Immer wieder

Ich lese Bücher die ich mag, mehrmals. Ich sehe mir Filme und auch Serien mehrfach an. Bei meine Lieblings-Filmen kann ich mitsprechen. Ebenso bei den Lieblingsszenen in „meinen“ Serien. Und auch bei Büchern weiß ich was als nächstes kommt, was aber nichts daran ändert, dass ich meine Lieblings-Bücher mehrfach zur Hand nehme.

Worüber ich nie nachgedacht habe. Für mich ist das einfach normal. Und ich kenne genug Menschen die dasselbe bei Filmen und Serien machen. Bei Büchern weiß ich es nicht, so viele Leseratten kenne ich jetzt nicht.

Meine Freundin S. liest sehr gerne. Allerdings jedes Buch nur ein einziges Mal. Und erst wie ich mit ihr darüber geredet habe, ist mir aufgefallen, dass meine Normalität, nicht für alle normal ist. Wobei ich es nicht normal finde, Bücher zu besitzen, die man nicht zur Hand nimmt…. Zumindest nicht mehr, nachdem man sie einmal gelesen hat.

Also nicht mehr. Früher habe ich auch alle Bücher behalten. Einfach weil es Bücher sind und man sie nicht wegschmeisst. Mittlerweile werden die „Einmal-Bücher“ einfach eingetauscht. Bücher die mich nicht genug berührt haben, dass ich sie ein zweites Mal lesen würde, landen in der Bücherzelle.

Vor kurzem sah ich im Fernsehen eine Werbung für Kinderbücher und da dachte ich so „Solche hatte ich auch mal!“ Und dabei kam mir mal wieder eine Erkenntnis. Ich lese Bücher mehrfach, weil ich es mir als Kind so angewöhnt hatte. Ich hatte nicht viele Kinderbücher und so las ich die, die ich hatte, immer und immer wieder. Lesen war meine Flucht vor meinem Leben.

Beim Lesen konnte ich mich um die jeweilige Geschichte kümmern und brauchte nicht darüber nachdenken, dass mich niemand liebte oder wollte. Dass ich keine Freunde hatte und ein einsames kleines Kind war, dass sich einfach nur nach Liebe sehnte. Lesen war meine Flucht. Und meine Lieblings-Bücher gaben mir etwas, was mir das echte Leben nicht gab. Und so tauchte ich immer und immer wieder in die Welt derselben Bücher ein.

Es gab Phasen in meinem Leben wo ich fast nie las. Einfach weil ich besseres zu tun hatte. Oder zumindest dachte ich das. Ob sich betrinken und Party machen so viel besser war als lesen, würde ich rückwirkend in Frage stellen. Aber damals gab es für mich keinen Grund zur Flucht. Obwohl. Eigentlich flüchtete ich damals in den Alkohol….

Heute lese ich lieber wieder. Was meine Lieblings-Bücher übrigens alle gemein haben. Sie geben mir Hoffnung. Hoffnung das es für jeden Menschen jemand gibt, der einen liebt. Und nicht nur im Sinne einer Partnerschaft. Dabei bräuchte ich diese Hoffnung gar nicht mehr. Mittlerweile weiß ich ja, dass es so ist. Aber offenbar trage ich diese Defizit der Kindheit immer noch in mir. Ich habe keine Ahnung ob man so etwas jemals wirklich los wird. Es ist zwar im Alltag nicht mehr belastend und ich denke auch kaum noch darüber nach, aber die Bücher nehme ich immer noch gerne zur Hand.

Oder auch die Serien und Filme. Gestern stolperte ich zufällig über Dirty Dancing. Auch so ein Film der in die Kategorie Hoffnung fällt. Wie alles mit Happy End eigentlich. Und ja, ich habe ihn mir angesehen. Zum ca. 100. Mal. Und er war wie immer gut. Obwohl er eigentlich nebenbei lief und ich nur hin und wieder hinschaute. Und als ich „She´s like the wind“ hörte, traten mir augenblicklich Tränen in die Augen. Ein Blick auf den Fernseher. Aha, Abschiedsszene. Ein Wahnsinn, wie ein Lied bei mir Emotionen auslösen kann…. „Time of my life“ ist dann das genaue Gegenteil. Das Lied bringt immer ein Hoch mit sich. Da geht es mir sofort gut.

Vielleicht mag ich die Wiederholungen deshalb auch so gerne. Ich weiß, wie es ausgeht und kann mich ganz auf meine Emotionen konzentrieren. Ich warte nicht auf das Ende und überlese/-höre/-sehe etwas. Ich bin im hier und jetzt. Das Ende kommt schon früh genug. Und bei der Wiederholung mag ich auch gar nicht dass es zu Ende ist. Denn dann ist es vorbei. Beim ersten Mal bin ich getrieben von dem Ziel des Endes. Ich mag wissen wie es ausgeht. Und dabei bleibt das eine oder andere auf der Strecke. Manch einen Witz, eine Andeutung oder einen Zusammenhang, bekomme ich erst beim wiederholten schauen/lesen mit.

Ob das normal ist? Egal. Für mich ist es normal!

© Libellchen, 2019

 

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