Distanz

Die neue Arbeitswoche begann mit Telefonaten mit den Mädels der vorherigen Dienstelle.

Zuerst war Mrs. Wichtig dran. Sie hatte mir ein Abschiedsgeschenk zukommen lassen, wofür ich mich bedankt habe. Wir plauderten ein wenig und dabei erfuhr ich auch dass mein Ex-Kollege nach knapp vier Wochen wieder im Dienst ist. Die Mädels erzählten mir übrigens alle, dass er überall den sterbenden Schwan gibt und sich offenbar keine überwinden konnte, ihn zu fragen wie es ihm gehe. Das Gespräch mit Mrs. Wichtig war nett, aber auch ein wenig oberflächlich. Da merkte ich bereits die räumliche Distanz.

Dann kam meine Freundin S. dran. Auch sie schilderte mir den sterbenden Schwan und dann die Krankheiten ihrer Kinder und von ihr selber. So kenne ich das von früher. Wenn man mit ihr telefoniert, könnte man den Eindruck bekommen dass die ganze Last der Welt auf ihren Schulter lastet. Auflegen zu können, war eine enorme Erleichterung! Und mit dem auflegen, schüttelte ich auch gleich die ganze Negativität ab.

Dann wurde mal gearbeitet. Und am frühen Nachmittag telefonierte ich noch mit der Vorzimmerdame. Die hat diese Woche Geburtstag und hat mich zum Mittagessen eingeladen. Da konnte und wollte ich aber nicht zusagen. Mein Chef hatte angekündigt, das wir uns an dem Tag was ganz spezielles anschauen – deshalb „konnte“. Wobei es schon gegangen wäre, wenn ich mit ihm gesprochen hätte. Doch dann kam ich zu „wollte“. Da mein Ex-Kollege wieder retour ist und die ganze Abteilung eingeladen war, auch das anstrengende Nebenreferat, beschloss ich keine Zeit zu haben.

Sie nahm es locker, vor allem da wir uns am Freitag beim Rot Kreuz Kabarett sehen werden. Wir vereinbarten auf ihren Geburtstag anzustossen. Was definitiv entspannter klingt als durch Wien zu gurken um mit Menschen zu essen, die ich gar nicht sehen mag….

Alles in allem ist mir die Vorzimmerdame immer noch näher als die beiden anderen. Obowohl ich mit den beiden weit mehr zu tun hatte in der Vergangenheit. Was vielleicht auch der Grund des Gefühles der Distanz ist.

Mich macht das aber nicht wirklich traurig. Sie sind und waren Kolleginnen und manchmal ist ein wenig Distanz ja auch förderlich für ein langes gutes Arbeitsverhältnis.

© Libellchen, 2019

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