Haustiere im Büro

Ich gestehe, ich bin kein Tiernarr. Für mich sind Tiere Lebewesen die Gefühle empfinden können, weshalb man sie ordentlich behandeln sollte. Ich würde nie Tiere quälen oder schlecht behandeln, ich brauche aber auch keine Haustiere. Als Kind hatte ich eine zugelaufene Schildkröte. Nicht dass ich mit ihr etwas anfangen hätte können… Da sie aber in meiner Obhut war, hab ich sie gefüttert, gehegt und gepflegt. Dabei ging mir aber weder das Herz auf, noch hätte ich es gebraucht….

Als ich mal in einer WG wohnte bildete sich meine Mitbewohnerin Katzen ein. Da ich ja kein Problem mit Tieren habe, habe ich halt zugesagt. Wir bekamen zwei. Ich fütterte sie, ich leerte das Katzenkisterl, fuhr mit ihnen zum Tierarzt, kümmerte mich um ihr Fell und schmuste schon auch mal mit ihnen auf der Couch rum. Als meine Mitbewohnerin aber von einen Tag auf den anderen verschwand und die Katzen anfingen alles anzupinkeln – meine Schuhe, mein Bettzeug, mich – schwor ich mir, das wars mit Haustieren.

Ich brauche keine Haustiere zu meinem persönlichen Glück. Vor ein paar Jahren fing es an, dass immer mehr Kollegen Hunde mit ins Büro nahmen. In der alten Dienststelle hatten wir sehr viele. Leider hielten sich nicht alle Hundehalter an die Leinenpflicht, so dass die Hunde am Gang frei herumliefen, schon mal auf den Gang kackten oder pinkelten und teilweise aufeinander losgingen. Ich konnte das nie verstehen. Meiner Meinung nach hat ein Haustier nichts im Büro zu suchen. Im Büro soll gearbeitet werden und kein Spießrutenlauf zwischen freilaufenden Hunden stattfinden….

Vorige Woche stellte mir dann mein Kollege eine Frage, die ich ohne nachzudenken beantwortete. Erst später dachte ich darüber nach und es stimmt eigentlich.

Er: Magst du Hunde?

Ich: Nein.

Es stimmt. Ich mag Hunde nicht. Ich akzeptieren Hunde wenn ich wo hin komme wo sie wohnen. Genauso wie ich Raucherwohnungen akzeptiere. Doch zwischen Akzeptanz und mögen ist ein riesen Unterschied! Wie gesagt ich habe nichts gegen Hunde. Welpen sind auch süß. Der kleine Hund im Fitnessstudio ist auch süß. Doch einen Hund zu sehen und vielleicht auch zu streicheln ist für mich noch lange kein Grund mir einen Hund zuzulegen! Oder ihn bei mir im Büro zu wollen!!!!

Den darauf lief die Frage von ihm hinaus! Seine neue Freundin hat ihren Hund normalerweise im Büro mit, aufgrund eines Termins ging es aber am Mittwoch nicht und so hat er sich offenbar erboten ihn mitzunehmen. Da sich meine Euphorie – die er offenbar erwartet hatte – in Grenzen hielt, wollte er mir den Hund schmackhaft machen. Er zeigte mir ein Foto „Ist der nicht süß!!??“ Ähm, nein. Hund halt… Groß und schwarz. Dann wollte er mich beruhigen. Er ist ganz brav. Ein Zwingerhund aus Bulgarien der ganz schüchtern ist – was mich eher beunruhigte. Hunde mit einem psychischen Schaden finde ich unberechenbar und gefährlich.

