Standpunkt

Ist ja immer so eine Sache. Auf der einen Seite soll man wissen was man will, auf der anderen offen sein für andere Sichtweisen. Manchmal geht das halt nicht ganz zusammen.

Vielleicht mag ich deshalb Zahlen so gern. Eine reine Zahlenreihe – nicht eine aufbereitete Statistik – ist einfach klar. Plus ist plus. Minus ist minus. Da ich die Fähigkeit habe Zahlen zu lesen, mag ich Zahlenkolonnen. Sie sind das ehrlichste was ich kenne! Doch dann geht die Interpretation los. Statistiken und Berichte werden erstellt und jeder der das schon mal selber gemacht hat weiß, je nachdem was man aussagen will, kann man die Zahlen entsprechend aufbereiten. So dass sie gut ausschauen oder eben nicht. Je nachdem was man braucht. Mit dem selben Grundmaterial wohlgemerkt!

Bei Texten ist das noch einfacher. Jeder Mensch liest und versteht jeden Text anders. Je nachdem wo er oder sie im Leben steht, was er oder sie bereits erlebt hat und ich würde sogar sagen, wie die Tagesverfassung ist. Wenn ich einen guten Tag habe, verstehe ich Texte anders als an einem schlechten. Und ich habe auch keine Ahnung ob ich die Texte so verstehe, wie sie der Autor gemeint hat! Manchmal könnte ich mich über einen Text aufregen und komme dann drauf, dass er ironisch oder sarkastisch gemeint ist. Ironie und Sarkasmus erkenne ich ganz gut beim Sprechen, beim Schreiben ist das hin und wieder schwer. Da hilft es, wenn man weiß wie die Grundhaltung des Menschen ist.

Und dann gibt es Texte die hatten für mich vor zwanzig Jahren eine andere Bedeutung als heute! Ich war damals an einem anderen Punkt in meinem Leben und hab Texte damals ganz anders verstanden als heute. Da hilft oftmals ein genauerer Blick auf alte Standpunkte. Sehe ich das heute wirklich noch so oder hat sich da etwas im Laufe der Zeit vielleicht relativiert?

Bei mir ist eigentlich nichts mehr so wie vor zwanzig Jahren. Weder meine persönliche Haltung zum Leben, noch meine Standpunkte. Alles hat sich relativiert, angepasst, verändert. Bewusst, unbewusst, aufgrund von Ausseneinwirkungen, wegen Schicksalsschlägen,….. Vor zwanzig Jahren war ich total standhaft. Da hatte ich meine Meinung und verstand nicht, warum andere Menschen die Wahrheit nicht erkennen konnten. DIE WAHRHEIT. Ja, damals war mir klar, dass ich wusste wo es langgeht. Ich hatte den Durchblick und wer nicht meiner Meinung war hatte einfach keine Ahnung. War zu dumm die Wahrheit zu erkennen.

Mittlerweile habe ich nach wie vor meine Standpunkte, aber ich kann zumindest verstehen, dass andere Menschen aufgrund anderer Lebenswege anders ticken. Dass es mehr als eine Wahrheit gibt. Und weil ich das weiß, kann ich Menschen auch anders sein lassen. Wenn sie etwas engstirnig sehen (wollen) dann dürfen sie das gerne tun. Wenn sie meinen ihre Sicht der Dinge ist die einzig wahre Sicht – bitte, gerne. Ich diskutiere darüber nicht. Und schon gar nicht wenn es um Interpretationen von Zahlen oder Texten geht die jemand anderer aufbereitet bzw. geschrieben hat. Woher soll ich wissen was derjenige/diejenige gemeint hat? Ich kann das Ganze nur aus meiner Sicht der Dinge interpretieren. Und die ist ja bei jedem eine andere….

Ich nehme mittlerweile meinen Standpunkt und gehe einfach. Wenn ich mit einem Text kein Problem habe, bekomme ich auch keines nur, weil jemand anderer meint etwas hineininterpretieren zu müssen, was so nicht dort steht! Es wird einen Grund haben warum wir etwas anders verstehen, aber auch das müssen wir nicht ergründen. Es einfach stehen lassen, ist eine Kunst die ich erst lernen musste!

© Libellchen, 2019

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