Ruhig bleiben

Am Freitag war ich mit meinem Chef alleine im Büro. Nachdem er am Vormittag zu einem Termin aufgebrochen war, war ich dann ganz alleine. Als plötzlich etwas Unerwartetes auf mich einstürzte. Kaum war er weg, haben ihn drei Personen gesucht. Da er nicht da war, kamen sie zu mir.

Auf der einen Seite war ich so vorgewarnt, auf der anderen Seite spürte ich ein wenig den Druck. Ich bin ja sehr anfällig auf Druck von aussen. Ich springe normalerweise regelrecht darauf an und fange an zu arbeiten. Das ist noch kein Stress, das ist aber Betriebsamkeit.

Zu meinem Glück konnte ich am Freitag aber nicht darauf anspringen. Auf die eine Sache hatte ich keinen Zugang und bei der anderen Sache hatte ich keine Ahnung wo sie gelagert wird. Nach einem Jahr gibt es immer noch Dinge die ich zum ersten Mal sehe….

Und so saß ich in meinem Büro, spürte den Zeitdruck und konnte doch nichts dagegen tun. Das war eine spannende Erfahrung. In der alten Dienststelle war ich so etwas wie ein Urgestein. Ich hatte vieles selbst archiviert und gestaltet und es gab fast nichts was ich nicht lösen oder delegieren konnte. Ich wusste genau wo die Dinge waren und wer zuständig war. Hier ist das noch was anderes.

Ich musste auf meinen Chef warten. Es war niemand anderer da mit dem ich hätte reden können und ich konnte auch nichts vorbereiten weil ich keinen Zugriff hatte! Und so zogen sich die Minuten dahin. Immer wieder überlegte ich ob ich nicht doch etwas machen könnte, doch ich kam immer zum selben Ergebnis. Ich würde warten müssen. Es war kaum auszuhalten, bis ich mich dann meinem Schicksal ergab und mich um etwas anderes kümmerte.

Als mein Chef von seinem Termin retour kam, hätte ich ihn am liebsten mit der Arbeit überfallen, doch ich hielt mich zurück. Wir gingen gemeinsam Essen und als wir am Tisch saßen begann ich ganz gemächlich zu erzählen was so anstand.

Er war nicht begeistert, überlegte kurz, delegierte mir die eine Sache – womit ich sowieso gerechnet hatte – und zeigte mir nach dem Essen wo ich die Unterlagen fand. Sie waren in meinem Büro!!! Ich hatte geglaubt dass der Kasten meinem Kollegen gehört, weshalb ich ihn noch nie geöffnet hatte. Dabei lagen dort die Unterlagen welche ich gebraucht hätte. Er nahm die Arbeit mit, organisierte mir den Zugang den ich auf die anderen Daten brauchte und letztendlich haben wir gemeinsam das Problem in zwei Stunden gelöst. Gut eine Besprechung habe ich noch am Montag, aber das ist hoffentlich nicht so aufregend.

Ich glaube das aufregendste für mich waren wirklich die eineinhalb Stunden als ich auf meinen Chef warten musste und nichts tun konnte. Das war wirklich sehr lehrreich und ich bin sehr stolz auf mich dass ich, in so einer für mich unangenehmen Situation, so ruhig bleiben konnte.

© Libellchen, 2018

Ein Kommentar zu “Ruhig bleiben

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