Gleichberechtigung der Geschlechter

Ein schwieriges Thema. Also nicht für mich persönlich, aber aufgrund des Umfeldes in dem wir leben.

Ich finde, jeder sollte alles machen können, was er oder sie, kann oder will. Leider sehen auch heutzutage noch viele Menschen das anders…. Ich will hier nicht über Inklusion schreiben, weil ich davon zu wenig weiß. Da ich aber eine Frau bin, möchte ich über die Geschlechterrollen schreiben, so wie ich das Thema sehe.

Ich wurde groß mit Feministinnen im Fernsehen und einem alten Pascha zu Hause der über die „Mannsweiber“ regelmäßig herzog. Die „Kampflesben“ und ihre irrwitzigen Vorstellungen. Was sollen bitte Frauen beim Heer oder bei der Polizei. Die können das doch gar nicht körperlich schaffen. Er mag damit teilweise recht gehabt haben. Ich hätte wahrscheinlich die Grundausbildung auch nicht überlebt. Ich kenne aber auch genug Männer welche die Grundausbildung gar nicht machen mussten, weil sie von vornherein untauglich waren. Ob diejenigen sie geschafft hätten, halte ich für fraglich. Doch mein Großvater lebte noch in der Welt „große, starke Männer“, „kleine, schwache Frauen“.

Ganz ehrlich damit kann ich mittlerweile gar nichts mehr anfangen. Ich kenne so viele unfähige Männer und taffe Frauen die ihr Leben schupfen. Natürlich auch tolle Männer und lebensunfähige Frauen…. Was ich damit sagen will. Für mich ist der Mensch entweder top oder flop. Unabhängig vom Geschlecht! Ich hatte in meinem Leben gute Freundinnen und beste Freunde. Ich hatte Kolleginnen und Kollegen. Ein paar tolle Chefs, seit kurzem eine tolle Chefin beim Ehrenamt und einen unfähigen Chef im Brotberuf.

Mir ist bei den Menschen grundsätzlich egal ob sie Mann oder Frau sind. Ob sie weiß, dunkel oder sonst was sind. Egal welche Augenfarbe, Haarfarbe oder Figur. Es gibt Menschen die ich mag, aber mit denen ich nicht arbeiten kann. Und Menschen die ich nicht mag, aber toll mit ihnen zusammenarbeite. Ich denke jeder Mensch hat Stärken und Schwächen und sollte seine Stärken stärken und sich einen Job suchen, wo er seine Stärken ausleben kann. Und ich habe dabei gedanklich keine Geschlechtergrenzen.

Doch mein Kopf ist nicht die Realität. Leider. Ich arbeite in einem männerdominierten Umfeld. Und ich habe lange die gläserne Decke nicht gesehen. Mein Ex-Chef hat mich immer wieder nach oben geschoben. Meine Leistung durch mehr Verwantwortung und Arbeit anerkannt. Doch jedes Mal nach oben schieben, gab es gröbere Kämpfe. Allen voran dem Personalchef und dem Vorsitzenden der Personalvertretung. Die Frau des Personalvertreters arbeitet für den Personalchef und die beiden haben immer schon gut zusammengearbeitet. Und gegen mich haben sie immer eine Front gebildet. Lange habe ich gebraucht um zu verstehen, dass meine fachliche Kompetenz scheiß egal ist! Bei uns sind die Männernetzwerke noch immer gut situiert. Wenn sie selbst ein Auge auf den Job geworfen haben, dann bekommt ihn keine Frau. Da hilft auch nicht dass „Bei gleicher Qualifikation, die Frau den Job bekommen sollte“. Das ist ein Bundestgesetz und meiner Erfahrung nach ein Papiertiger. Ausser er wird gebraucht um einen Rivalen abzuschießen!

Als ich mich für einen Job bewarb wo ich mehr Qualifikation mitbrachte, haben sie mich so lange persönlich angegriffen, bis ich den Hut geworfen habe. Danach war der Weg frei für den Mann den sie dort wollten. Wenn sie jemand aber verhindern wollen, dann sind zur Not Mann und Frau gleich qualifiziert und dann muss ja der Frau der Vorzug gegeben werden… Auch wenn sich bei der Aufnahmetestung eigentlich der Mann durchgesetzt hatte, weil die Frau sich nicht vorbereitet hatte…. Alles persönlich erlebt. Bei uns wird diese Formulierung also so eingesetzt wie sie gerade gebraucht wird. Unterm Strich sind Postenbesetzungen aber nach wie vor ein Politikum. Wer tiefer, der richtigen Person, zur richtigen Zeit, in den Arsch gekrochen ist, wird auch den Job bekommen. Egal was das Gesetz sagt. Diejenigen die an der Macht sitzen wissen das, diejenigen gegen die dieses Gesetz mal verwendet wurde um sie übergehen zu können, bekommen noch einen größeren Hals auf die Frauen bei uns….Und wir Frauen? Sind nach wie vor der Spielball der Männer…. Die gut bezahlten Jobs, werden unter den Männern vergeben. Die schlechter bezahlten mit mehr Verantwortung und Aufgaben dürfen dann wir Frauen machen.

