Gefühls-Tsunami

Vorigen Freitag konnte ich schön beobachten wie mich eine Gefühlswelle überschwemmt hat!

Mir war klar was letztes Wochenende anstand, doch ich dachte, wir hätten das im Griff.

Vor ein paar Wochen hatte mich Aretha angesprochen, dass sie den Tag danach feiern wolle. Also den Tag nach der Katastrophe die unser beider Leben auf den Kopf stellt – in unterschiedlicher Intensität. Ich sagte natürlich zu und lies mir auch eine kleine Überraschung einfallen. Als ich sie drei Tage nach der Katastrophe im Spital besucht hatte, machten wir lustige Snapchat Fotos. Diese lies ich auf ein Poster drucken und wollte sie ihr zum Tag danach schenken. Als Erinnerung daran, was wir zusammen durchgestanden hatten.

Das Ganze lief rational und emotionslos ab.

Am Mittwoch plauderten wir ganz entspannt über ihren Geburtstag und was sie von mir bekommen würde. Seit dem vorigen Jahr, kläre ich so Dinge am liebsten direkt um nichts auszuwählen was Probleme machen könnte! Auch hier waren keine Emotionen im Spiel. Außer ein wenig Vorfreude!

Am selben Tag klärten wir, wann wir uns wieder am See treffen wollten. Am Samstag waren 36 Grad angesagt und ich hatte erst um 17:30 Uhr Dienst. Das klang nach einem aufgelegten Seetag. Woran ich nicht dachte. Wenn wir am Sonntag den Tag danach feiern, ist der Samstag genau der Jahrestag der Katastrophe!

Keine Ahnung, wie einem dieser Zusammenhang entgehen kann!

Der Freitag begann dann damit, dass ich im Büro mein Bewerbungsschreiben vorbereitet. Am frühen Morgen setzte ich mich hin und baute mal das Gerüst auf. Ich war total euphorisch. Als ich fertig war, checkte ich Facebook. Und was wurde mir da angezeigt? Die Fotos vom vorigen Jahr. Vom Tag unserer Anreise, wo noch alles in Ordnung war.

Und da kam der Gefühlstsunami über mich! Ich wurde richtiggehend weggespült von den ganzen Gefühlen die da plötzlich hochkamen. Und es waren so ziemlich alle, von dem Wochenende vor einem Jahr und zwar alle auf einmal. Die Freude, der Spaß, die Panik, die Angst, die Fassungslosigkeit, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit, die Dankbarkeit, die Hoffnung, das schlechte Gewissen (froh zu sein dass es nicht einen selbst getroffen hat),….

Und dann fing mein Kopf an zu grübeln. Möglicherweise war unser Jahrestag am See keine gute Idee? Doch ist es! Wie kann man den Tag wohl besser verbringen? In einem Jahr mit Notarzt und Krankenhaus, im nächsten Jahr chillig am See. Welche Variante mir lieber ist, ist wohl auch klar!

© Libellchen, 2019

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