Hochgefühl

Nach meinem letzten Dienst ist es mir enorm aufgefallen. Freiwillige Hilfe verursacht bei mir ein total arges Hochgefühl. Ich komme nach Hause, bin körperlich geschafft, aber total aufgekratzt. Kaum heimgekommen will ich mir gleich den nächsten Dienst eintragen. Es ist wie eine Sucht.

Schön langsam verstehe ich die Menschen die sich aufopfern um anderen zu helfen. Früher habe ich sie belächelt. Die werden doch nur ausgenutzt…. Sind naiv…. Doch mittlerweile denke ich, dass sie es einfach genießen.

Keine Ahnung ob ich jemals so extrem werde – ausschließen kann und will ich das derzeit nicht -, doch mir ist auf jeden Fall eine Veränderung aufgefallen in meinem Leben. Obwohl ich ständig Dienste mache und nach wie vor meine Lieben treffe, bin ich nicht saft- und kraftlos. Ich habe ständig Termine, bin ständig unterwegs und bekomme doch alles unter einen Hut. Und es geht mir gut dabei.

War ich früher oftmals am Wochenende einfach zu Hause, bin ich es jetzt eher selten. Wo ich auf jeden Fall Zeit hernehme für meine neue Aktivität ist das putzen. Früher war meine Wohnung immer pickobello. Selbst wenn sie über Wochen nur mich gesehen hat, war meine Wohnung immer top. Es hätte ja jemand kommen können. Das ist so Omi-Stil. Erziehung halt. Weil was würden denn die Nachbarn denken, wenn die Wohnung unordentlich wäre!

Als ich auf Kur war, schaute mir Aretha auf die Post. Vor kurzem haben wir über das Thema putzen gesprochen und sie meinte so „Mich hat eh gewundert, dass deine Wohnung nicht total zusammengeräumt war, als ich die Post brachte.“ Na klar hat sie das gewundert. Sie kennt mich auch als kleine Zusammenräum-Fee. Wobei es ihr egal war und mir, dass es ihr aufgefallen ist. Ab einem gewissen Freundschafts-Level putzt man nicht mehr, bevor jemand kommt.

Ich zwacke also Zeit beim Putzen ab und investiere sie ins Ehrenamt. Und auch vom rumgammeln auf der Couch. Auch da zwacke ich Zeit ab. Deswegen bin ich aber noch lange nicht müder als vorher. Letztens hatte ich mal nichts vor und wusste im ersten Moment gar nichts mit mir anzufangen. Gut, hat nicht lange angedauert, aber früher wäre mir das nicht passiert. Da freute ich mich schon tagelang auf meine Couch. Heute freue ich mich auf meine ehrenamtliche Tätigkeit. Tja, so kann es gehen.

Übrigens habe ich letztens gelesen, dass anderen helfen gesund hält! Na dann. Trage ich mir gleich den nächsten Dienst ein!

© Libellchen, 2019

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