Ich sage das ganz wertfrei, da es uns Frauen im öffentlichen Dienst immer noch weit besser geht, als jenen in der Privatwirtschaft. Wir sind ja zumindest theoretisch gleichgestellt und die Vergünstigungen bekommen wir auch als Frauen.

Eine andere Seite sehe ich bei meinem Ehrenamt. Dort sind wir im sozialen Bereich ein fast reiner Frauenhaufen. Meine Chefin ist eine Frau und von 20 Freiwilligen haben wir nur zwei Männer. Im Rettungsdienst ist das Verhältnis umgekehrt. Und jetzt kommt es. Im sozialen Bereich gibt es fast keine bezahlten Arbeitsplätze, sondern fast nur Ehrenamtliche. Im Rettungsdienst ist das Verhältnis umgekehrt……

Ich kann dieses Ungleichgewicht einfach nicht übersehen. Dort wo Menschen gepflegt werden, sozial Schwachen geholfen wird, sind vor allem Frauen vertreten und arbeiten gratis. Dort wo man mit Blaulicht Leben retten kann, sind vor allem die Männer und werden bezahlt. Meiner Meinung nach ist aber beides wichtig….

Doch es passt ins Bild. Auch 2019 gibt es immer noch einen Gender Gap. Werden typische Frauenberufe schlechter bezahlt als die Männerberufe. Dabei werden gerade die Frauenberufe immer wichtiger werden. Man denke nur an den Pflegebereich! Der wird immer wichtiger werden. Gut bezahlt werden die Pflegekräfte aber nicht wirklich!

Ein anderes Thema ist die Teilzeit. Frauen gehen vermehrt in Teilzeit arbeiten. Meine Freundin S. macht das auch. Sie hat Drillinge, die vorigen Herbst eingeschult wurden. Sie hat soeben abgegeben dass sie auch die nächsten 10 Jahre Teilzeit gehen will. Natürlich verstehe ich sie. Bei drei Kindern, will man nicht noch 40 Stunden arbeiten gehen. Andererseits habe ich ein schlechtes Bauchgefühl deswegen. Und zwar dann wenn ich an ihre Pension denke…. Ich meine wenn sie mit ihrem Mann zusammen bleibt ist alles gut, aber wer weiß schon was in 25 Jahren ist…. Auf der anderen Seite würde es auch nichts bringen wenn sie jetzt aus Angst vor der Pension sich an zwei Fronten abrackern würde, aber wenn sich nichts am System ändert braucht sie ihren Partner mal zum Überleben. Mit ihrer Pension wird sie nämlich nicht weit kommen. Zum derzeiten Stand. Natürlich weiß auch niemand ob wir in 25 Jahren in Pension gehen können…..

Kinderarbeit ist Frauenarbeit und unbezahlt. Hausarbeit ist Frauenarbeit und unbezahlt. Natürlich gibt es auch tolle Männer die Frauenarbeit machen und dann auch nicht bezahlt werden. Doch die sind nach wie vor die Ausnahme und nicht die Regel.

Natürlich gibt es Dinge die nur Frauen können. Und zwar Kinder kriegen und stillen. Das war es meiner Meinung aber auch schon. Natürlich kann nicht jede Frau und jeder Mann alles. Aber wieso soll nicht eine Frau Präsidentin werden und ein Mann Kleinkinder großziehen?

Natürlich gibt es heutzutage Frauen in Spitzenpositionen. Und vor denen habe ich auch größten Respekt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie steinig der Weg an die Spitze gewesen sein muss. Ich für meinen Teil suche mir in meinem Hauptjob nur noch Jobs in der zweiten Reihe. Meine Work-Life-Balance ist mir auf jeden Fall wichtiger, als sagen zu können ich habe eine Leitungsposition. Vielleicht ist das falsch. Vielleicht sollte ich weiterkämpfen für alle Frauen. Bei mir ist aber die Luft raus. So lange nicht fachliche Kompetenz zählt, ist das kämpfen um Arbeitsplätze vergeudete Liebesmüh. Ich habe die gläserne Decke gefunden…

© Libellchen, 2019

 

 

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