Behandlungen aktiv

Die waren teilweise schon sehr anstrend, brachten aber auch am meisten!

Sensomotorik-Krafttraining: Als ich das auf meinem Plan las, hatte ich gar keine Ahnung was sie von mir wollen könnten. Doch sie erklärten es uns gleich mal. Und zwar der Chef persönlich. Also der Chef der Therapeuten. Ein unausprechlicher Name, wir nannten ihn nur den Herrn Magister. Der Herr Magister war nett, aber auch streng. Er holte echt das letzte aus uns raus, mit ganz kleinen Bewegungen! Die Sensomotorik spricht die ganz kleinen Muskeln im Rücken an die normalerweise nicht belastet werden, dementsprechend schwer taten wir uns auch alle! Wir begannen damit auf einem Bein zu stehen. Und das in der Luft wurde nicht nach hinten abgewinkelt sondern nach vorne ausgestreckt. Klingt einfach, ist es nicht. Bei mir wurde wieder meine Asymetrie offensichtlich. Auf dem linken Fuß stand ich total fest, am rechten war ich am zittern. Dann kamen auch noch Bälle dazu die wir werfen sollten während wir auf einem Bein standen und zu guter Letzt kamen dann auch noch Drehungen dazu. Also auf ein Bein stellen, nach rechts drehen, Ball werfen und fangen, zur Mitte drehen, nach links drehen, Ball werfen und fangen, wieder zur Mitte drehen und dann Bein wechseln. Eine unmögliche Aufgabe! Am Anfang!

Wir übten und übten. Und ab der zweiten Woche ging es dann zum Training in den Fitnessraum. Dort waren normale Fitnessgeräte – die ich schon ausprobiert hatte – aber auch Wackelboards! Und auf diesen wackeligen Brettern sollten wir unsere Übungen mit dem Ball machen! Kaum hatten wir gelernt auf einem Bein zu stehen! Und was soll ich sagen, nach drei Wochen ging das ohne Probleme, selbst auf höchster Wackelstufe. Wobei auch mein linkes Bein am Ende nicht mehr so viel stärker war als das rechte. Meine Asymetrie war nach drei Wochen nicht mehr so augenfällig wie am Anfang! Ein echter Erfolg also. Ich muss gestehen, am Anfang gefiel mir die Sensomotorik gar nicht, gebracht hat sie aber enorm viel!

Workshop Bewegung und Motivation: Das war ein zweiteiliger Workshop wo es vor allem um richtige Haltung und optimale Bewegung ging. Bei dem Workshop wurde mir so richtig bewusst, wie falsch meine Haltung eigentlich den ganzen Tag ist. Ich habe dann immer wieder versucht meine Haltung zu korrigieren wenn es mir auffiel. Und das war sehr oft. Anfangs zog es richtig im Rücken wenn ich richtig saß, aber mit der Zeit war das Gefühl verschwunden. Was in dem Workshop und auch in allen Vorträgen extrem gut war, sie erklärten die Dinge! Sie sagten einem genau welche Haltung was bewirkt und was man dagegen machen kann. Bei der Heimfahrt im Auto beherzigte ich übrigens auch die Tipps und kam ohne Rückenschmerzen nach vier Stunden an. Bei der Hinfahrt konnte ich nach vier Stunden im Auto kaum aussteigen! Sie hatten auch eine Bewegungspyramide hängen.

  • 30 Minuten moderate Bewegung täglich – z.B. Hausarbeit
  • 2 bis 5x die Woche leicht erhöhte Herzfrequenz für 30 Minuten – bsplw. spazieren gehen
  • 2 bis 3x wöchentlich 60 Minuten Sport – kann man natürlich auch auf einmal machen, zum Beispiel eine größere Wanderung

Das wäre so das Minimum dass gut für uns wäre. Dazu noch ausreichend Schlaf und immer auf die Haltung achten.

