Authentisch

„Am schönsten bist du, wenn du niemandem gefallen willst!“

Das habe ich auf einer Zeitschrift gelesen und das hat etwas in mir ausgelöst. Es hat mit meinem Verhalten meiner Mitmenschen gegenüber zu tun. Egal ob es Freundschaften, Familie oder Beziehungen sind, ich halte mich zurück.

Als erstes dachte ich dabei natürlich an Männer. Schön sein wollte ich ja immer nur für die Männerwelt. „Gefallen wollen“ dass war  das Stichwort, wo etwas tief in mir anfing nachzuhallen. Ich wurde dazu erzogen gefallen zu wollen. Ich war das angepasste Kind, dass sich immer ihrem Umfeld angepasst hat.

Und so war es auch immer in meinen Beziehungen. Obwohl ich es im Laufe der Jahre reduziert habe und immer mehr ich selbst wurde, gab es auch in der letzten Beziehung Dinge, die ich getan habe weil man das halt so macht. Und dabei rede ich zum Beispiel von so Dingen wie die Wohnung in Top-Zustand zu halten. Ich bin nicht gerade eine Putzfee. Und mein Ex war ein Reinlichkeitsfanatiker. Also habe ich sicher doppelt so oft geputzt als ich es alleine tue. Natürlich ist das nur eine Kleinigkeit, aber zumindest in der Sache war ich bei ihm nicht zu 100% authentisch.

In jeder Beziehung gibt es Kompromisse und ich habe immer gleich mal damit angefangen den Kompromiss von meiner Seite zu leben – ohne dass jemand dergleichen von mir eingefordert hätte. Und das ist der eigentliche Punkt. Ich ging immer gleich mal auf alle zu und machte es allen extrem einfach mit mir klarzukommen.

Was mir aber nix gebracht hat. Wenn ich es allen Menschen leicht mache mit mir klarzukommen, dann weiß ich nicht wer bei mir bleiben würde, wenn es mal unangenehm wird. Ich nehme vieles hin wenn mir etwas an jemand liegt. Ich verzeihe vieles, bis es zu viel wird. Und dann bin ich gleich mal eine Wolke. Ich wünsche mir immer dass ich den Menschen die mir wichtig sind, für sie auch wichtig bin. Doch das Leben ist kein Wunschkonzert. Es gibt Menschen für die bin ich ein Selbstverständlichkeit. Denen liegt weit weniger an mir, als mir an ihnen. Und ich komme sicher nicht weiter, wenn ich es diesen Menschen auch weiterhin leicht mache mich lieben zu können. Wenn sie es nicht tun, wenn ich es ihnen leicht mache, dann werden sie es nie tun. Ist so.

Als ich jünger war, habe ich mich immer wieder gefragt wieso Männer lange Jahren mit echten Zicken aushielten. Ich wäre so unkompliziert gewesen, doch nein, sie hielten sich an die Zicken. Naja, die waren wenigstens echt. In mir war ja auch immer wieder Wut, Angst oder sonst welche negativen Gefühle. Nur hatte ich gelernt sie zu unterdrücken. Niemand interessieren meine Gefühle. Also brauche ich sie auch nicht zu kommunizieren. In meiner Kindheit kam ich viel weiter wenn ich „Gutes Gesicht zu bösem Spiel machte“.

Das sitzt echt enorm tief. Eigentlich arbeite ich bereits seit fast 10 Jahren daran, doch wenn ich Gefühle für jemand habe, dann falle ich immer wieder in alte Verhaltensmuster.

Aber wenigstens kann ich es mittlerweile schön langsam im Freundeskreis. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das mittlerweile. Wenn auch oftmals vorsichtig und nicht unmittelbar, aber immerhin.

Es wird also schön langsam, wenn ich mir auch hin und wieder wünschen würde, dass dies etwas einfacher und schneller gehen würde. Zumindest bin ich mittlerweile ganz ich selbst bei Menschen die mir nicht wichtig sind. Das war ja die erste Lernerfahrung. Ich wurde ja sogar dazu erzogen, mich an Menschen anzupassen, die ich NICHT mag. Eigentlich total krank.

Das ich da ganz komisch ticke wurde mir auch klar, als sich vor kurzem ein Arbeitskollege meldete um mit mir Abendessen zu gehen. Ich bekam sofort mal Panik, weil ich nicht wusste wie ich es ihm und Aretha Recht machen konnte. Schließlich war ich mit ihr am See….Doch sie war total entspannt. „Hallo! Wenn dich wer zum Abendessen einlädt, sagst du auf jeden Fall zu!“ Dann ging es noch darum, wo wir uns treffen. Und da wagte ich – für mich – großes! Ich gab eine Uhrzeit vor, wann ich zu Hause abgeholt werden konnte. Und es funktionierte ohne Probleme. Er wollte mich sehen und dachte sich wahrscheinlich gar nichts, dass er mich abholen sollte. Doch das ist nicht typisch ich. Mein erster Gedanke ist immer den anderen entgegen zu kommen…. Wie mache ich es ihm leicht, wenn er mich spontan zum Essen einlädt? Ist doch komisch oder? Ich soll spontan sein und dann noch ihm Last abnehmen – was für ihn noch nicht mal eine Last ist. Ob er ins Restaurant fährt oder zu mir, ist ja kein großer Umweg. Doch dass jemand für mich einen Umweg fährt – und seien es nur 5 Minuten – ist einfach nicht in meiner DNA gespeichert. Ich fahre Umwege für andere, nicht umgekehrt!

Ich glaube da liegt noch das eine oder andere verborgen in mir.

In Zukunft werde ich da auf jeden Fall noch ein wenig mehr darauf achten. Vielleicht erkenne ich noch das eine oder andere Muster.

© Libellchen, 2019

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