Durch nichts darauf vorbereitet!

Das Leben hat mich schon vieles gelehrt. Ich habe gelernt zu kämpfen. Aufzustehen. Mit Enttäuschungen umzugehen. Ich habe gelernt fertig gemacht zu werden. Abgelehnt zu werden. War nicht willkommen. Wurde belogen, betrogen und zurückgewiesen. Doch worauf mich das Leben bisher nicht vorbereitet hatte war, dass mich gleich zwei Parteien gleichzeitig wollen und entsprechend umwerben….

Und ganz ehrlich, ich bin ein wenig überfordert damit! Sogar mein Bauchgefühl hat sich zwischenzeitlich verabschiedet.

Das Bewerbungsgespräch diese Woche war gut, was mich alleine schon überfordert hat. Niemand hat mir erzählt, dass ich unfähig sei. Sozial nicht kompetent genug, etc. Sie haben einfach die Fragen nett und höflich abgeklopft und ich habe offen und ehrlich geantwortet. Ich habe auch nicht vor jedem Satz überlegt, wie ich ihn formuliere damit er nicht gegen mich verwendet werden kann.

Wie gesagt, ich war ein wenig überfordert. Aber es war gut. Ich fühlte mich vorher wohl, währenddessen und auch danach. Ich ging nicht geknickt raus und fühlte mich wie ein wertloses Stück Scheiße. Im Gegenteil ich ging lächelnd in der Sonne zu meinem Arbeitsplatz retour.

Offenbar wollen sie mich. Ich könnte am selben Standort bleiben. Weiterhin mit dem Auto fahren und das Aufgabengebiet wäre eine machbare Herausforderung.

Auf der negativen Seite, ich wäre räumlich nicht weit weg von meiner jetzigen Dienststelle. Mir würden also auch Menschen über den Weg laufen, die ich nicht mehr unbedingt brauche und mein zukünftiger Chef ist um einiges kleiner als ich. Und ich habe immer wieder negative Erfahrungen gemacht mit Männern die kleiner sind als ich. Die fahren immer mal wieder ihr Ego aus. Wo leider auch das Bewerbungsgespräch keinen Rückschluss zulässt, da der zukünftige Vorgesetzte nicht da war, sondern im Krankenstand. Die beiden mit denen ich das Gespräch führte, wären in Zukunft nicht meine Hauptansprechpartner.

Ich ging also eigentlich euphorisch retour. Auf der anderen Seite läuft bereits der Antrag auf Dienstzuteilung ab Kalenderwoche 40. Ich habe also am Dienstag erfahren, dass ich ab folgendem Montag wo anders bin. Durch diese Dienstzuteilung wird auch die jetzige aufgehoben. Mein Sicherheitsnetz, ist also definitiv zu Ende. Entweder finde ich ein Platzerl oder ich bin retour bei der alten Dienststelle….

Ich überlegte was ich tun sollte – und telefonierte mit Menschen die mir möglicherweise Tipps geben können. Unter anderem telefonierte ich auch mit dem Vorgesetzten wo ich am Montag anfangen soll. Er versuchte meinen finanziellen Nachteil durch die Öffi-Karte auszugleichen. Viel können wir uns ja nicht bewegen im öffentlichen Dienst, aber ein wenig geht schon. Zumindest hatte ich das immer gehört, doch war ich nie Nutznießerin solch einer Regelung. Da sich jetzt blöderweise beide ins Zeug warfen, blieb die Entscheidung wiederum bei mir hängen. Und obwohl ich überdurchschnittlich entscheidungsfreudig bin gemäß Persönlichkeitsauswertung, war ich total überfordert in der Situation. Die Wahl zwischen zwei Jobs, die beide besser sind als dass wo ich herkomme bzw. gerade bin, ist zu viel für mich. Ich bin gut mit Entscheidungen treffen um Gefahren abzuwehren, aber eine Entscheidung zwischen zwei guten Optionen hatte ich glaube ich so noch nie zu treffen.

Als ich abends heimkam, befürchtete ich eine schlaflose Nacht. Also beschloss ich mein Unterbewusstsein einzuspannen. Aus irgendeinem Grund, kam mir dabei immer Groot von Guardian of the Galaxy in den Sinn. Mein Unterbewusstsein ist offenbar total niedlich….

Baby Groot

Immer wenn meine Gedanken begannen um das Problem zu kreisen, dachte ich nur Groot und konzentrierte mich auf meine Atmung – hatte ich aus dem MBSR Seminar. Und ich schlief auch bald mal ein. Gar kein Problem.

Am Mittwoch in der Früh war klar, ich trete die Dienstzuteilung am Montag an und dann schaue ich weiter. Das ist jetzt erstmal meine erste Entscheidung.

Übrigens hat mein jetziger Chef ein Problem damit. So wie er sich mir gegenüber verhält und mit mir spricht, dürfte er total beleidigt sein. Was mir aber total egal ist. Er hatte über zwei Jahre Zeit eine Lösung zu finden und alles was ich bekommen habe, waren leere Versprechungen. Mein Ex-Chef besuchte mich diese Woche übrigens auch und dem ist es eigentlich egal. Er war total „Ob sie jetzt da oder dort dienstzugeteilt sind, macht ja für mich keinen Unterschied.“ Jo eh. Aber dort werde ich vielleicht wirklich versetzt…..

Tja, also ich habe dann auf jeden Fall begonnen meine Sachen zu packen. Viel hatte ich ja eh nicht im Büro. Da ich immer nur für eine Weile verlängert worden bin, habe ich mich nie „häuslich“ eingerichtet. So ist wenigstens das Büro schnell ausgeräumt. Und meinen Kollegen sehe ich auch nicht mehr. Der ist ja nach wie vor krank. Was ich davon halte, habe ich übrigens unserem direkten Vorgesetzten mal ganz klar kommuniziert. Nicht falsch verstehen, krank sein ist okay. Er ist aber nicht so krank, dass er nicht weiterhin seine Workouts gegen Bezahlung anbieten könnte und bei Sportveranstaltungen teilnehmen kann. Er ist nur zu krank um seinem Brotberuf nachzugehen….Und das ist voll mies! Und nach meinem Abgang bleibt dann nur mehr Mrs. Wichtig für die Arbeit über und das finde ich auch nicht in Ordnung!

© Libellchen, 2019

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