Anschluss gesucht und gefunden

Als ich vor fünf Jahren umgezogen bin, begab ich mich auf die Suche nach Anschluss. Ich untersuchte die Vereinsliste des Ortes, schmökerte in der Gemeindezeitung und suchte etwas, wo ich mich wohlfühlen könnte.

Was ich fand war

  • Vereine für Kinderaktivität
  • Vereine für alte Menschen
  • Diverse Sportvereine und
  • Einen Bierklub

Wenn man also kein Kind hat oder alt ist, weder Fussball, noch Tennis spielt oder Bier trinkt, findet man bei uns im Ort eher keine Gruppe wo man sich wohlfühlen könnte.

Fünf Jahre lang hielt ich Augen und Ohren offen. Und fand absolut nichts.

Irgendwann legte ich das Thema auf die Seite. Dann halt nicht.

Da mich meine Tätigkeit im Büro – in der neuen Dienststelle – weit weniger fordert als meine alte Dienststelle, machte ich mich irgendwann auf die Suche nach einer Aufgabe in meiner Freizeit. Und irgendwie landete ich so beim Roten Kreuz im Nebenort. Und dort fand ich auch Anschluss. Die Teamkollegen/-innen sind alles total nette Menschen und ich fühlte mich sofort wohl.

Ab da, dachte ich auch über Kontakte im selben Ort gar nicht mehr nach. Und so fanden sie mich dann auch. Beim Speed-Dating wurde ich gefragt wie ich bei der Truppe gelandet war und ich erwiderte – nach kurzem Nachdenken – „Ich weiß es eigentlich gar nicht.“

Und genau das ist ja der Punkt. Als ich nicht mehr suchte, fanden sie mich. Die kreativen, engagierten Zugezogenen des Ortes traten an mich heran. Durch Zufall. Und ich ging hin und blieb.

Natürlich war ich auch erst jetzt für sie bereit. Durch die Arbeit beim Roten Kreuz bin ich echt locker im Umgang mit fremden Menschen geworden. Das war ich früher nicht. Früher hätte ich bei so einer unangekündigten Speed-Dating Aktion eine Panikattacke bekommen und wäre verstummt. Auch wenn ich mich diesmal nicht davon begeistert war, machte ich doch mit. Das wäre vor 10 Jahren noch undenkbar geworden. Da hätte ich mir viel zu viele Sorgen gemacht und hätte meinen Mund nicht aufbekommen.

Und ich kann mich auch mittlerweile abgrenzen, wenn ich etwas nicht mag. Als ich gefragt wurde ob ich beim Kinderfest helfen kann, erwiderte ich „Also ich und Kinder ist nicht so eine gute Idee. An was hast denn da gedacht?“ Zuerst schaute mein Gegenüber überrascht – von einer Frau zu hören, dass sie sich eher nicht um die Kinder kümmern will, war wohl eher neu für ihn – doch dann überlegte er kurz und fragte nach Ausschank. Das ist okay. Das schreckt mich nicht. Also sagte ich zu. Und schon hatte ich das nächste Wochenende verplant.

Irgendwie kann ich meinen neuen Freizeitplan noch nicht ganz verstehen. Vor vier Jahren war mein Leben noch ganz anders. Sowohl dienstlich, als auch meine Freizeitplanung. Überraschenderweise freut es mich aber, dass ich so viel unterwegs bin. Und zwar ganz alleine, ohne Mann an meiner Seite. Ich gehe selbstbewusst alleine überall hin. Und fühle mich noch nicht mal unwohl dabei. Welch eine Veränderung! Und vor allem, in welch kurzer Zeit. Hat eine Wesensveränderung bei mir früher Jahrzehnte gedauert, geht es jetzt eher Schlag auf Schlag – also zumindest vom Gefühl her.

Schön!

© Libellchen, 2019

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