Abgesagt

Von Anfang an war ich davon nicht begeistert. Ein Kollege und seine Frau haben voriges Wochenende zur Wohnungseinweihungsfeier und danach anschließend Punsch am Christkindlmarkt eingeladen. Kurz vor Weihnachten. Am Samstag. Schon bei der Zusage, war ich nicht überzeugt.

Die Wohnung ist Mitten in Wien. Ich wohne ausserhalb. Ich könnte mit Öffis fahren, dann würde ich zwar hin und retour eineinhalb Stunden brauchen, aber ich könnte das Auto stehen lassen und einen Punsch trinken. Ich könnte auch mit dem Auto zum Hauptbahnhof fahren, dort parken und dann mit Öffis weiterfahren. Das würde zwar zeitmäßig wenig Unterschied machen, aber zumindest wäre es teilweise wärmer.

Am Donnerstag war ich dann mit ein paar ehemaligen Kollegen punschen und es war uuuuur kalt. Da ich mit dem Auto unterwegs war, trank ich Tee, der schneller kalt wurde als er mich wärmen konnte. Am Freitag hatte ich dann einen dienstlichen Auftrag und danach ging es mir richtig schlecht. Die Kälte war mir unter die Haut gekrochen und ich erwärmte mich gar nicht mehr. Ich lies sogar das Training ausfallen, da ich mich unwohl fühlte.

Ich dachte aber immer noch ich würde am Samstag nach Wien fahren. Weil ich zugesagt hatte und weil ich mich im Normalfall an Zusagen halte. Ich hatte aber von Anfang keine Lust darauf gehabt. Ich wollte ihnen einen Gefallen tun. Dabei fahre ich am Wochenende ungern nach Wien. Tue es ja eh die ganze Woche! Und in der Vorweihnachtszeit ist sowieso enorm viel los.

Und doch rang ich eine Stunde mit mir selber ob ich ungern fahre oder absage. In der Nacht hatte es geschneit. Draußen lag Schnee, drinnen war es warm. Meine Nase lief, ich hatte Husten und fühlte mich schwach. Und trotzdem brauchte ich eine Stunde mich dazu durchzuringen abzusagen. Da kam meine Erziehung durch. Die Enttäuschung die ich meinen Großeltern immer bereitete wenn ich mir etwas wünschte. Die Enttäuschung die ich Menschen zufüge, die alles für mich tun, wenn ich das nicht schätzen kann, weil ich das nicht wollte. Der Stachel sitzt immer noch sehr tief. Immer wenn ich etwas will oder nicht will, enttäusche ich jemand anderen. Aber so ist das Leben. Man kann es nicht jedem Recht machen. Ich sollte mir aber zumindest mein eigenes Leben nicht schwerer machen als notwendig. Wird Zeit dass ich das endlich lerne!

© Libellchen, 2018

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