Der größte Kritiker

Ich bin und war schon immer mein größter Kritiker. Früher habe ich mich deswegen auch regelmäßig selbst fertig gemacht. Heute bin ich mir einfach nur mehr meiner Schwächen bewusst und arbeite daran. Was ich zum Beispiel gar nicht kann ist vor großen Gruppen reden. Einen Vortrag halten. Alle Augen auf mich gerichtet. Das macht mich nervös und ich fange an zu plappern. Nur merkt das ausser mir selbst kaum jemand. Ich habe schon öfter Feedback eingeholt von Menschen die ehrlich mit mir sind, bzw. auf diversen Kursen wo Profis Feedback geben.

Was ich mittlerweile weit besser beherrsche als früher, ich kann meine Unsicherheit überspielen. Mein Nicht-Wissen oder Nicht-Können fällt nicht wirklich auf. Letztens hat mich mein Abteilungsleiter gefragt wie es mir bei der Ausbildung geht und ich meinte „Schön langsam passen die Puzzleteile zusammen und ich erkenne das Gesamtbild.“ Und er total überzeugt „Aber das kennen sie doch schon lange!“ Ähm. Nein. Eigentlich nicht. Aber danke.

Die letzten Wochen hatte ich einen Spezialauftrag. Ich musste die Kompetenzen, die ein Projektleiter braucht, überarbeiten. Und ich dachte so. Also das könnte ich nie alles schaffen. Da gibt es sehr viel was ich nicht beherrsche.

Als ich länger darüber nachdachte wurde mir klar, unser Projektleiter kann das aber auch alles nicht. Was ihn nicht daran hindert den Job zu machen. Ob er ihn gut macht will und kann ich nicht beurteilen. Aber wenn ich mir seine Performance anschaue, so würde ich das auch hinbekommen….

Am Montag hatten wir mal wieder eine große Besprechung. Und da gab es einen Punkt wo er auf eine direkte Frage nicht antworten konnte. In seinem Projekt. Es war eine sehr lange Pause. Alle schauten ihn an und ihm fehlten die Worte. Gut, kann schon mal passieren. Er konnte es aber auch nicht überspielen. Die Lücke füllen. Er schwieg so lange dass unser Abteilungsleiter ihn mit groß aufgerissen Augen anschaute. Also so könnte ich das auch. Wahrscheinlich sogar besser. Und das ist eine meiner großen Schwächen.

Als wir danach meinem Teamleiter Feedback gaben, war von Unsicherheit keine Spur. Er stellte seinen Vortrag als vollen Erfolg dar und ich stand daneben und fragte mich „Glaubt er das wirklich?“ Seine Performance war nicht schlecht, aber so toll wie er es erzählt hat, war es definitiv auch nicht.

Bevor er dazu kam habe ich auch noch mit meinem Chef über eine andere Teilnehmerin gesprochen. Auch der fehlten erstaunlich oft die Worte und das obwohl sie sogar Abteilungsleiterin ist. Ich meinte dann so „Also ich bin ja nicht gut bei solchen Dingen aber das hätte ich auch gerade noch zusammen gebracht.“ Wo er wieder die Augen aufriss und meinte ich solle mein Licht nicht unter den Scheffel stellen, ich wäre doch eh gut bei Vorträgen.

Also entweder sind meine Ansprüche an mich selbst und die Welt weit größer als sie sein sollten oder ich schätze mich ganz falsch ein in manchen Dingen. Darüber werde ich mal in Ruhe nachdenken und noch ein wenig länger beobachten was mein Umfeld so treibt…

© Libellchen, 2018

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