Sein Handwerk beherrschen

Politik. Sie ist immer und überall zur Zeit. Heute will ich mich aber mal auf die Gemeindeebene begeben.

Wir sind ein Ort in Wachstum. Was ich weiß seit ich hier wohne. Zuvor war mir nicht klar dass nach mir gleich noch ein paar hundert Wohnungen gebaut werden…..

Fakt ist. Die öffentliche Anbindung ist mangelhaft und überteuert – im Vergleich zu Wien. Was okay ist, da wir ja nicht in Wien wohnen sondern am Land. Wenn jetzt aber unser kleiner Ort von knapp über 6.000 Einwohner in naher Zukunft auf 25.000 wachsen soll, dann ist das mit der öffentlichen Anbindung nicht mehr okay.

Als ich eingezogen bin, war der Kindergarten über die Strasse bereits geschlossen. Jetzt steht dort ein Billa – den ich sehr mag. Jetzt sind aber ein paar hundert neue Wohnungen bezogen worden und „Überraschung“ die haben Kinder und brauchen Kindergartenplätze! Wer konnte das ahnen? Nicht unsere Gemeinde offensichtlich, weshalb jetzt um teueres Geld ein Containerdorf gebaut wird….

Ich will unserer Gemeindeführung nicht Dummheit unterstellen, aber zumindest Kurzsichtigkeit und mangelnde Umsicht. Die „Ur-Einwohner“ haben mit uns Zugezogenen bereits enorme Probleme. Und was macht die Gemeinde? Sie sorgt für immer mehr Zuzug. Doch die komplette Infrastruktur hinkt hinterher und ich habe noch niemand gefunden der sich über den geplanten, enormen Zuzug freut!

Es gab heuer von der Gemeinde bereits eine Info-Veranstaltung, wo ich erfahren habe dass „mein Feld“ offenbar die nächsten paar hundert Wohnungen bekommen soll. Wovon ich naturgemäß nicht begeistert bin. Klang es bei der Info-Veranstaltung noch wie ein weit entfernter Plan, weiß ich mittlerweile dass das Feld bereits verkauft ist.

Fragt man die Gemeinde was sie gegen die Zubetonierung zu tun gedenkt, bekommt man nur ausweichende Antworten. Sie machen es ihm aber auch wirklich leicht….

Da gibt es den einen Gemeinderat im Ort. Seiner Frau gehört der Heurige und die Buschenschank. Er ist sportlich unterwegs – in mehreren Teams – und auf jedem Fest. Gut, das ist die Frau Bürgermeister auch, aber die strahlt auch immer aus „Bitte kommen sie mir nur ja nicht zu nahe!“ Er geht hingegen auf die Leute zu. Er weiß, wie es läuft. Dass er auf die Menschen zugehen muss und sich absolut alles anhören muss, was sie einem erzählen! So ist nun mal das Geschäft des Politikers auf Gemeindeebene.

Er, der taffe Geschäftsmann der sich kümmert. Sie, die Frau Bürgermeister nach ihrer Trennung in der Sozialwohnung trotz zweier Einkommen. Er tanzt auf allen Festen, sie ist vornehmlich bei den Kindern und alten Leuten. So Menschen wie ich, kommen mit ihr einfach nicht in Kontakt….

Im Ort gibt es jetzt eine Petition. Für einen Baustopp. Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Kinderbetreuung. Natürlich nicht von „ihm“ initiiert, sondern von einem „Strohmann“. Der Inhalt passt aber einfach, da kannst dich einfach nicht entziehen wenn du hier wohnst…. Natürlich habe ich die Petition online unterschrieben. Und natürlich ist meine Begründung nicht kurz ausgefallen – als ob ich mich kurz halten könnte!

Letztens war ich nach der Arbeit auf dem Weg zum Billa. Ich schlenderte die Strasse runter, als mir plötzlich jemand vom Billa-Parkplatz zuwinkte. Ich winkte zurück und schaute erst dann wer es ist. Es war der Herr Gemeinderat. Der mich vielleicht dreimal gesehen und einmal mit mir geredet hatte. Ich ging hin und sagte hallo. Und natürlich, dass ich nicht unterschreiben würde, da ich es schon getan hatte. Er meinte nur „Hab ich gelesen! Danke!“

Ich bin keine superhübsche Blondine die man sich auf alle Fälle merkt. Ich kam frisch vom Friseur. Er erkannte mich offenbar trotzdem und winkte mir zu, noch bevor ich ihn wahrgenommen hatte. Er wusste entweder noch immer meinen Namen – oder tat zumindest überzeugend so, als hätte er meinen Kommentar wirklich gelesen. Eine Hilfe für ihn ist sicher dass wir mittlerweile auf Facebook befreundet sind. Hin und wieder liked er auch meine Beiträge.

Ob er das Interesse nur faked oder ob er wirklich weiß, wer ich bin, ich kann es nicht sagen. Fakt ist aber, er versteht einfach sein Geschäft. Genau das erwarten sich doch die Bürger von einem Gemeinderat, oder? Persönliche Nähe. Das Gefühl, jemand zu kennen, an den man sich im Notfall wenden kann.

Er sagt immer wenn du was brauchst, „schicke mir eine Mail, ich kümmere mich darum“. Und so weit ich weiß, tut er das auch. Die Frau Bürgermeister hat mittlerweile auch auf die Petition reagiert. Sie hat mir einen Fragebogen an die Tür gehängt. Ich solle doch bitte im Schulnotensystem bewerten wie zufrieden ich sei. Im Ort (ohne nähere Detailierung oder Möglichkeit zur Spezifikation). Mit der Kinderbetreuung. Mit der Seniorenbetreuung. Etc. Ich konnte noch nicht mal auswählen „Ist für mich nicht relevant“. Was bitte soll ich zur Kinder- und Seniorenbetreuung sagen? Top oder Flop? Oder einfach alle Fragen auslassen? Dann brauche ich den Fragebogen ja auch nicht ausfüllen…. Also landeten die Mannerschnitten in der Naschlade und der Rest im Müll. Sorry Frau Bürgermeister, so wird das nix….

Eines hat er mit der Petition – die ja offiziell nicht von ihm ist, aber alles über ihn läuft – schon erreicht. Die „Ur-Einwoher“ und die Zugezogenen haben etwas verbindendes gefunden. Das ist mehr als die Gemeinde in den fünf Jahren wo ich hier wohne geschafft hat….Ich habe keine Ahnung ob die Petition wirklich was bringen kann, aber zumindest halten wir jetzt plötzlich zusammen. Egal wie lange die Leute hier wohnen, die Kommentare sind inhaltlich alle ähnlich….

Natürlich spielt der Herr Gemeinderat auf dem Politikklavier, im Blick die Gemeinderatswahlen im nächsten Jahr. Aber er weiß wenigstens wie es geht! Dadurch wirkt die Frau Bürgermeister noch tollpatschiger als sie sowieso schon ist. Sie lässt ja normalerweise sowieso kein Fettnäpchen aus, aber neben ihm ist sie wirklich arm. Mein Mitleid hält sich aber in Grenzen. Vor allem da sie mir „mein Feld“ verbauen will!

© Libellchen, 2019

 

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