Heilgymnastik: Hier hatte ich unter anderem meine Lieblingstherapeutin. Manchmal sahen wir uns nur einmal am Tag, meistens zweimal, einmal sogar dreimal. Sie war toll. Lustig, lieb und einfühlsam. Bei der Heilgymnastik quälte sie mich allerdings. Die Übungen waren auch nicht aufregend, aber ging voll rein. Was natürlich beabsichtigt war. Die Heilgymnastik schloss nahtlos an den Workshop Bewegung und Motivation an. Was uns dort zur falschen Haltung gesagt worden ist, wurde versucht bei der Heilgymnastik auszumerzen. Unsere Bandscheiben sollten gezielt entlastet werden von unserer täglichen Fehlhaltung! Und da meine Fehlhaltung enorm war, war auch die Entlastung entsprechend schmerzhaft. Also nicht wirklich schmerzhaft, eher total anstrengend, teilweise anfangs sogar unmöglich. Was ich ganz toll fand war, sie erklärte immer wofür wir eine Übung machen. Sie lies uns nicht nur machen, sondern brachte uns auch unsere Wirbelsäule näher! Ich habe mir natürlich auch das Hausübungsheft gekauft und mit nach Hause genommen. Realistisch betrachtet werde ich die Übungen sicher nicht regelmäßig machen. Aber wenn es mal wieder zwackt und zwickt, habe ich die entsprechenden Übungen bei der Hand!

Einzel-Unterwassergymnastik: Da hatte ich beim ersten Mal den Herrn Magister und dann übernahm meine Lieblingstherapeutin. Der Herr Magister betastete mich ein wenig und erklärte mir dann dass ich nicht nur asymetrisch bin, was ich schon wusste, sondern dass ich auch noch im Becken ein Trauma von einem Sturz oder Fast-Sturz habe. Mein Becken hatte also eine Fehlstellung und meine linke Seite (Schulter, Nacken) war total verspannt. Er vermutete auch dass meine Migräne davon kommen könnte. Mein Einwand dass die aber immer nur zu einem hormonellen Zeitpunkt im Monat eintreten würde, erklärte er mit dem Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringe. Ab da arbeiteten wir vermehrt an meiner linken Seite, was allerdings zu Schulterschmerzen im Laufe der Zeit führte. Eine ganz normale Reaktion auf einer Kur wie mir erklärt wurde. Wenn während der Behandlungen nichts weh tut, bist auf einer Kur sowieso falsch. Die Einzel-Unterwassergymnastik war anstrengend, aber auch angenehm. Wir wurden mit Wasser aus einem Schlauch bei den schmerzenden Stellen massiert und auch aufgehängt. Total angenehm. Einmal bekam ich sogar eine Unterwassermassage während mein Kopf in der Schlinge hing. Das war super gut!

Ergometer: Ein paar Mal wurden wir auch auf das Fahrrad geschickt um ein wenig unseren Puls in die Höhe zu treiben – siehe auch Workshop Bewegung und Motivation! Uns wurde auch erklärt, dass es wichtig sei, das Herz hin und wieder zu fordern. Es ist ja ein Muskel und kann somit auch trainiert werden. Wenn man seinen Puls nicht hin und wieder in die Höhe treibt, wird man mit der Zeit immer träger. Gerade im Alter sei es also wichtig, hin und wieder sich selbst zu fordern. Da ich noch relativ jung bin, war meine gefordert Pulsfrequenz beim Ergometer Training gleich ein wenig höher als beim Rest. Manche fuhren mit 110 Puls ich durfte meinen auf 126 hochtreiben und so 20 Minuten auf dem Fahrrad fahren. Jeder hatte somit seine ganz spezielle Challenge. Zweimal überzog ich auch die 20 Minuten und fuhr auf 10 Kilometer. Die restliche Zeit reichte es mir nach den 20 Minuten aber sowieso. Ich war jedes Mal komplett durchgeschwitzt. Radfahren ist wirklich nicht so meines, obwohl es super für meine Knie ist.

Unterwasser – Gruppe: Das hatten wir nur zweimal, reichte mir aber auch. Wir bekamen komische Schaumstoff Gamaschen an die Füße – damit die Übungen nicht zu leicht sind und dann wurde getreten, gedreht, Gewichte bewegt und gegen den Auftrieb gekämpft. Die halbe Stunde ging noch mehr rein als der Ergometer.

 

Ich muss sagen nach Tagen mit vielen aktiven Behandlungen ging ich Nachmittags maximal auf die Terrasse, ins Kaffeehaus oder ins Bett. An einem Tag hatte ich Heilgymnastik, Sensomotorik im Fitnessraum und Unterwasser-Gruppe und sonst nichts. Und ich war danach fertiger als nach einer 14 Kilometer Wanderung! Doch dafür hatten wir drei Terrassen und auf einer war immer gerade die Sonne. Da schnappte ich mir dann einfach mein Buch und sonnte mich.

© Libellchen, 2019

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