Negativer Filter

Am Donnerstag traf ich mich mit einem ehemaligen Kollegen. Und ich war nicht gerade erfreut darüber, da er mich zuvor über Social Media ein wenig genervt hat. Aber hin und wieder muss beim Netzwerken auch Kontakte pflegen die keine reine Freude sind! Und so machte ich mich am Donnerstag auf zu unserem Treffpunkt. Da das Wetter recht angenehm war, ging ich zu Fuß. War ja nur eine U-Bahn Station.

Da wir beide planlos waren, suchten wir uns ein Plätzchen direkt an der Donau. Dort bestellte ich mir einen Kaffee und er sich ein kleines Bier. Und dann ging es auch schon los. Er erzählte mir, was alles schief läuft in seinem Leben. Zuerst kam die Arbeit dran. Er war ja ein halbes Jahr nach mir bei der alten Dienststelle weggegangen und ist seit über einem Jahr versetzt, da seine Schwester wichtig ist und er den richtigen Namen hat. Ich hänge seit zweieinhalb Jahren in der Luft, habe vor kurzem den Job wieder gewechselt und sehe positiv in die Zukunft. Er hat was er wollte und regt sich über soooooo viele Kleinigkeiten auf! Unter anderem über etwas das ich genauso machen muss wie er und ich bis zu dem Zeitpunkt keinen Gedanken verschwendet hatte! Er hat aber offenbar irgendwann beschlossen „Ich bin doch keine Schreibkraft, die das alles abmalt“ und hat einfach eine Formulierung genommen, die halt an der Stelle – aus vertragsrechtlichen Gründen – nicht optimal war. Wofür er eine Rüge bekommen hat.

Natürlich hat er sich über die anderen aufgeregt! Ich hätte ja vielleicht mal hinterfragt warum ich das abmalen soll – so es mich den gestört hätte, was es nicht hat, ich habe es einfach kopiert…..!? Ich bekam übrigens eine Erklärung am Freitag. Wir machen das nicht weil wir lustig sind, sondern eben aus vertragsrechtlichen Gründen! Aber er ist sich offenbar zu fein für so „niedrige Arbeiten.“

Nach der Arbeit kam die Gesundheit. Überall zwickt es und er fühlt sich nicht richtig wohl. Tja, da konnte ich mit ein paar Geschichten mithalten, weshalb das Thema bald vom Tisch war. Jammern wenn auch der andere diesbezüglich Probleme vorzuweisen hat, ist halt nicht lustig. Obwohl ich nicht gejammert habe. Ich habe ihm nur von meiner Schulter erzählt und dass jetzt alles gut war. Da er bei weitem nicht so arge Probleme vorzuweisen hatte, lies er es einfach bleiben und schwenkte zum großen Thema des Jahres.

Er hat sich von seiner Frau getrennt. Warum genau habe ich nicht herausgefunden. Und auch nicht wer der Auslöser war. Ich vermute also dass es von ihr ausgegangen ist. Vielleicht ist ihr ja das ewige Gejammer auf den Geist gegangen….. Er war nämlich vor 10 Jahren noch ein wenig anders. Da konnte er sich zwar auch über vieles aufregen, aber zumindest war er sich damals bewusst, dass es eine Negativspirale gibt und dass man da drin nicht hängen bleiben sollte. Jetzt hat er es sich in ihr gemütlich eingerichtet. Er ist total mangelorientiert und schwemmt das alles mit Bier runter. Dabei war er total gesundheitsbewusst und sportlich als ich ihn kennen lernte. Mittlerweile hat er einen Bierbauch, einen unappetitlichen Drei-Tages-Bart und strahlt etwas aus, wo man eigentlich Abstand halten will.

Irgendwann wurde es an der Donau kalt – ein guter Grund zum Aufbruch! Wir zahlten und dabei kam es zu einem recht komischen Moment. Der Kellner fragte ob wir gemeinsam oder getrennt bezahlen und es kam von seiner Seite erstmal nichts. Natürlich braucht er mich nicht einladen, war ja kein Date. Aber er hätte auch einfach sagen können „getrennt“. Doch er blieb stumm. Also kommunizierte ich es und bezahlte meinen Teil. Ich meine, ist nichts dabei, war nur für mich ungewöhnlich. Ich bin normalerweise nicht diejenige die sagt wie bezahlt wird. Schon gar nicht wenn ich mit einem Mann unterwegs bin. Ausser es ist ein schlechtes Date! Da habe ich dann schon mal reingequatscht und gesagt dass ich selbst bezahle! Einfach um klar zu machen „Bis hierhin und nicht weiter“.

Danach wollte er noch wissen ob wir noch wo hingehen wollen. Nein, wollte ich nicht. Ich hatte das Maß an Negativität für diesen Tag erreicht. Damit ich ihn aber nicht einfach so stehen lasse, habe ich vorgeschlagen dass wir gemeinsam rauf zur U-Bahn Station Stephansplatz gehen. Da hätte er seine U3 und ich meine U1. Das war dann auch okay. Ein kurzer Spaziergang und bei der U-Bahn haben sich dann unsere Wege getrennt. Netzwerken für diese Woche erledigt! Vielleicht sogar für dieses Jahr. Ich werde heuer eher keine Initiative starten. Und ob er in die puschen kommt ist fraglich….

So ein Treffen nach der Arbeit ist aber voll okay. Ich bin sowieso in seiner Nähe und dann auch gleich mal zu Hause.

© Libellchen, 2019

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