Der dankbare Nachbar

Samstag kurz nach 12 Uhr. Ich mache gerade eine Putzpause als es an der Tür läutet. Ich schaue vorsichtig durch den Türspion und entdecke meinen Nachbarn von oben. Also mache ich auf. Er ist offenbar immer noch unterwegs. In Tracht, mit Alkoholgeruch. Er hat sein Handy und seinen Schlüssel bei einer Freundin in der Tasche. Und sie, samt Tasche hat er auf der Wiener Wiesn leider verloren…

Er saß offenbar stundenlang beim Billa und wartete darauf dass sie kommt, ihr Auto holen. Doch sie kam nicht. Und ihm wurde mit der Zeit offenbar kalt und ein wenig Verzweiflung dürfte auch hochgekommen sein. Also kam er zu mir. Und wir probierten sie und eine andere Freundin mittels Facebook zu erreichen. Telefonnummer hätte er nur von der Mama in der Steiermark auswendig gewusst.

Ich weiß jetzt, dass man Menschen über Facebook anwählen kann, auch wenn man nicht mit ihnen befreundet ist. Sie bekommen dann eine Benachrichtung dass jemand versucht hat, sie zu erreichen. Das probierten wir bei der Freundin mit der er unterwegs war und einer anderen Freundin, die auch noch einen Zweitschlüssel hätte. Ich hatte ihn zwischenzeitlich genötigt rein zu kommen und habe ihm Wasser zum Trinken gebracht. Dann haben wir ein wenig geplaudert. Ihm war das Mega-peinlich und er wollte mich auch nicht „stören“. Ich lies mich aber nur zu gerne vom putzen abhalten.

Da sich niemand meldete, beschloss er nach einer dreiviertel Stunde wieder zurück zum Billa zu gehen. Dort stand das Auto der Freundin, die es ja irgendwann holen musste….. Ich fragte ihn noch ob er was braucht. Geld, Jacke,…. Er war total fertig deswegen, doch ich finde das ganz normal. Von mir aus hätte er auch bleiben können. Aber er lief echt ein wenig unrund wegen der ganzen Situation. Was ich auch verstand. Er beschloss wieder rüber zu gehen und ich versprach jede die zurück rief zum Billa zu schicken. Und ich bat ihn auch zurück zu kommen, falls die Freundin nicht kommen sollte. Sollte ihm kalt werden oder er was brauchen, solle er einfach wieder zu mir kommen. Das war ihm dann wirklich zu viel Hilfsbereitschaft.

Er war total fertig und hat sich ständig bedankt. Kaum war er aus der Tür raus, rief übrigens die Freundin (mit Handy und Schlüssel) von ihm zurück. Er bedankte sich nochmal bei mir und freute sich auf ein baldiges Bett. Wie ich mitgehört hatte, war er offenbar immer noch unterwegs gewesen und hatte nichts geschlafen gehabt. Der Arme war wirklich total fertig. Aber immerhin hat er eine nette Nachbarin die immer eine offene Tür, ein offenes Ohr, ein Handy und Wasser zum Trinken für ihn hat.

Als er weg war, habe ich aber erstmal durchgelüftet. Sonst hätte ich vielleicht noch einen Rausch bekommen….

Ich bin froh dass ich helfen konnte. Und dazu musste ich noch nicht mal die Wohnung verlassen!

© Libellchen, 2019

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