Ruhe in Frieden

Gestern war ich auf dem Begräbnis meines Onkels. Und jedes Begräbnis in meiner alten Heimat ist doppelt schwer für mich. Jedes Mal wenn ich in das Tal fahre, gehe ich durch ein Gefühlswirrwarr.

Bei Begräbnissen bin ich mittlerweile sattelfest. Ich weiß, worum man sich im Vorfeld zu kümmern hat – Blumenschmuck bzw. Spende. Am Weg zum Friedhof holte ich noch eine Grabbeigabe ab – weiße Rose, Schleierkraut, ein wenig grün und ein schwarzes Band. Über all das muss ich mittlerweile nicht mehr nachdenken. Leider.

Bei meinem ersten Begräbnis war ich noch total planlos. Mittlerweile kenne ich mich aus. Was auch daran liegt, dass die Verwandtschaft langsam wegstirbt. Und bis auf meine Großeltern, waren sie auch alle nicht wirklich alt.

Taschentücher und Hustenzuckerl habe ich auch immer dabei. Gerade in der Aufbewahrungshalle ist ein Hustenanfall ja echt störend. Und Taschentücher brauche ich auch immer. Wie gesagt, dass geht schon alles recht automatisch. Schade, dass ich in diesem Bereich des Lebens mittlerweile eine Kompetenz entwickelt habe.

Auch den Bestatter in dem kleinen Ort, sehe ich mittlerweile als Bekannten an. Ihn sehe ich öfter als manche Bekannten auf Facebook.

Und doch war es diesmal anders. Es gab nämlich zum ersten Mal einen Leichenschmaus für mich. Und zwar in dem Lokal in dem ich meine Onkel in meiner Sturm und Drang-Zeit öfter an der Bar getroffen habe. Dort hat er mich immer mal wieder auf einen Spritzer eingeladen. Und ich saß genau so, dass ich seinen Stammplatz im Blick hatte.

Rechts von mir saß seine Pflegerin/Lebensgefährtin – ganz blicke ich da nicht durch, doch ich wollte sie auch nicht löchern – und links von mir mein Vater. Es wurde über die alten Zeiten gesprochen und es war auch ein wenig ein kommen und gehen. Manche gingen früher, manche kamen später. So wie es ihm gefallen hätte. Eine sehr gute Freundin von ihm war schon schön betrunken und brach auch immer wieder in Tränen aus. Sie tat mir leid und gleichzeitig war ich froh, ihn nicht näher/besser gekannt zu haben. Er war mein Fleisch und Blut. Ich sein kleines Mäuschen. Doch wirklich gekannt hatte ich ihn nicht. Dazu haben wir uns zu selten gesehen. Und er war auch eher der laute Typ, wo man nicht so leicht hinter die Fassade steigt.

Ich muss sagen es war überraschend nett mit allen und ich war froh den Masseurtermin verschoben zu haben – der wäre sich nicht ausgegangen. Ich wusste ja zuvor nichts vom Leichenschmaus, doch ich hatte so ein Gefühl. Ein Mensch wie er, war umgeben von Menschen die so sind wie er. Ein Wirtshausgeher. Ein Pickenbleiber. Ein Unikat.

Als ich schließlich ging, umarmte ich die heulende Freundin von ihm. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen, doch es war mir einfach ein Bedürfnis. Ich versuchte ihr ein wenig Ruhe zu geben.

Ich hoffe das war es jetzt mit Begräbnissen im Tal.

Vielleicht sollte ich mal wegen etwas anderem nach hinten fahren oder auch nicht. Mal schauen. Vor dem Begräbnis war ich natürlich auch noch bei den Gräbern der anderen. Hab also die ganze Familie besucht. Alle Großeltern und Onkeln auf dem selben Friedhof.

Nur meine Eltern und ich werden nicht dort landen. Wir haben nämlich alle drei mehr oder weniger dasselbe vor. Verbrennen und im Wald verbuddelt werden. Wobei Mama ihren persönlichen Wald auf ihrem Grundstück bevorzugt.

Das ist das Nebenprodukt von Sterbefällen in der Familie. Es wird über die eigenen Wünsche in dem Fall der Fall gesprochen.

Vielleicht sollte ich mir auch mal über die Musik Gedanken machen.

Zu Falco verabschiedet werden, fand ich nämlich schon sehr kultig! Machs gut Onkel und grüße mir meine anderen Onkeln!

Out of the dark

© Libellchen, 2019

Ein Kommentar zu “Ruhe in Frieden

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