Abschied

Ich habe also mein Büro ausgeräumt, habe meinen Kollegen eine Kleinigkeit hinterlassen – ich war die letzten Tage mit den beiden Chefs alleine im Büro, alle anderen waren krank, Urlaub, etc. -, eine persönliche Verabschiedung für alle geschrieben, habe meine dienstlichen Geräte zusammengetragen und abgebaut.

Am Vormittag machte ich die erste Runde. Ich gab meine Einstellgenehmigung für mein Auto ab und bekam in der Cafeteria einen gratis Kaffee. Dafür hörte ich mir die Problemchen der Kellnerin an. Als ich mit dem Kaffee fertig war, wollte ich gerade gehen, als ein Personalvertreter die Cafeteria betrat. Ich tauschte mich kurz mit ihm aus und er wusste bereits über alles Bescheid. Er hat mich „im Blick“. Und er will sich darum kümmern, dass ich endlich versetzt werde. Das ist neu für mich. Eine Personalvertretung die mich unterstützt! Wahnsinn. Hätte ich mir auch nicht gedacht, dass ich das mal erlebe….Er wird mich bei der neuen Dienststelle auf jeden Fall demnächst besuchen kommen, wie auch ein anderer Personalvertreter. Die haben ihre Home-Base nämlich ganz in meiner Nähe… Und wir sprechen hier von zwei verschiedenen Parteien. Das kann auch nicht schaden!

Am Freitag um 13 Uhr machte ich meine zweite und letzte Runde. Zuerst zu meinem direkten Chef, der freute sich total über den Tee den ich ihm schenkte. Ebenso wie über die Zusicherung dass ich noch einmal vorbeikomme frühstücken. Sobald ich mich ein wenig eingelebt habe, bringe ich die letzten Reste die ich erstmal noch brauche und lade „mein“ Referat zum Frühstück ein.

Danach ging es weiter zu der sehr netten Vorzimmerdame aus der benachbarten Abteilung. Auch sie bekam eine Kleinigkeit und freute sich offenbar sehr darüber. Bei ihr wartete ich auch, während mein Abteilungsleiter bei geschlossener Tür telefonierte. Als er fertig war, überreichte ich ihm einen Kilo Kaffee und bedankte mich für alles. Es war ein sehr kurzes Gespräch. Wirklich viel hatten wir uns nicht zu sagen. Er ist der Meinung, ich mache einen Fehler. Ich bin der Meinung, zu bleiben wäre ein Fehler gewesen. Abgesehen davon dass die Abteilung sukzessive zerbröselt, haben wir auch immer weniger Arbeit. Und die Arbeit die wir haben, ist auch nicht meines. Ich kann sie zwar, ich mag sie aber nicht.

Wir gingen aber trotzdem „im Guten“ auseinander. Ohne böse Worte, was immer gut ist. Ein paar Jahre hat er noch zur Pension, wer weiß ob man sich nicht doch noch über den Weg läuft. Ich trage ihm nichts nach. Dass er sich nicht mehr für eine Versetzung für mich eingesetzt hat, wird seinen Grund haben. Wenn er über meinen Weggang verärgert ist, ist mir das aber auch egal. Er hatte über zwei Jahre Zeit mich an die Abteilung zu binden. Er hat es nicht getan, also bin ich ausgeflogen.

Nach der Runde fuhr ich den PC herunter und baute alles ab. Tja und dann war es Zeit zu gehen. Ich schrieb meinem Kollegen noch ein „Pfiat di!“ auf die Whiteboard. Wobei ich sagen muss, er hatte sich per Whats App gemeldet. Er wusste also dass ich gehe und ich gratulierte ihm auch zu seiner Versetzung. Er hat es geschafft. Hat lange genug durchgehalten und ist nun fix in der Abteilung. Ich schätze sein nächster Schritt wird sein eine Karenzierung zu bekommen.

