Neue Masseurin

In den letzten Jahren bin ich ca. einmal im Monat, Samstags mit Mama massieren gefahren. Zum besten Masseur aller Zeiten. Es war eine Art Ritual. Meistens fuhr Mama und während sie massiert wurde, leistete ich mir ein Frühstück beim Bäcker ums Eck. Etwas das ich normalerweise nicht mache. Daher begann der Tag schon sehr besonders. Manchmal ging ich auch im Sonnenschein spazieren oder flanierte einfach durch den Ort. Und dann natürlich die Massage selbst. Einzigartig. Angenehm. Vertraut. Entspannend. Als mein Masseur in Pension ging, wusste ich „Sowas bekomme ich nie wieder!“

Also suchte ich nach etwas anderem. Unter anderem in der Nähe. Wenn ich schon keine supertolle Massage mehr bekomme, so sollte sie wenigstens in der Nähe sein! Zehn Minuten Fußmarsch von mir zu Hause gibt es eine Masseurin. Also rief ich sie mal an und machte einen Termin aus. Den ersten musste ich leider wegen Grippe wieder absagen, doch beim zweiten Mal klappte es.

Jetzt gehe ich unter der Woche. Nach der Arbeit. Ich fahre nach Hause. Dusche. Ziehe mich um und gehe 10 Minuten zu ihr. Als ich sie sah, war sie mir sofort symphatisch. Beim Foto im Internet war ich noch eher skeptisch gewesen. Im echten Leben ist sie aber total nett. Sie hat in ihrem Haus, im Keller einen Massageraum. Gemütlich eingerichtet, mit indirektem Licht, entspannender Musik und Duftölen. Sie gab klare Anweisungen – was ich bei Erstkontakten enorm schätze – und lies mich alleine.

Natürlich ist sie anders. Aber nicht schlecht. Im Gegenteil, ich war positiv überrascht. Einiges machte sie gleich wie „mein“ Masseur, anderes anders. Sie ist auch schneller, aber nicht hektisch. Der Druck den sie ausübt behagt mir sehr. Sie massiert nicht zu sanft und nicht zu stark.

Nach einer Stunde waren wir fertig. Sie lies mich nachliegen und ich solle dann einfach nach oben kommen. Was ich auch tat. Ich zog mich an und ging nach oben. Dort bezahlte ich, bekam eine Online-Rechnung und versprach wiederzukommen.

Vor der Tür war die Nacht angebrochen. Die Luft war frisch geworden und ich genauso „fertig“ wie immer nach „meinem“ Masseur. Ich gähnte ein paar Mal heftig und machte mich auf den Heimweg. Die frische Luft und die Bewegung tat mir gut. Auf dem Nachhauseweg kam ich auch noch beim Billa vorbei, wo ich mir Weckerl kaufte. Zu Hause angekommen machte ich es mir auf der Couch gemütlich mit Weckerl und Humus.

Ja, meine neue Masseurin ist anders. Die Nähe hat aber enorme Vorteile. Und sie tut mir gut. Ich kann unter Woche vorbei schauen und bin nach eineinhalb Stunden locker wieder zu Hause. Vom Preis her ist sie gleich teuer wie mein alter Masseur, aber natürlich dauerte die Massage nicht so lange. Andererseits war ich nach einer Stunde bei ihr schon total fertig – im positiven Sinn! Eineinhalb Stunden bei ihr würde ich wahrscheinlich nicht verkraften….

Mit meinem alten Masseur hatte ich aber auch noch ein Vertrauensverhältnis. Wir sind 10 Jahre lang gemeinsam durch meine Tiefs gegangen. Haben vieles gelöst. Ich habe ihm viel zu verdanken und werde ihn auch immer im Herzen bewahren. Bei der neuen Masseurin wird es das eher nicht geben. Sie massiert einfach nur. Dass aber dafür gut und billig. Damit kann ich leben!

© Libellchen, 2019

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