Was andere denken…

Als Kind war das der erste Gedanke für jedes Handeln oder Wort von mir. „Was denken andere darüber wenn ich das jetzt sage/tue“. Und natürlich würden sie schlecht von mir denken, wenn ich das sagen oder tun würde, wonach mir war. Das kam daher, dass ich so ziemlich alles anders machen wollte als meine Großeltern bei denen ich aufgewachsen bin. Und natürlich war alles was sie sagten oder taten richtig. Weshalb alles was von mir hätte kommen wollen, falsch gewesen wäre.

In der Schule wiederum war es ein Selbstschutz nur nicht aufzufallen. Ich war sowieso ein dankbares Mobbing-Opfer. Den Mund zu halten ersparte mir zumindest die eine oder andere Frotzelei. Doch je weniger ich mich sagen traute, desto weniger traute ich mich auch tun. Mit 12 Jahren war ich ein total hilfloses kleines Hascherl, dass vor dem eigenen Schatten Angst hatte. Ich wusste nicht wie ich mit Gleichaltrigen reden sollte, wie mit Erwachsenen oder sonst wem.

Doch das war anerzogen. Das war nicht ich in der Tiefe meiner Seele. Doch das wusste ich damals nicht. Ich wurde klein gehalten und war auch klein. Zumindest emotional.

Das „Was denken die Leute von mir?“ begleitete mich noch sehr lange. Ein wenig leichter wurde es, nachdem meine Großeltern gestorben waren. Für mich war das echt eine Erleichterung, vor allem weil ich aufhören konnte zu versuchen ihnen klar zu machen, dass ich nicht mehr das kleine 12 jährige Hascherl war. Denn so behandelten sie mich. Auch als ich bereits Karriere gemacht hatte. Als ich mir eine eigene Wohnung und ein Auto finanzierte. Nichts kam wirklich bei ihnen an. Sie behandelten mich immer noch als wüsste ich nicht wo man Milch kaufen kann.

Je erfolgreicher ich im Beruf wurde, desto mehr wünschte ich mir auch, dass meine ehemaligen Mobber sehen könnten, wo ich gelandet war. Was ich leistete. Wer ich geworden war. Auch daran verschwendete ich eine zeitlang viel Energie und Tagträume. Ich wünschte mir einfach dass sie sahen, dass sie mich nicht gebrochen hatten – auch wenn sie sich noch so sehr bemüht hatten.

Doch in letzter Zeit war mir das immer mehr egal geworden. Ich bin einfach meinen Weg gegangen. Habe Neues für mich entdeckt. Neue Hobbies gefunden, neue Menschen kennen gelernt und einfach mein Leben in tiefer Zufriedenheit gelebt.

Letztens traf ich mich mit meiner Mutter. Unser monatlicher Mädelsnachmittag. Da wird dann auch über alles geplaudert, was so ansteht. Und als ich so erzählte grinste sie plötzlich. „Ich muss gerade daran denken, was Opi von deinem politischen Engagement halten würde.“ Hm. Wahrscheinlich wäre er schockiert. So wie ich mich zwischen den Gemeindepolitikern bewege wäre für ihn unvorstellbar gewesen. Doch dann fiel mir ein, wenn er noch leben würde, würde das sowieso nicht ankommen. Wie so vieles anderes auch nicht angekommen war. Sollte er es jetzt sehen – von wo auch immer er auch ist – dann ist das sicher ein Schock für ihn. Und ich hatte daran bisher keinen einzigen Gedanken verwendet. Und das ist das wirklich überraschende. Was die Leute von mir denken bestimmt nicht nur nicht mehr mein handeln, es interessiert mich schlichtweg nicht mehr. Egal ob diese Menschen leben oder tot sind. Ob sie mir wohlgesonnen sind oder das Gegenteil. Ich orientiere mein Handeln nicht mehr an der Umwelt. Ich tue was ich will und die Menschen die es gut heissen, sind Teil meines Lebens.

Dabei fiel mir ein dass eine ehemalige Mobberin von mir im selben Ort wohnt und es könnte sein dass sie mein Engagement mitbekommen hat. Aber auch daran hatte ich bisher keine Gedanken verschwendet. Und jetzt wo ich darüber nachdenke, juckt es mich auch nicht.

So präsent der Satz mich 30 Jahre meines Lebens begleitet hat, ist er jetzt gerade mal eine Fußnote in meinem persönlichen Alltag.

Herrlich! Danke Mama fürs darauf aufmerksam machen!

© Libellchen, 2019

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