Emotional gesehen bin ich froh, dass ich da raus bin. Und so empfand ich auch keine Wehmut als ich das Büro verlies und zusperrte. Ich stand in der Tür, überlegte ob ich jetzt traurig bin und beschloss „Definitiv nein!“ Zu gehen, war also auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Tja, und heute beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Neuer Standort, Öffis, neue Kollegen, neue Arbeit. Es wird sich also einiges ändern und ich freue mich total darauf! Ein klein wenig nervös bin ich aber auch ;-).

© Libellchen, 2019

 

2 Kommentare zu “Abschied

  1. Ich erinnere mich an meinem „Abschied“ – vor einem Jahr und 1 Tag – – nach 4 Jahren – alle gingen heim – verabschiedeten sich zwar mit – alles Gute für die Zukunft – niemand fand es der Mühe wert, mir die Hand zu geben – alles lief durchs Fenster in meinem Büro – und ich machte, wie üblich alles fertig – Stunden nachdem offizielles Dienstende war – dann schrieb ich meinem Chef noch ein eMail – legte die Handkassa in meinen Kasten – mein Firmenhandy dazu – meine Schlüssel daneben – ging und zog die Tür hinter mir zu.
    Ein Monat später waren wir – zum offiziellen Ende – zum Essen eingeladen – nicht, dass es irgendwer der Mühe wert gefunden hatte, mich dazu ein zu laden – ich habe es durch den Einzigen, der mir geblieben ist – erfahren. So selbstverständlich ich in all den Jahren war – so selbstverständlich war auch, dass ich sowieso weiß, wann und wo.
    Die, die ich eingeladen hatte, fanden es auch nicht der Mühe wert, zu meiner 60er-Feier zu kommen – es ist einfach alles vorbei und vergessen, was vorher war – alle Beteuerungen von wegen – Freundinnen fürs Leben – der ganze Schwachsinn – kaum waren sie bei der Tür draussen war ich für sie Luft. Ich bereue es, mir für sie 4 Jahre lang den A…… aufgerissen zu haben – ich kann es nicht mehr ändern – ich kann es nicht mehr rückgängig machen – eigentlich denke ich nicht mehr dran – aber dein Beitrag hats heut mal wieder angetriggert – und es musste einfach mal raus *zugeb*.
    Danke für diesen deinen Beitrag – er hat mir noch etwas bewusst gemacht – doch dazu demnächst mehr 😉

    • Wobei meine Ex-Arbeitskollegen am Montag sehr präsent waren! Zumindest die Mädels. Sie hatten heute eine Kleinigkeit von mir vorgefunden. Einen Anti-Stress-Smiley, eine Tafel Schokolade „schön dass es dich gibt“ und eine handschriftliche Nachricht von mir, wo ich mich individuell für die gemeinsame Zeit bedankt habe. Und darüber haben sie sich sehr gefreut. Sie haben mir WhatsApp geschickt und Mrs. Wichtig hat sogar am Abend angerufen. Sie vermissen mich auf jeden Fall mehr als ich sie. Was aber daran liegt, dass ich im neuen aufregenden Umfeld bin und sie jetzt noch eine weniger sind. Mrs. Wichtig meinte dann auch, dass sie jetzt dann mit Selbstgesprächen anfangen muss. Ab Mittwoch ist sie jetzt mit unserem Chef immer alleine. Sie wird mich auf jeden Fall vermissen! Ich versprach ihr, meine Telefonnummer zukommen zu lassen – sobald ich sie herausgefunden haben ;-).

      Also mir ging es heute definitiv besser als ihnen…. Und am Abend habe ich ihr dann auch noch gesagt, dass mein – nunmehr – Ex-Kollege mit morgen versetzt wird. Das haben ihnen die Chefs nämlich heute nicht mitgeteilt. Ich wusste es aber schon vorige Woche und wollte ihnen nur nicht das Wochenende versauen, deshalb habe ich meine Mund gehalten. Aber dass ihnen das heute niemand gesagt hat, finde ich echt heftig. Das sagt auch einiges über den Kommunikationsstil der Ex-Dienststelle aus….

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