Ansichtssache

Ich muss gestehen, ich hab es nicht so mit den extremen Rändern. Ich fühle mich am wohlsten in der Mitte. Und damit meine ich jetzt nicht Politik, sondern auch Ansichten…

Es gibt Menschen die fühlen sich am wohlsten bei ihren Verschwörungstheorien und andere sind „Licht und Liebe-Tussis“ denen nichts was anhaben kann. Ich kann weder mit dem einen, noch mit dem anderen was anfangen. Ich bin ein Realist in der Mitte – so zumindest meine Selbsteinschätzung.

Je nachdem wen man fragt, wird man eine andere Sicht von mir erzählt bekommen. Meine Freundin S. steht ja eher auf der rechten Seite des Universum und fühlt sich total wohl mit Verschwörungstheorien. Für sie bin ich ein klassischer Gutmensch, der gerade noch so etwas mit ihrem Universum zu tun hat. Aretha würde sich selbst wahrscheinlich auch eher in der Mitte ansiedeln und mich – da wir in vielen Dingen gleich ticken – auch. Und manch ein „Linker“ würde mich schon aufgrund meines Arbeitgebers, eher rechts der Mitte ansiedeln.

Und so ist es doch eigentlich immer. Alles ist eine subjektive Betrachtung. Aus der jeweiligen Sicht heraus. Ich persönlich mag Menschen die das wissen und daher auch mit anderen Standpunkten klarkommen können. Menschen die ihr Weltbild für das allein richtige halten und keine andere Sichtweisen akzeptieren können, brauche ich mittlerweile nicht mehr in meinem Leben.

Letztens hat dazu eine Bekannte auf Facebook auch einen Beitrag gepostet, der in dieselbe Richtung geht. Ich weiß ja warum ich sie mag! Allerdings war in dem Beitrag auch eher eine extreme Sichtweise. Eine mit der ich persönlich derzeit nicht klarkomme – ich schließe nicht aus, dass sich das mal ändert. Die Verweigerung jedes Konsums von Medien. Wobei ich auch in echt zwei Menschen kenne, die das verweigern. Eine liebe Freundin die aber trotzdem eine Ahnung hat wie die Welt tickt und mein Kollege, der einfach nur doof ist.

In dem Beitrag hat der Verfasser auch darauf hingewiesen, dass er schon lange keine Medien mehr konsumiert, weil er auch nicht mehr mitleiden musste mit den Opfern. Also bei Gewaltverbrechen zum Beispiel. Und ich saß da und dachte so. Habe ich noch nie! Also wenn in der Zeitung was steht von misshandelten Kindern, saß ich noch nie zu Hause und hab geheult. Nicht weil ich das nicht schrecklich finde, sondern weil ich mich diesbezüglich immer schon abgegrenzt habe. Ganz intuitiv übrigens. Mittlerweile verweigere ich Mitleid bewusst. Hilft schließlich niemand. Wenn jemand leidet und ich mitleide, leiden zwei Leute. Macht das ganze also nicht besser….Wenn jemand leidet, bin ich lieber da und stelle meine Schulter zur Verfügung. Damit geht es mir nicht schlecht und der anderen Person danach vielleicht besser.

Was ich auch spannend fand, der Verfasser des Artikels konsumiert keinerlei Medien mehr, weil er nicht mit den Gewaltopfern mitleiden muss. Mein Kollege meinte letzten auch etwas ähnliches. Jemand hatte ihm einen Beitrag von der Gratiszeitung „Heute“ gesendet, der offensichtlich Bullshit war. Er dann so „Deshalb lese ich keine Medien, die schreiben ja alle nur Mist!“ Und ich so „Heute ist jetzt aber auch kein Maßstab für die Medienlandschaft. Maximal der untere Rand.“

Und auch hier fiel mir auf, ich habe mir intuitiv die richtigen Medien für mich gesucht. In Papier bekomme ich einmal die Woche „Profil“ und zwar schon seit einem Jahrzehnt. Darin wird Innen- und Aussenpolitik abgehandelt. Wissenschaft. Ein wenig Aufdeckerjournalismus. Meinungen. Die Artikel sind gut recherchiert und abwägend. Manchmal wird ein Thema von mehreren Journalisten, von mehreren Seiten aufgearbeitet. Einer pro. Einer contra. Und einer mit einer ganz anderen Sichtweise irgendwo dazwischen. Ich hatte bei der Zeitschrift nie das Gefühl dass sie mir eine Meinung aufzwingen wollen. Sie stellen mir Informationen zur Verfügung und ich kann damit machen was ich will.

Online lese ich dann noch „Die Presse“. Dort sind die Artikel ähnlich. Nur halt eher was gerade passiert – weil einfach online und ständig aktualisiert. Und trotzdem gibt es dort keine 50 Worte Artikel. Die kürzesten Beiträge sind so lange wie meine Blogbeiträge.

Beide Medien schreiben übrigens nur selten über (Auto-)unfälle oder sonstige Gewalttaten. Eher was bei einem Gerichtsurteil herausgekommen ist. Bei keiner der beiden Zeitungen habe ich das Gefühl dass sie an meine Gefühle appellieren. Sie bleiben sachlich und faktisch. Zumindest überwiegend. Hin und wieder scheint zwar die persönliche Meinung durch, doch das sei ihnen verziehen.

Ich verstehe zwar den Ansatz in dem Beitrag, für mich ist er aber ein wenig zu sehr „Licht und Liebe“. Ich mag den Ansatz zwar grundsätzlich, aber ich mag auch wissen was auf dieser Welt passiert. Ich bin einfach gerne informiert. Ich leide deshalb aber auch nicht. Warum hier die Abgrenzung – mit der ich bei Menschen eher Probleme habe – so gut funktioniert weiß ich nicht. Ist aber so.

Ich wähle also wieder eher den Mittelweg, mit Tendenz zu „Licht und Liebe“.

© Libellchen, 2019

Ein Kommentar zu “Ansichtssache

  1. 😉
    Also ich hab keinen Fernseher und keinen Radio zu Hause, aber ich hab Internet und Facebook – und ich finde, diese beiden Sätze sagen eigentlich eh alles aus:
    „Letztens hat dazu eine Bekannte auf Facebook auch einen Beitrag gepostet, der in dieselbe Richtung geht. “
    „Die Verweigerung jedes Konsums von Medien. “
    Ich könnt mir vorstellen, dass die Ausagen an sich nicht das Thema sind, welches dich wirklich gestört hat – sondern der Widerspruch in den Aussagen – wenn wir unterstellen, dass Facebook auch eins der Medien ist *lach*

    Wobei bei mir der Verzicht auf diese beiden Medien daraus resultiert, dass mein LetztEx beim Abmontieren seiner Musikanlage irgendwas beim Sat beschädigt hat – und ich dann einfach zu faul war, das Teil reparieren zu lassen. Ausserdem waren beide meiner LetztExen fernsehsüchtig – und ich hab das dauernde Brabbeln im Hintergrund einfach nimma ertragen.
    War so wie bei dir mit Rauchen – du hast nicht bewusst aufgehört – sondern hast einfach keine mehr geraucht – und ich hab nach Jahren, wo mich der tote Apparat angeschaut hatte – diesen dann einfach zum Sperrmüll gekarrt – und die Sat-Schüssel wem geschenkt, ders damals grad brauchte.

    Und wer „Heute“ oder „Krone“ liest, ist für mich sowieso kein Maßstab *zugeb*

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