Michael Jackson und ich

Es war keine Liebe von Anfang an. Was ganz logisch war, da ich noch bei meinen Großeltern lebte als er am Zenit seiner Karriere angekommen war. Und er war alles was mein Großvater aus tiefstem Herzen verabscheute! Schwarz und erfolgreich. Immer wenn er irgendwo im Fernsehen auftauchte kam von Opi aus tiefstem Herzen „Hör dir den an, dem habns die Eier abgeschnitten!“ Es war also klar, bei mir zu Hause war er verpönnt. Ich mochte die Melodie seiner Lieder trotzdem, behielt dies aber natürlich für mich. Aufmucken hatte ich ja nie gelernt…

Als ich anfing fortzugehen spielte es natürlich hin und wieder Michael Jackson und wir shakten auch dazu ab, doch es war noch immer keine große Liebe. Ich war nie wirklich ein richtiger Fan.

Er wurde immer weißer und mein Großvater immer abfälliger. Nicht dass wir oft über so etwas gesprochen hätten, aber einmal hat er sich ausgelassen „Über den Neger, der keiner sein will! Braucht nicht glauben dass er einer von uns wird!“ Damals war ich zwar schon ausgezogen, doch Wiederworte gab ich Opi immer noch sehr selten. Mir war klar, dass er sowieso für keine andere Meinung empfänglich war. Es war also nur verschwendete Liebesmüh.

Dann kamen die Missbrauchsvorwürfe und die schockten mich wirklich. Bei Kindern habe ich immer sehr sensibel reagiert. Selbst ein Kind, dass nie eine Stimme hatte, mochte ich es nicht wenn sich jemand auch noch körperlich an Kindern vergangen hatte. Mir reichte der seelische Missbrauch meiner Großeltern, wenn ich mir vorstellte dass jemand noch mehr leiden musste…. Wie gesagt, da bin ich rigoros. Und natürlich glaubte ich jedes Wort. Da schwang noch meine Erziehung mit. Bilde dir eine Meinung und bleib dabei. Plötzlich war mitsummen bei einem Jackson-Song eine unangenehme Angelegenheit. Durfte man die Musik eines Kinderschänders mögen? Dass die Vorwürfe vielleicht gar nicht wahr sein könnten, darauf kam ich gar nicht!

Und wieder verschwieg ich, dass ich seine Musik mochte.

Dann kam David Garrett und spielte Michael Jackson-Songs und stand dazu welch ein großartiger Künstler er ist.

Und ich war verwirrt. Durfte man den jetzt mögen oder nicht? Oder besser gesagt, hat er jetzt was verabscheuungswürdiges getan oder nicht? Er war zwar freigesprochen worden, doch trotzdem wurde immer wieder kommuniziert „Sie konnten ihm nur nichts beweisen“. Was nochmal was anderes ist als „er hat nichts getan“!

Dann natürlich die Medikamentensucht, die Schönheits-OP´s und die Sache mit dem Kind auf dem Balkon. Alles irgendwie verstörende Einzelstücke und da ich kein echter Fan war, bekam ich auch immer nur diese offensichtlichen Dinge mit.

Doch dann ging ich – ich glaube mit Aretha – ins Kino zu „This is it“. Wo man Livemitschnitte seiner Arbeiten zu seiner Tour sehen konnte. Und dort sah ich ganz ein anderes Bild. Einen sensiblen, scheuen Musiker der mit erwachsenen Menschen nicht so gut klar kam. Ich erfuhr wie er aufgezogen worden ist. Dass ihm seine Kindheit „gestohlen“ worden ist. Von seinem gewalttätigen Vater und nichts was ich da sah, kam auch in nur in Ansätzen dem Bild der Boulvardmedien nahe! Mit diesem Film bildete ich mir meine ganz persönliche Meinung zu ihm. Er war sicher kein schlechter Mensch. Eher eine total sensible, überforderte Seele! Ich glaube bei Kindern fühlte er sich einfach wohl, weil sie nichts von ihm wollten. Mit ihnen konnte er spielen und seine eigene Kindheit nachholen.

Seitdem bin ich auch offiziell Fan. Und seitdem kommen mir auch immer wieder Bestätigungen meiner Sicht unter. Ist es nicht immer so? Sobald sich der Fokus verändert, verändern sich auch die Informationen die man bekommt…

Heute wäre er 60 Jahre geworden. Deshalb gibt es auch viele Dokus von ihm. In einer habe ich erfahren – 10 Jahre nach seinem Tod – dass er mit Mitte 20 bei einem Werbedreh schwere Verbrennungen am Kopf davon getragen hatte – was zu seiner Medikamentabhängigkeit geführt hat. Ich weiß jetzt auch warum er so weiß geworden ist. Er hatte eine Krankheit Vitiligo. Die machte weiße Flecken, weshalb er jahrzehntelang bei einem Hautarzt in Behandlung war. Ich habe jetzt auch erfahren dass er gemalt hat und Marvel kaufen wollte. „This ist it“ sollte seine Abschiedstour für seine Kinder werden und nicht das groß Comeback als dass es verkauft worden war! Er wollte malen und Filme produzieren, statt dessen starb er.

Ich glaube er war sein Leben lang sehr unsicher und einsam. Ein ganz großer Künstler, aber eine gequälte Seele.

Als ich die Karten gekauft hatte, wusste ich noch nicht dass er heuer 60 geworden wäre – obwohl es beim Kartenkauf groß angeschrieben ist! Anfang November bin ich mit Aretha bei „Beat it“ in der Stadthalle in Wien. Was ich seit der Doku auch weiß, Detlef D. Soost – den ich persönlich sehr mag und der ein großer Jackson-Fan ist – ist Choreograf der Hommage an Jackson. Hätte ich genauso wissen können, wenn ich die Beschreibung des Musicals gelesen hätte! Doch mir reichte damals Musical + Michael Jackson für den Kartenkauf. Ich freute mich auf zwei Stunden seiner Musik. Jetzt wo ich weiß dass Detlef bei der Tanzchoreo mitmischt, freue ich mich halt auch auf den Tanz!

In der Doku habe ich auch erfahren dass Michael Jackson immer Angst hatte, dass ihn die Menschen vergessen sobald das Licht auf der Bühne ausgeht. Also da kann ich ihn nachträglich beruhigen, ich glaube er ist einer der Künstler, die nie vergessen werden!

© Libellchen, 2018

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