No (Wo)Man, no Cry

Stellt euch vor es ist kurz vor Mitternacht am 31. Dezember. Ihr wartet auf den Jahreswechsel, im Fernsehen läuft ein Song und plötzlich habt ihr ein Aha-Erlebnis. So ging es mir mit Bob Marley. Die erste Erkenntnis kam also noch im alten Jahr, der Rest dann die Tage danach…

Als ich ein Kind war, vermittelte mir meine Großmutter immer dass ihr Leben leichter wäre, wenn sie Opi nicht dauernd bedienen müsste. Er war ein Pascha, der Herr des Hauses und sie hatte den ganzen Tag zu tun um ihn glücklich zu machen. So weit, der Stand der Beziehung wie er mir vermittelt wurde. Jahre später wurde mir klar, dass Omi sich über ihrer Märtyrerrolle definierte und ihr ganzer Lebensinhalt war unter ihrer Umwelt zu leiden. Allen voran natürlich Opi. Der war natürlich wirklich ein Egoist. Andererseits hatte sie ihn sich ausgesucht….Doch der Grundgedanke „Frauen sind ohne Männer besser dran“ war da schon gelegt.

Der nächste Mann der nur Leid gebracht hatte war mein Vater. Natürlich haben wir auch hier die einseitige Sichtweise meiner Großmutter mütterlicherseits. Jahrelang hat sie mir erzählt, Papa sei alleine an allem Schuld gewesen und wir könnten froh sein, dass wir ihn los seien.

Er war aber nur der erste aller Männer, die nicht gut genug für uns waren. Egal ob meine Mutter jemand heimbrachte oder ich, keiner war der Richtige für uns. Und jedes Mal kam die große Erleichterung bei Omi, nach der Trennung. Auch der Mann ihrer Nichte war zu nichts zu gebrauchen. Genauso wie der Mann ihrer Schwester. Eigentlich gefiel Omi überhaupt nie ein Mann…. Was macht so eine Prägung mit einem Kind wohl? Nun, ich denke ich habe mittlerweile eine Ahnung….

Als Teenager war Bob Marley total angesagt. Natürlich auch „No Woman, no cry“. Und meine Freundin und ich sangen immer „No Man, no cry“. Und wir glaubten daran. Ohne Männer waren wir besser dran. Keine Ahnung ob wir immer nur an Idioten kamen, weil wir schon mit dieser Grundhaltung groß geworden sind und uns das Universum immer wieder eine Bestätigung schickte oder ob das damals Zufall war.

Der Punkt ist, ich halte nicht alle Männer für Idioten oder Arschlöcher. Fakt ist aber auch, alle zu denen ich mich hingezogen fühle, sind es! Und der gemeinsame Nenner bin dabei ich. Der letzte Kurzflirt gab mir zu denken. Alle Männer die in den letzten 15 Jahren Interesse an mir hatten waren entweder emotional oder tatsächlich an jemand anderen gebunden.

Und dann hörte ich plötzlich Bob Marley im Fernsehen, erinnerte mich an das Gegröle als Jugendliche (No Man, no cry) und ich erkannte das Problem. Ich hatte mir da schon sehr jung einen Glaubenssatz zugelegt…. Das Universum kennt ja angeblich kein „nein“ wahrscheinlich kennt es also auch kein „kein“. Und was bleibt dann von „Kein Mann = keine Heulerei“? Richtig! Mann = Heulerei. Und daran habe ich mich mein Leben lang gehalten. Ich habe mir immer Männer ausgesucht, die nicht gut für mich waren. Die mich so behandelt haben, damit ich nur ja viele Tränen heulen konnte wegen ihnen…

Ich sehe das jetzt so. Entweder schaffe ich den Glaubenssatz aufzulösen, steige auf Frauen um oder lebe den Rest meines Lebens im Zölibat….

Ich denke ich fange mal mit der ersten Alternative an….

Übrigens wurde bei der Show auch erklärt dass „No woman, no cry“ von Bob Marley übrigens ganz anders gemeint war. Eigentlich wollte er jemand trösten. Es hätte eigentlich „No woman, don´t cry“ heissen müssen. Doch ich habe das damals auf jeden Fall anders verstanden….

© Libellchen, 2019

Ein Kommentar zu “No (Wo)Man, no Cry

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