Emotionen am Begräbnis

Vorigen Freitag war ich bei einem Familienbegräbnis. Ein Verwandter den ich schon sehr lange nicht gesehen hatte. Anders als in meiner Kindheit. Damals sahen wir uns regelmäßig. Sein Sohn, seine Nichte und sein Neffe waren die einzigen Kinder mit denen ich zusammen gespielt habe in meiner Kindheit. Die einzigen Kinder mit denen ich herumtollen durfte. Im Garten unbeaufsichtigt – zumindest fehlte die normale Totalüberwachung meiner Großeltern – spielen durfte. Ich erinnere mich an Stunden in ihrem Kinderzimmer, wo sie ihr Spielzeug mit mir teilten. Nur sein Sohn war eher der Typ „Grätzn“ (ein Junge der es mochte mich zu ärgern).

Warum also ging ich zum Begräbnis? Eigentlich wegen meiner Mutter – er war ein wenig älter als sie, seiner Schwester – sie war auch bei den Begräbnissen meiner Großeltern – und weil er halt nun mal Familie ist. Weil es sich so gehört. Weil er Teil meines Lebens war und es jetzt nicht mehr ist. Der Vorteil dass ich ihn schon ewig nicht mehr gesehen hatte, ich war grundsätzlich nicht schon emotional angeschlagen! Was aber noch lange kein Indiz ist, dass ich nicht trotzdem heule. Ich „springe“ total auf die Emotionen in meinem Umfeld an. Und auf einem Begräbnis ist die vorherrschende Emotion nun mal Trauer! Und wenn jemand in meiner Nähe extrem traurig ist, dann heule ich schon mal auch mit. Oder bei der passenden Musik. Es gibt Musikstücke bei denen heule ich immer! Hallelujah in der Version von Jeff Buckley zum Beispiel. Wenn ich die Nummer höre, kommen die Tränen ganz von selber. Selbst wenn ich eigentlich glücklich zu Hause sitze!

Am Begräbnis hatte ich das Glück nicht in unmittelbarer Nähe der Witwe, der Mutter und des Sohnes zu sitzen, daher kamen da auch keine Emotionen rüber. Der Pfarrer machte seinen Job so unemotionslos und nach Schema F, dass da auch keine Trauer hochkam! Im Gegenteil. Seine ganze Art regte mich eher auf und von jeder Emotion ab. Vor allem als sie mitten in der Trauerfeier das Körbchen für Kleingeld rumgehen liesen, da war ich aus jeder Emotion rausgerissen. Wobei Mama meinte dass sie das immer machen, aber wahrscheinlich normalerweise nicht bei den nahen Angehörigen. Die vergangenen Begräbnisse saß ich immer in der ersten Reihe, die offenbar vom Geldsammeln verschont werden und in Ruhe trauern dürfen! Im Gegensatz zum Rest der Gemeinde. Also hätte ich mit der katholischen Kirche nicht schon seit Jahren ein Problem, hätte ich es spätestens jetzt. Verlangen von den Hinterbliebenen sowieso Kohle für das Begräbnis und dann sammeln sie auch noch bei der Trauergemeinde. Ganz schlechter Stil!

Es hätte also eine recht emotionslose Geschichte werden können. „Leider“ war er bei der freiwilligen Feuerwehr. Dass ich bei einem Militärbegräbnis heule wusste ich schon, Feuerwehr ist zwar nicht ganz so schlimm, aber auch sehr heftig. Die Sargträger in Uniform da und dort. Der Verlust des Kameraden kann man ihnen in den Augen ablesen, auch wenn sie ansonsten starr der Messe folgen und sich nicht rühren. Und natürlich kommt die ganze Feuerwehr, alle in Uniform, dazu die geparkten Feuerwehrautos mit laufendem Blaulicht die seinen Weg von der Aufbahrungshalle bis zu seinem Grab begleiten. Und natürlich die eigene Musikkapelle. Und zack, schon haben mich die Emotionen in den Hintern gebissen!

Es war trotzdem nicht so schlimm wie alle vorangegangenen Begräbnisse. Zum einen Dank des Pfarrers und zum anderen weil er mir halt auch nicht so nahe gestanden war. Den Kaffee bei seiner Schwester schlugen wir dann aber aus. Wir werden im Sommer zu ihnen fahren. Und diesmal wirklich! Vorgenommen haben wir es uns schon bei Omis Begräbnis und jetzt trafen wir uns erst wieder am Friedhof. Das muss jetzt wirklich ein Ende haben. Ich will mit den Leuten mal reden ohne dass jemand grad großen Kummer hat!

© Libellchen, 2019

Ein Kommentar zu “Emotionen am Begräbnis

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