Fair bleiben

Ich glaube immer an das beste im Menschen – bis die Person mich das erste Mal vom Gegenteil überzeugt – andere Menschen habe da eine andere Herangehensweise. Nicht immer liege ich richtig, aber wenn, dann freue ich mich umso mehr!

Als ich auf Kur war, gab es bei einer Nachbarabteilung eine Besprechung wo es um mögliche Arbeitsplätze ging. Da ich nicht da war, krallte sich jemand anderer einen Arbeitsplatz, der möglicherweise auch etwas für mich wäre. Tja, Pech gehabt. Er wird seitdem auch darauf eingeschult.

Nur hat sich mittlerweile die Lage geändert. Unsere Abteilung bleibt bestehen. Erstmal. Mein Kollege PV hat also keine Notwendigkeit sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Und sein jetziger bringt ihm mehr Geld ein. Zusätzlich schiebt er hier eine ruhigere Kugel und da er auch noch als Personalvertreter aktiv werden will und sich 50% seiner Zeit freistellen lassen will, war mir klar, dass er den Job nicht nehmen wird. Was er auch sagt. Wenn die Abteilung bleibt, dann bleibt auch er. Ich habe ihn dann gebeten mich als Quasi-Nachfolgerin ins Spiel zu bringen. Denn ich hätte gern den Job. Und der jetzige Sachbearbeiter geht im November in Pension. Da könnte man noch eine schöne Einschulung machen.

Und ich ging davon aus, dass er die Entscheidung bald kommunizieren wird. Meine Freundin S. sah das anders. Sie ging davon aus, dass er bis Oktober warten würde. Was meiner Meinung nach dem neuen Chef und mir gegenüber unfair wäre. Bis der Mitarbeiter in Pension geht, bleibt unsere Abteilung auf jeden Fall bestehen und was danach ist, kann niemand wissen. Und selbst wenn wir dann wieder aufgelöst werden sollen, dauert es nochmal zwei Jahre – in etwa.

Natürlich sah auch mein Bürokollege es als legitim an sich das offen zu halten. Er würde das genauso machen. Na klar. Ich aber nicht! Die Frage blieb was würde Kollege PV machen? Ich sah für mich keinerlei Handlungsmöglichkeit derzeit. Ich hatte ihn gebeten mich ins Spiel zu bringen, sobald er sich aus dem Spiel nahm. Jetzt aktiv zu werden, würde ich als „in den Rücken fallen“ empfinden.

Und dann kam er. Mein Ex-Chef besuchte mich und wir gingen gemütlich frühstücken. Und bevor ich noch nachdenken konnte, sprudelten die Worte schon aus mir raus. Danach dachte ich darüber nach. Mein Ex-Chef kennt den potenziellen neuen Chef von Kollege PV oder mir sehr gut. Er kennt sogar denjenigen der in Pension geht. Meinem Ex-Chef wäre es sehr recht, wenn ich versetzt werde und meinen alten Arbeitsplatz freimache. Und er ist der Meinung, dass dieser Arbeitsplatz auch thematisch gut zu mir passen würde….

Fakt ist, ich habe ihm gesagt, dass ich jetzt aktiv suche. Ich habe ihm gesagt welche Wertigkeit ich will und er kennt mich gut genug um zu wissen was zu mir passen würde. Ich habe ihm nicht gesagt, er solle einen Job für mich suchen. Aber ich habe ihm sicher auf die Idee gebracht, Augen und Ohren offen zu halten. So gut kenne ich ihn.

Für diesen einen Job, habe ich jetzt mal alles getan was mein Gewissen und meine Persönlichkeit zulässt. Für mich heißt es erstmal abwarten. Und loslassen. Und das tat ich. Ich lies mit einem guten Gefühl los und ging davon aus, dass es diesbezüglich in nächster Zeit keine Bewegung geben wird.

Eine Stunde später kam Kollege PV und eröffnete mir, dass er den Job abgesagt hat und mich ins Spiel gebracht hat! Und mein Vertrauen hat sich ausgezahlt. Kollege PV hat fair gehandelt und somit auch meinen Respekt erlangt. Ein Personalvertreter der nicht nur auf sich selbst schaut! Es gibt sie also doch!

© Libellchen, 2019

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