Im Sinne des neu erworbenen Friedens lies ich mich breitschlagen und so kam am Mittwoch der Hund mit. Blöderweise war er wirklich sehr nervös und hörte auch nicht wirklich auf meinen Kollegen. Es gibt Hunde die folgen was ihnen gesagt wird und zeigen ein gesundes Desinteresse an Menschen die sich in ihrer Umgebung bewegen. Und es gibt Hunde werden ganz nervös wenn sich das Blatt einer Zimmerpflanze bewegt. Unser Besucherhund gehörte zu letzerer Kategorie. Jedes Mal wenn ich mit meinem Sessel einen Zentimeter auf die Seite fuhr sprang er auf. Was ich mehr spürte als sah, da er hinter mir herumtigerte. Da waren wir also auf 8 m². Mein Kollege, der nervöse Hund und ich. Kurz nach dem ich mit dem Frühstück fertig war, kotzte er auf den Fußboden. Was zum nächsten Problem führte. Gestank! Zu dem Eigengeruch des Hundes kam der Gestank der Kotze. Also Fenster auf. Ist ja eh nicht Winter und saukalt! Ahso, doch!!!!

Nachdem er die Kotze aufgewischt hatte, ging meine Kollege mit dem Hund raus. Ehrlich gesagt dachte ich dass sie länger weg sind und wollte die Gelegenheit nutzen um meine Müslischüssel auszuwaschen in der Küche. Leider waren sie aber nach fünf Minuten wieder retour und als ich die Müslischüssel ins Büro bringen wollte, ersuchte mich mein Kollege doch bitte nicht alleine in unser Büro zu gehen! Der Hund könnte sich ja schrecken. In dem Moment beschloss ich auszuziehen. Ich packte mein Handy, mein Trinkglas und ersuchte um Asyl bei Mrs. Wichtig. Als ich zwei Stunden später mein Kaffeehäferl aus dem Büro holen wollte, stank es im Büro richtiggehend. So schnell ich konnte, war ich wieder weg. Im Endeffekt blieb ich den ganzen Tag bei Mrs. Wichtig und arbeitete natürlich auch nichts! Mein Kollege meinte dann Mittags „Ich will dich ja nicht vertreiben“ und ich meinte dann nur „Das hast du schon vor ein paar Stunden erledigt!“

Ich meine, wie soll ich mich in meinem Büro wohlfühlen, wenn ich mich nicht mal frei darin bewegen kann! Ebenfalls beim Mittagessen wollte er mich dann überreden mich mit dem Hund anzufreunden. Wieso sollte ich? Der war genau einen Tag da und wird in dieser Konstellation sicher nicht wieder kommen! Sollte er ihn wieder mitnehmen wollen, muss er sich ein anderes Büro suchen. Und da ist unser Chef sicher auf meiner Seite, der ist nämlich auch kein Freund von den Hunden im Büro!

Ich habe am Mittwoch also nichts gearbeitet, sondern im Nebenbüro Zuflucht gesucht und gefunden. Die Arbeit musste ich halt am Donnerstag dann nachholen, was aber nicht so tragisch war. Viel tragischer fand ich das ständige auf mich einreden, dass ich mich doch mit dem Hund auseinandersetzen soll. Warum? Was interessiert mich der Hund seiner Freundin? Ich meine, mal ehrlich wenn ich mich mit allen Hunden von Mädels die er flachlegen will anfreuden soll, werde ich in diesem Leben nicht mehr fertig…. Er ist ja auch nur dann ein Hundefreund, wenn die Besitzerin seinen Wunschvorstellungen eines Püppchens entspricht…..Der nächste Hund mit dem ich mich anfreunde, ist der von meinem Stiefbruder oder einem hübschen Typen den ich flachlegen will – sollte mir mal einer über den Weg laufen! 😉

© Libellchen, 2019

2 Kommentare zu “Haustiere im Büro

  1. Wundert mich nicht, dass er dich wegen dem Hund bearbeiten wollte, lässt er sonst ja auch nichts von dir stehen. Gut, dass du deine Grenze gezeigt hast! Und drück dir die Daumen, dass der Hund sobald nicht wieder kommt (war für den sicher auch nicht witzig). LG

    • Mir hat der Hund ja auch ur leid getan. So nervös wie der war, war das sicher nicht lustig für ihn! Also in mein Büro kommt er sicher nicht wieder. Ohne meine Zustimmung hat er da keine Chance und nochmal bekommt er die sicher nicht!

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