Herausforderung Kollege

Dieser Beitrag wurde von mir vor dem 18. Mai 2019 erstellt. Das Thema Jobsuche hat sich also wahrscheinlich bereits überholt, aber das wusste ich vor einer Woche noch nicht….

Mein Kollege hat mich die letzten zwei Jahre am meisten gereizt mit seiner ganzen Art und von ihm habe ich wahrscheinlich auch am meisten gelernt.

Seine Einstellung zum Job ist ziemlich genau 180 Grad anders als meine… Er hat nichts geleistet. Ständig die Leistung anderer als seine verkauft. Hat aber das Auftreten eines Helden der Arbeit. Stellt sich hin und sagt er hat keine Zeit, weil er privat einen Termin hat – ständig und um 14 Uhr. Treibt sich im Krankenstand mit Sport herum, postet es auf Facebook und kommt damit auch noch durch! Bei Besprechungen spricht er zwar, doch außer heißer Luft kommt da nichts raus. Und doch ist er der Liebling der Chefs und wird ständig geschont. Er ist für mich ein wandelnder Widerspruch! Der tolle Sportler, der ständig im Krankenstand ist. Der Held der Arbeit, der nie Arbeit zugewiesen bekommt. Der tolle EDV-Kenner, der nicht mal eine Zeitkarte ausdrucken kann. Der Wissende, der nicht mal eine Telefonnummer rausfinden kann. Er will mit minimaler Leistung, maximale Anerkennung. Und bekommt sie auch noch!

Er hat sich jetzt einen Job geangelt wo er eine ruhige Kugel schieben kann. Und bei uns die Chefs glauben wirklich, dass sein Abgang ein Verlust ist! Wirklich verstehen kann ich das alles nicht. Wahrscheinlich weil ich den Typ hinter der Fassade sehe und die Chefs immer noch auf die Fassade schauen.

Aber er hat mich auch was gelehrt. Wenn ich nur 50 Prozent Energie investiere – statt ständig 100 Prozent – dann schaffe ich immer noch weit mehr als er. Und auch wenn ich 100 Prozent investiere werden sie mich nicht so sehen wie ihn. Mir fehlt einfach dieses „Ich bin die tolle Hechtin-Gen“. Ich überzeuge mit Leistung. Aber mit halber Kraft ist immer noch weit mehr als genug! Ich habe mich seiner Performance ein wenig angepasst. Also vom Umfang her. So falsche Ergebnisse wie er habe ich nicht vorgelegt!

Dann hat er mir auch beigebracht – weil vorgelebt – dass die Arbeit nicht alles ist. Seine einzige Priorität ist „seine persönliche Freiheit“ wie er mir immer wieder versichert hat. Damit meinte er eben seine kreative Zeitkartenführung und sein ständiges nicht im Büro sein. Eigentlich hatte ich fast ein Einzelbüro, weil er eh ständig irgendwo anders war. Urlaub, krank, Zeitausgleich. Er hat mir auch gezeigt wie man in Abwesenheit Stunden zusammenbringt um dann wieder in Zeitausgleich gehen zu können…. Nicht dass ich das übernehmen will, aber die Biegsamkeit der gesetzlichen Vorgaben hat er mir gezeigt. Es wird bei weitem nicht alles so heiß gegessen wie gekocht bei uns! Und er hat das alles in einer Seelenruhe durchgezogen obwohl er auch nur dienstzugeteilt war! Den Mumm muss man auch erst mal haben.

Ich finde diese Art aber halt auch nicht sympathisch. Er hat es nämlich auf Kosten von uns anderen gemacht. Wir haben seine Arbeitsleistung ausgleichen müssen und wenn wir nicht aufgepasst haben, hat er sie dann auch noch als seine verkauft! So will und werde ich sicher nicht werden, aber über meine persönliche Prioritätensetzung habe ich auf jeden Fall nachgedacht, dank ihm.

Job als erste und einzige Priorität spielt es nicht mehr. Meine Gesundheit geht definitiv vor und dann kommen gleichauf mein Job und mein Ehrenamt. Ersteres bringt Geld, zweiteres macht Sinn. Wobei in Notfällen meine Lieben noch vor Job und Ehrenamt kommen. Aber die haben wir Gott sei Dank nicht so oft. Aber wenn dann rücken sie natürlich nach vorne. Auch das ist übrigens neu. Früher konnte nichts so wichtig sein, als dass ich nicht zuerst meine beruflichen Verpflichtungen erledigt hätte! Aus heutiger Sicht kommt mir das vor als wäre das in einem anderen Leben gewesen.

© Libellchen, 2019

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