Ehrenamt

Voriges Jahr war ich ja wirklich viel ehrenamtlich unterwegs. Im Sommer war ich zwei Monate fast jedes Wochenende vor Ort und niemand hat das hinterfragt.

Im Herbsts kam dann ein zusätzliches Standbein dazu. Ich kam zu der Bürgerbewegung hatte hin und wieder am Samstag einen Termin. Also war ich nicht mehr ganz so flexibel und konnte auch nicht mehr ständig spontan einspringen.

So oft ich konnte, war ich trotdem dort. Dann passierten ein paar Dinge in kurzer Zeit. Eine Kundin – die von uns gratis Essen bekam – kam mir extra blöd. Sie hat sich sogar im Nachgang über eine Kollegin von mir, bei der Chefin unserer damaligen Chefin beschwert, woraufhin diese uns „interviewt“ hat, was da los war. Das fand ich nicht gut. Statt Wertschätzung dafür dass wir unsere Freizeit freiwillig zur Verfügung stellen, wirst noch angepflaumt und wenn du dir das nicht gefallen lässte, dann musst dich erklären.

Dann setzten sie zwei Mitarbeiterbesprechungen extrem kurzfristig an. Da ich schon andere Termine hatte, konnte ich nicht hingehen. Und dort wurde dann in Abwesenheit aller, die in einem bestimmten Bereich arbeiten, über einen Neuregelung über diesen Bereich entschieden – ohne eine von uns im Vorfeld zu fragen. Und das fand ich dann extrem schlecht. Als ich unsere „Chefin“ darauf ansprach, zuckte sie nur mit den Schultern. Ganz ehrlich, da reichte es mir. Ich hatte auf der einen Seite die Bürgerliste, mit tollen engagierten Menschen und auf der anderen Seite wurde mir die Geringschätzung und die fehlende Führung einfach zu viel. Ich nahm mir eine Auszeit.

Was teilweise nicht gut ankam. Vor allem bei Leuten die nie ehrenamtlich gearbeitet hatten, kam „Ja, aber du kannst doch jetzt nicht dein Ehrenamt wegen der Politik zurückfahren.“ oder auch „Ja, aber was ist denn jetzt mit deinem Ehrenamt!?“ Bei mir kam es vorwurfsvoll an. Keine Ahnung ob es so gemeint war. Aber so war zumindest der Eindruck. Und wie gesagt, immer von Leuten die noch nie ein Ehrenamt selbst ausgeführt hatten. Bei meinen Tafelkollegen stieß ich nur auf Anteilnahme „Du hast letztes Jahr so viel gemacht, gönn dir deine Auszeit!“ oder auch „Ich verstehe das, manchmal würde ich auch einfach alles hinwerfen!“

Ich half noch beim Tafelsammeltag und wäre auch in meinem Urlaub hingegagen, doch da wir die Liste bereits voll. Im Jänner meldete ich mich dann wegen Wahlkampf ab und im Februar überlegte ich was ich weiter tun wollte. Ich beschloss mich als Beifahrer für die Warenabholung ausbilden zu lassen. Einfach weil, Beitrag leisten und trotzdem nichts mit der Kundschaft zu tun haben! Ich schrieb einen Kollegen an, den ich für engagiert und motiviert einschätze und fragte an wann er Zeit hätte, damit wir uns zeitgleich in den Dienstplan eintragen. Das funktionierte auch wunderbar und es war auch eine tolle Abholtour! Und ich muss sagen, ich ließ mich auch ein wenig aus über alles was sich an Tafelfrust bei mir aufgestaut hatte! Über die damalige Teamleitung inklusive.

Drei Tage später kam das Mail dass er unser neuer Chef ist! Nicht wegen mir oder dem was ich ihm gesagt hatte, sondern deswegen weil das eh alle gleich gesehen haben! Unsere Teamleiterin war einfach schlecht. Weil einfach unerfahren. Und auch unmotiviert. Sie war zwar gern Chefin, aber sie brachte sich weder ein, noch war sie greifbar für ihr Team.

Tja, wir machen also einen Neustart. Und das kurz vor Corona. Und jetzt ist es so, wir fahren einen Notbetrieb und er ist Chef. Also habe ich mich eingetragen. Gestern war es dann so weit. Ich war seit langem wieder bei der Aufbereitung und Ausgabe. Und es war was ganz anderes! Er war da, teilte die Leute ein, motivierte und packte mit an. Und wir waren auch ratzfatz fertig.

Und es war mal wieder ein gutes Gefühl mit dem Team zu arbeiten. Und auch die Info vom neuen Chef „Ich bin froh dass du wieder an Bord bist!“ tat gut.

@libellchen, 2020

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