Resilienz

Ich war mal wieder auf Fortbildung. Es ging um das Thema innere Stärke und Resilienz.

Als erstes erschreckte ich mal als ich sah, dass unsere Vortragende eine Frau Doktor war. Wahrscheinlich weil es so selten ist. Normalerweise haben die Vortragenden einen BA, MA oder Mag. voranstehen. Wir waren an eine Psychologin und Psychotherapeutin geraten. OMG. Das konnten ja zwei lustige Tage werden, dachte ich so bei mir. Um mich auch gleich darauf bei meinem Vorurteil zu ertappen. Dann sah ich sie. Eine kleine, zarte Person. Ich tat mir schwer sie einzuschätzen.

Als nächstes sah ich einen Kollegen aus einem anderen Kurs aus „meinem“ Ministerium. Ich setzte mich zu ihm und wir plauderten ein wenig. Im Laufe des Tages steckte er mir dann auch seine Visitenkarte zu. Er arbeitet nämlich bei uns in der Personalabteilung und ist unter anderem Personalcoach. Auch er ist der Meinung derzeit braucht man sich nicht umschauen nach einem Job, aber wenn sich die Nebel lichten, könnte man schon was schönes für mich finden…..

Die Frau Doktor machte ihre Sache übrigens ausgesprochen gut. Sie war zwar in der Tat ganz anders als andere Vortragende, aber gut. Sie hatte bei Viktor Frankl studiert und gab uns auch einiges von seinen Weisheiten mit auf den Weg. Mit dessen Lehren sollte ich mich vielleicht ein wenig mehr auseinandersetzen…..

Eine Kernaussage die ich mitnehme „Wenn du deine Werte lebst, dann bist du auch widerstandsfähiger!“ Klar weil du zufriedener bist mit deinem Leben. Dazu muss man aber natürlich erstmal wissen welche Werte einem denn in der jeweiligen Lebensphase gerade wichtig sind! Meine Top Drei sind übrigens „Lebensfreude“, „von netten Menschen umgeben sein“ und „Innere Harmonie“. Das waren schon mal ganz andere….

Was ich auch spannend fand. Sie ist der Meinung man braucht neben der Familie noch fünf Menschen zu denen man gehen kann, wenn es einem schlecht geht. Hat man diese fünf Personen, dann fühlt man sich geborgen. Man solle also sein soziales Netzwerk pflegen. Das kann ich nur unterstreichen. Mit meinem Ehrenamt hat sich die Menschen die ich mag und wo ich denke dass ich zu ihnen kommen kann, wenn es mir schlecht geht, mehr als verdoppelt. Und ich fühle mich seitdem definitiv wohler. Wozu ich dazu sagen muss, vorher hatte ich – ausserhalb der Familie – genau 1 Person. So und was wenn gerade der einen Person etwas passiert…. Dann stehste nämlich auch ganz schnell alleine da…..Hast du dann noch jemand anderen, dann fühlst du dich nicht ganz so hilflos. Wobei mir nicht klar ist, warum Familie da nicht dazuzuzählen ist. Gerade mit Mami und Zweitmami habe ich da ja zwei tolle Ansprechpartner in harten Zeiten.

Was mir auch gefallen hat. Sie sprach nie von Schwächen, sondern von Entwicklungsfeldern. Sie legte auch immer sehr viel wert auf Formulierungen – was mir ja sehr entgegen kommt.

Kommen wir zur Zielformulierung. Im Hinblick auf die persönliche Resilienz gab sie uns einen Zettel mit 40 Punkten und wir sollten schauen welche bei uns möglicherweise zu kurz kommen und sollten daraus drei Ziele für uns ableiten. Und dabei hatte ich ein Aha-Erlebnis und ein mittelfristiges Ziel auch gleich gefunden. Ich brauche einen neuen Job. Ich will nicht mehr warten dass sich die Chefs darum kümmern, dass ich versetzt werde. Ich werde mich jetzt selbst darum kümmern und das aktiv angehen. Mittelfristig bedeutet übrigens 3 Monate bis 1 Jahr, was auch realistisch ist. Wobei ich auch nicht unbedingt auf eine Regierungsbildung warten werde. Wenn ich einen für mich passenden Job sehe der in der Zwischenzeit frei wird, weil jemand in Pension geht, werde ich mir den auch anschauen. Denn was eine noch nicht gewählte neue Regierung vorhat kann sowieso niemand sagen und wenn ich mal versetzt bin, ist zumindest das Damoklesschwert über meinem Kopf weg. Kann nur gut sein für meine persönliche Resilienz!

Als zweites – langfristiges – Ziel will ich noch netter zu mir sein. Ich bin ja mein größter Kritiker und dabei auch manchmal sehr hart zu mir selber. Zwar nicht mehr so schlimm wie früher, aber da geht noch was.

Mein kurzfristiges Ziel ist mein persönliches Netzwerk. Den Leuten sagen was ich an ihnen schätze. Wir loben nämlich viel zu wenig. Ich denke mir oft Dinge und spreche sie aber nicht aus. Wobei sich mein Gegenüber darüber freuen würde! Und das will ich ändern. Ich will den netten Menschen sagen, was ich an ihnen mag und schätze. Und das ab sofort.

Zum Sinn des Lebens bekamen wir auch ein paar Tipps mit. Viktor Frankl: Das Leben trägt den Sinn an uns heran. Das Leben stellt uns Fragen und es kommt darauf an, wie wir antworten.

Es heisst die Zeichen zu erkennen und Chancen zu nutzen.

Als ich noch jünger war, war meine persönliche Resilienz nicht so hoch wie heute. Mein soziales Netzwerk damals war aber auch nicht belastbar – so überhaupt vorhanden – und ich war von Angst und Ohnmacht beherrscht und in meinem schwarz/weiß denken verhaftet. Und dann bekomme ich einen Zettel wo auf der unteren Seite des Diamanten mein altes Ich klar ersichtlich ist und am oberen Teil mein Ich heute. Oben Lebenssinn. Unten Sinnvakuum. Und ich saß da, sah das Bild und konnte plötzlich wieder die Verzweiflung spüren. Die Leere in mir als ich alleine zu Hause saß. Keine wirklichen Freunde hatte, sondern nur Spaßbekannte. Gefangen in meinem sich drehenden Gedankenkarussell. Ich blickte aus dem Fenster, sah die Sonne auf das Wasser scheinen und schüttelte mein altes Ich ab.

Wisst ihr eigentlich was am ganz am oberen Ende der Bedürfnispyramide des Menschen steht? Die Transzendenz. Damit ist gemeint das über die eigenen Person hinaussteigen. Anderen helfen, der Welt helfen, sich für die nächste Generation engagieren. Sich um mehr kümmern als nur um das eigene Wohlbefinden.

Ich war mit meinem Ehrenamt übrigens der Renner. Ich wurde von sehr vielen Kollegen gefragt ob das stimmt. Das helfen Kraft gibt. Ja, tut es. Auch wenn ich oft körperlich geschafft bin, seelisch tut es gut. Viele meinten dann, sie denken auch darüber nach. Doch ich glaube nicht dass es jemand von ihnen – jetzt – wirklich tun wird. Aber vielleicht ja in ein paar Jahren. Damit kann man ja immer anfangen. Ganz egal wann.

Langfristig habe ich übrigens das Viktor Frankl Museum in Wien auf meine Besuchsliste gesetzt…..

© Libellchen, 2019

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