Umfangreiches Wissen

Eines meiner Lebensthemen. Als Kind wurde mein Wissen von meinen Großeltern vorgegeben. Was sie meinten dass ich wissen muss, sagten sie mir. Was sie befanden dass ich nicht wissen muss, verschwiegen sie mir. So weit, so normal. Als ich älter wurde, lernte ich dass Kinder ganz schön nerven können mit ihren Fragen. Was mich total irritierte. Vor allem die Reaktion der Eltern. Die nahmen das nämlich als selbstverständlich hin und antworteten. So war das bei mir nicht. Mir wurde das Fragen schon sehr früh abgewöhnt. Kinder haben nicht zu fragen. Die (Groß-)Eltern sagen ihnen was sie wissen müssen, den Rest müssen sie nicht wissen.

Da ich zu Hause nicht fragen durfte, hielt ich mich auch in der Schule mit Fragen zurück. Ich lernte durch beobachten. Ich hielt mich zurück, blieb stumm und beobachtete. Wie Leute miteinander redeten, was sie wie taten, etc.

Vielleicht wurde der Grundstein für meinen Wissendurst in meiner Kindheit gelegt. Da ich damals mit Informationen kurz gehalten worden bin, bin ich als Erwachsene wie ein Schwamm der Wissen aufsaugt. Und ich tue mir mittlerweile extrem schwer mit Menschen die das ganz anders sehen….. Nicht jeder Mensch interessiert sich für alles. Ich auch nicht. Aber ich interssiere mich für vieles. Ich lese vieles, in unterschiedlichen Medien. Ich recherchiere regelmäßig im Internet Hintergrundwissen, am besten in mehr als einem Medium.

Und je mehr ich weiß, desto vorsichtiger bin ich mit meiner Meinung. Als ich noch nicht so viel wusste, war ich mit meiner Meinung viel schneller bei der Hand. Je enger der persönliche Horizont, desto leichter kann man sich eine Meinung bilden.

Früher hatte ich meine Meinung – die einzig mögliche Wahrheit – und stand auch dazu. Meine Meinung konnte nichts erschüttern. Andere Meinungen scherten mich nicht.

Mittlerweile weiß ich wie das ist mit unterschiedlichen Sichtweisen. Unterschiedlichen Lebensumständen, die zu unterschiedlichen Wahrheiten führen können. Eine Situation, zwei Personen, zwei Wahrheiten. Seitdem wäge ich meine Worte auch sorgfältiger ab. „Ich sehe das so….“ „Ich habe das so verstanden…“ „Meiner Meinung nach…..“

Wenn andere etwas anders sehen, dann lasse ich es auch so stehen. Ich will niemand davon überzeugen, dasselbe glauben zu müssen wie ich. Womit ich allerdings gar nicht kann ist, wenn ich umgekehrt überzeugt werden soll. „Weil, isso!“

Bei meiner Suche nach Wissen, lasse ich deshalb auch bestimmte Medien bewusst aus. Jene nämlich, die mir gleich mitliefern wie ich den Inhalt zu verstehen habe und was daraus für eine Meinung zu resultierten hat.

Noch nie war es leichter an Wissen zu kommen. Als ich ein Kind war, gab es noch kein Internet. Die Zeitungen zu Hause wurden von den Großeltern ausgewählt. Als Kind hatte man da kein Mitspracherecht. Wissen konnte man in der Schule erwerben, von den (Groß-) Eltern, Mitschülern oder aus dem Fernsehen. Die nächste Bibliothek war in der nächst größeren Stadt und die fand ich auch erst als ich in die höhere Schule ging. Blöderweise hatte sie meist geschlossen wenn ich sie gebraucht hätte….

Heutzutage braucht man für Recherchezwecke nur online gehen. Natürlich ist es schwierig im Internet seriöse Seiten herauszufiltern, vor allem wenn man keine Ahnung davon hat. Aber zumindest theoretisch hat heute eigentlich jeder Österreicher Zugang zu Wissen. Recherche bedeutet aber natürlich auch Zeit und Mühe. Man muss sich mit einer Thematik auseinandersetzen. Nicht das liebste Hobby der Menschen. Ich war da immer schon anders. Ich freue mich immer wenn ich etwas lese, mal als Information ohne Wertung abspeichere und dann von einer anderen Seite, oftmals erst nach geraumer Zeit, die Bestätigung kommt. Erst wenn ich eine Information von mehreren unabhängigen Seiten bekommen habe, ziehe ich dann auch in Betracht, dass die Information wahrscheinlich stimmen wird.

Bei uns im Ort gibt es immer wieder Gerüchte. Die alt Eingesessenen mit ihrer Meinung und die neu Zugezogenen die versuchen herauszufinden was denn da wirklich war. Und immer wenn jemand von den Neuen eine Frage stellt, werden wir von den alten gemaßregelt doch endlich die alten Kamellen ruhen zu lassen…. Damit tun sich aber mehr schwer, nicht nur ich. Wir wollen uns halt auch eine Meinung bilden, was schwierig ist wenn man nicht die Gerüchte der unterschiedlichen Parteien gefüttert wird und keiner Tacheles spricht. Die Bürgermeisterin liefert keine Erklärungen, ihre Parteifreunde wollen immer nur dass wir sie endlich in Ruhe lassen und aufhören Fragen zu stellen. Und ich fühle mich wieder wie ein Kleinkind……

Doch im Gegensatz zu damals, kann ich mich mittlerweile „wehren“. Ich lasse nicht locker und wer mir die Auskunft verweigert, wird halt defintiv nicht gewählt werden….

Wissen ist Macht. Man sollte aber aufpassen diese Macht nicht falsch einzusetzen. Es gibt Menschen die lassen sich nicht dumm halten. Zumindest nicht dauerhaft und ohne Konsequenzen.

© Libellchen, 2019

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