mir einen Tag Auszeit. Am Vormittag kümmerte ich mich ein wenig um meinen Haushalt. Dabei war mein Gehirn immer noch beim Thema. Weiterlesen

Ruhe in Frieden

Gestern war ich auf dem Begräbnis meines Onkels. Und jedes Begräbnis in meiner alten Heimat ist doppelt schwer für mich. Jedes Mal wenn ich in das Tal fahre, gehe ich durch ein Gefühlswirrwarr.

Bei Begräbnissen bin ich mittlerweile sattelfest. Ich weiß, worum man sich im Vorfeld zu kümmern hat – Blumenschmuck bzw. Spende. Am Weg zum Friedhof holte ich noch eine Grabbeigabe ab – weiße Rose, Schleierkraut, ein wenig grün und ein schwarzes Band. Über all das muss ich mittlerweile nicht mehr nachdenken. Leider.

Bei meinem ersten Begräbnis war ich noch total planlos. Mittlerweile kenne ich mich aus. Was auch daran liegt, dass die Verwandtschaft langsam wegstirbt. Und bis auf meine Großeltern, waren sie auch alle nicht wirklich alt. Weiterlesen

Emotionen am Begräbnis

Vorigen Freitag war ich bei einem Familienbegräbnis. Ein Verwandter den ich schon sehr lange nicht gesehen hatte. Anders als in meiner Kindheit. Damals sahen wir uns regelmäßig. Sein Sohn, seine Nichte und sein Neffe waren die einzigen Kinder mit denen ich zusammen gespielt habe in meiner Kindheit. Die einzigen Kinder mit denen ich herumtollen durfte. Im Garten unbeaufsichtigt – zumindest fehlte die normale Totalüberwachung meiner Großeltern – spielen durfte. Ich erinnere mich an Stunden in ihrem Kinderzimmer, wo sie ihr Spielzeug mit mir teilten. Nur sein Sohn war eher der Typ „Grätzn“ (ein Junge der es mochte mich zu ärgern).

Warum also ging ich zum Begräbnis? Eigentlich wegen meiner Mutter – er war ein wenig älter als sie, seiner Schwester – sie war auch bei den Begräbnissen meiner Großeltern – und weil er halt nun mal Familie ist. Weil es sich so gehört. Weil er Teil meines Lebens war und es jetzt nicht mehr ist. Der Vorteil dass ich ihn schon ewig nicht mehr gesehen hatte, ich war grundsätzlich nicht schon emotional angeschlagen! Was aber noch lange kein Indiz ist, dass ich nicht trotzdem heule. Ich „springe“ total auf die Emotionen in meinem Umfeld an. Und auf einem Begräbnis ist die vorherrschende Emotion nun mal Trauer! Und wenn jemand in meiner Nähe extrem traurig ist, dann heule ich schon mal auch mit. Oder bei der passenden Musik. Es gibt Musikstücke bei denen heule ich immer! Hallelujah in der Version von Jeff Buckley zum Beispiel. Wenn ich die Nummer höre, kommen die Tränen ganz von selber. Selbst wenn ich eigentlich glücklich zu Hause sitze! Weiterlesen

Tränen zu Silvester

Ich habe lange überlegt wann ich zuletzt ein tränenfreies Silvester hatte und es fiel mir nicht ein. Als Kind habe ich mich sicher noch darüber gefreut, doch enttäuscht war ich trotzdem immer. Nicht wegen Silvester, sondern weil es auch mein Geburtstag ist und er nie so wurde, wie ich es mir gewünscht hatte!

Voriges Jahr habe ich dann beschlossen, diesmal lasse ich meinen Geburtstag einfach ausfallen. Geht nur in Zeiten der Social Media nicht so leicht. Klar ich hätte auf Facebook das Geburtsdatum rausnehmen können, aber ganz vergessen will man ja auch nicht werden. Ein ganz klarer Fall von Selbstbetrug. Durch die automatische Erinnerung von Facebook, bekommen ja alle meine Freunde eine Benachrichtigung und können mir dann in nicht mal einer Minute gratulieren. Und ja, ich freue mich dann trotzdem über jeden der schreibt. Weiterlesen

Ein Tag wie jeder andere…

…und doch hat sich heute etwas geändert. Mein letzter Großelternteil ist heute gestorben. Meine Großmutter hat sich aufgemacht meinem Opa Gesellschaft zu leisten.

Einiges ist daran bemerkenswert.

Sie hat Opi um vier Jahre überlebt. Und niemand konnte sagen was sie am Leben hält. Sie hatte keine Freude am Leben – wie sowieso noch nie seit ich denken kann – und ihr Lebensinhalt lebte nicht mehr. Sie hatte keine Freunde – daran hatte sie ihr Leben lang mit ihrer Art gearbeitet – und die Familie besuchte sie nur selten. Vor zwei Jahren hatte sie mit fast 90 einen Schlaganfall, war halbseitig gelähmt und konnte nicht sprechen. Doch auch davon erholte sie sich. Die Lähmung löste sich und bald konnte sie wieder wie gewohnt über andere herziehen. Damals überlegten meine Mutter und ich was sie wohl am Leben halten würde. Und wir hatten eine Idee. Sie wollte noch etwas Bestimmtes im Leben meiner Mutter mitbekommen. Weiterlesen