Helfersyndrom

Ich war jetzt ein Wochenende mit lauter netten, hilfsbereiten Menschen beisammen. Dementsprechend war auch das Klima! Obwohl….

Zwei gab es, die mich eher abgeturnt haben. Eine, einfach aufgrund ihrer Persönlichkeit. Die hat den Mund aufgemacht und ich war sofort gereizt. Ein typischer Fall von unpassender Chemie! Und mit dem anderen hatte ich schon mal Dienst, doch dort ist es mir nicht so aufgefallen. Während des Dienstes ist aber auch nicht so viel Zeit zu plaudern….

Er hat zwar Migrationshintergrund, ist aber seit 51 Jahren in Österreich, hat hier studiert und gearbeitet. Er spricht auch deutsch, aber nicht immer versteht er alles. Was aber eher an seinem ganz persönlichen Denken liegen dürfte. Und er hat sehr viel gefragt, weil er die Vortragende nicht oder falsch verstanden hat. Da die Vortragende normalerweise mit Berufsschüler arbeitet, konnte sie damit aber recht gut umgehen. Ich aber nicht. Ich ertappte mich immer wieder, dass ich ihm gar nicht mehr zuhörte.

Leider war ich bei einer Übung genau mit den Beiden in einem Team. Mein Worst Case sozusagen. Unser Ergebnis war dafür überraschend gut! Wir haben die Aufgabe gemeistert und eine nette Präsentation hinbekommen. Mir hat die Viertelstunde mit den Beiden, aber mehr Kraft gekostet als die restlichen zwei Tage!

Mühsame Menschen kosten mir einfach enorm viel Kraft. Und das größte Problem – für mich – mit ihm war, dass er ein echtes Helfersyndrom hat. Er will allen helfen – ob sie wollen oder nicht. Wir haben ihm sicher 30 Mal – kollektiv – erklärt „Man kann nur jemand helfen, der sich auch helfen lässt!“ Man kann nun mal niemand zu seinem Glück zwingen. Aber offenbar wollte er auf dem Kurs lernen, wie man Menschen dazu zwingt, dass sie sich helfen lassen. Die ständige Wiederholung immer gleicher Fragen war das wirklich nervige an ihm. So ist er ja ganz nett, aber das würde ich auf Dauer nicht brauchen!

Und die andere mochte ich einfach nicht. Alles an ihr stieß mich ab. Wie sie schaute, wie sie redete, einfach alles. So eine Antipathie habe ich echt selten. Doch ich merke immer wieder, dass es auch anderen so geht, wenn auch mit anderen Menschen. Das war total witzig zu beobachten. Fast jeder hatte jemand, dem er oder sie aus dem Weg ging. Da wir aber alle dasselbe Ziel haben und im selben Verein arbeiten, lassen wir einander neben uns leben – wie man so schön sagt. Es gab keine offenen oder schwelenden Konflikte. Nur manche mieden halt andere.

Der Inhalt des Kurses war nicht so aufregend. Vieles hatte ich schon mal früher gelernt, aber da bekam ich zumindest wieder eine Auffrischung. Was ich aber gut fand war der Teil wie wir uns als Vertreter des Vereines zu verhalten haben. Wie wir uns abgrenzen können und auch dass wir uns nicht alles gefallen lassen müssen/sollen. Was ich eh nicht getan habe, aber schön, dass auch der Verein selbst das so vorgibt.

Und sie hat uns auch immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass wir darauf achten sollen, dass wir uns nur so lange engagieren, so lange es uns dabei gut geht! Wenn es mal keinen Spaß mehr macht, sollten wir uns was anderes suchen. Das fand ich ehrlich gesagt schon sehr groß von ihr. Ich bin es eher gewohnt dass der Dienstgeber alles von einem nimmt was er bekommen kann – ohne dass es jemand interessiert wie es einem dabei geht….

Alles in allem war es ein schönes Wochenende, ich bin aber froh dass ich jetzt noch eine Woche Urlaub habe. Morgen gleich wieder ins Büro wäre wirklich zu heftig gewesen.

© Libellchen, 2019

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