Die Last der Umsicht

Das wahrscheinlich schönste an meiner „neuen“ beruflichen Situation ist, dass ich meine Umsicht nur mehr für mich selbst einsetzen muss! Als ich ein Team leitete, habe ich die Umsicht für den ganzen Bereich eingesetzt.

Wenn man so tickt wie ich, dann sieht man Unheil weit früher kommen als andere Menschen. Das soll jetzt nicht überheblich klingen, ist nur meine ganz persönliche Erfahrung. Immer wieder wundere ich mich, wenn sich Menschen über etwas wundern…. Mir war das immer schon im Vorfeld klar dass es so kommen könnte. Ich habe immer alle möglichen und unmöglichen Möglichkeiten im Kopf. Die Menschen können mich zwar trotzdem überraschen – für allem wenn sie unlogisch aus der Angst heraus agieren – aber mit jeder Erfahrung die ich mache, wird auch das immer weniger. Je älter ich werde, desto mehr hat sich gefestigt „Es gibt nichts, was es nicht gibt!“

Und je älter ich werde, desto weniger teile ich meine Umsicht mit anderen Menschen. Nicht weil ich geizig bin, sondern weil die Menschen erfahrungsgemäß gar nicht so weit vorausdenken wollen…. Negativ verstehe ich das ja, vor allem wenn sie sich dann gleich auch Sorgen machen. Das vermeide ich ja. Unheil im Hinterkopf zu haben bedeutet ja noch nicht sich deshalb zu sorgen. Es gibt ja auch immer mehrer Optionen wie etwas ausgehen kann. Doch die Menschen sind ja auch bei positiven Dinge nicht allzu umsichtig….

Ich war vor drei Wochen bei meinem Chef und habe meine Jahresurlaubsplanung abgegeben. Zuerst dachte ich ja ich müsste mich absprechen mit meinem Kollegen, doch da er mit mir auch nichts abspricht, bin ich auch gleich direkt zum Chef gegangen. Und siehe da, ich habe mir alle Fenstertage gesichert. Das ist ja das schöne daran dass ich nicht mehr Chef bin. Ich gehe einfach gleich relativ zeitig im Jahr und sichere mir die besten Tage.

Vor kurzem ist mein Kollege draufgekommen dass er Urlaub braucht. Er hatte sich voriges Jahr zu einem Event angemeldet und diese Woche ist er draufgekommen dass er vielleicht Urlaub braucht am Freitag. Also mir wäre das schon weit früher aufgefallen, aber naja. Er meinte dann zu mir, ich sei nächsten Freitag wieder alleine. Und ich nur so „Nein, ich bin im Urlaub!“ Da bekam er dann kurz mal ein mulmiges Gefühl. Denn was wenn er dann doch nicht gehen könnte….

Er kann aber eh. Chef ist da. Ich hätte das halt nicht am letzten Drücker geklärt. Ich hätte mich um den freien Tag gekümmert bevor ich mich zu einer Veranstaltung angemeldet hätte. Aber da bin ich im Gegensatz zu sehr vielen, sehr anders. Das weiß ich schon, es fällt mir aber immer wieder auf, wie kurzsichtig andere bei ihren privaten Terminen sein können. Dabei würde es ja sogar um was positives gehen!

Das schöne daran ist, es muss mich nicht mehr kümmern. Ich brauche mich nur mehr um meine eigenen Termine kümmern und nicht die Urlaubsplanung von sieben Leuten koordinieren. Das ist wirklich sehr angenehm für mich!

© Libellchen, 2018

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