Morgenplausch

Ich mag Routine. Doch manchmal ist sie einfach Kacke.

Wenn alles in Ordnung ist, ich gechillt bin und gut drauf, dann gehe ich in der Früh gerne zu meiner Freundin S. und Mrs. Wichtig ein wenig plaudern.

Wenn ich aber versuche gelassen zu bleiben, weil etwas Stressiges wie eine Testung oder ein Bewerbungsgespräch ansteht, dann meide ich meine Freundin S. lieber. Als ich vor der Testung bei ihnen Kaffee trinken war, hat sie mich nur unnötig fertiggemacht. Wobei sie das nicht so meint. Sie ist einfach besorgt! Und bringt einem erst auf vieles worum man sich sonst noch den Kopf zerbrechen kann.  Was Kacke ist, wenn man sowieso schon hypernervös ist….

Am Tag des Bewerbungsgesprächs habe ich beschlossen mir den Morgenkaffee zu sparen. Ich holte mir meinen Kaffee und ging in mein Büro. Was ich immer noch für mich habe, da mein Kollege noch immer krank ist. Dort trank ich in Ruhe meinen Kaffee und telefonierte mit Papa.

Während des Gespräches klopfte es an der Tür, was ich ignorierte. Ich war ja am Telefon. Kurz darauf klopfte es an der Wand zwischen unseren Büros. Was ich genauso ignorierte, da ich immer noch am Telefon war. Und ehrlich gesagt hätte ich es auch sonst ignoriert. An die Zwischenwand klopfen ist auch nicht höflicher als jemand nachpfeifen.

Nach dem Telefonat ging ich auf die Toilette und holte mir noch einen Kaffee. Und da stand auch schon meine Freundin S. vor der Tür. Ob ich böse auf sie sei?! Ich verneinte. Ich hätte nur zu tun. Diese Antwort verwirrte sie und sie fragte ob ich das Klopfen gehört hätte. Ja und? Ob ich nicht rüberkommen wolle. Nein, ich habe zu tun. Ich komme später. NACH dem Gespräch nämlich. Wow. Ob sie mir helfen solle, wenn ich so viel zu tun habe!? Nein, nicht nötig. Während der Frage versuchte sie einen Blick auf meinen Bildschirm zu erhaschen um herauszufinden was ich genau tue. Man wie mich diese Neugierde nervt. Kann mein Bürokollege auch ganz gut! Wobei der nicht mal von meinem privaten Handy halt macht!

Da ich nicht aufstand und ihr folgte – und sie auf später vertröstete – fragte sie noch ob alles in Ordnung sei. Ja, klar! „Na, ich weiß nicht!“ Der nächste Punkt der nervt. Wenn andere Leute immer anzweifeln was ich ihnen sage. Ja, es ist alles in Ordnung. Bei mir. Bei uns. Ich erspare mir nur die morgendliche Inquisition von ihr. Ich will gelassen in das Gespräch gehen und mir nicht vorher von ihr Fragen mit auf den Weg geben lassen. Es ist mein Leben. Mein Job oder auch nicht. Meine Verantwortung. Und ich bin es leid, mir ihre Negativität immer umhängen zu lassen. Doch auch das wollte ich nicht alles VOR dem Gespräch ausdiskutieren.

Vor allem weil es nichts an unserem Verhältnis ändert. Sie ist wie sie ist und ich mag sie trotzdem. Doch in meiner jetzigen Situation muss ich ein wenig auf mich und mein emotionales Gleichgewicht achten. Da brauche ich niemand der mich aus meiner Ruhe kickt. Was sie aber ständig tut. Natürlich ist das jetzt offenbar ein Problem, weil ich sonst ja auch immer plaudern gekommen bin. Ja eh, allerdings habe ich mir das nur angewöhnt, da ich sonst nicht mal zu meinem ersten Kaffee gekommen wäre. Normalerweise fängt sie mich ab, wenn ich ins Büro komme und quatscht mich nieder. Seit ich regelmäßig mit meinem Kaffee rübergehe, darf ich mich in der Früh in Ruhe ausziehen und meinen PC hochfahren.

Der Kaffeeplausch hat sich also etabliert, weil ich den Weg des geringsten Widerstandes gegangen bin. Statt sie jeden Tag in der Früh abzuwimmeln, habe ich mich rüber gesetzt. Und weil ich jetzt einmal die Routine durchbreche, wird das gleich alles hinterfragt und mein Wohlbefinden in Frage gestellt. Es ist aber trotzdem weniger belastend als mich ihrem Fragen-Stakkato zu stellen!

NACH dem Bewerbungsgespräch habe ich sie übrigens aufgeklärt. Jedes Gespräch hat einfach seine Zeit….

© Libellchen, 2019

Ein Kommentar zu “Morgenplausch

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