Ungeduld

Geduld und Zielstrebigkeit verträgt sich offenbar recht schlecht. Ich habe ja vor längerem eine Persönlichkeitsanalyse gemacht wo rauskam das ich über die Norm zielstrebig und entscheidungsfreudig bin. Man könnte auch sagen ich „fakel nicht lange“. Das war auch das größte Problem mit meinem Letzt-Ex. Er mag ja auch in irgendeiner Form zielstrebig sein, aber sicher am anderen Ende der Scala als ich es bin. Wo er jahrzehntelang plant, hab ich schon alles längst erledigt. Irgendwie erinnert er mich an meinen Großvater. Der hat sein Leben lang auf ein Ziel hingearbeitet, allerdings hat er nie etwas getan um das Ziel auch wirklich zu erreichen…. Er ist dann übrigens auch gestorben bevor er es erreicht hat!

Bei dem Seminar über Innovation wurde mir meine Ungeduld wieder bewusst. Wenn ich etwas sinnvolles entdecke um mir das Leben zu erleichtern, Abläufe zu straffen, Dinge leichter und einfach zu machen, dann TUE ich es einfach. Doch damit eckt man im öffentlichen Dienst oftmals an. Ich meine jetzt vor allem die alte Dienststelle. Die Leute bei meiner neuen Dienststelle wirken da eher „open minded“ auf mich. Denen kann man schon auch mal revolutionäre Ideen vorschlagen. Also zumindest meinem Chef und meinem Kollegen. Die Mädels sind dann doch eher resilient (im negativen Sinn).

Ich liebe den Spruch „Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe!“ Hängt bei uns im Büro am Kühlschrank, trotzdem hat ihn noch nicht jeder verstanden…

Innovation im öffentlichen Dienst braucht offenbar ein hohes Maß an Geduld und Kraft. Das eine besitze ich nur in geringen Mengen (Geduld) das andere (Kraft) will ich nicht in etwas stecken wo ich dann „alleine“ gegen alle anderen kämpfen muss.

Zaudern und zagen, planen, zaudern, planen, zaudern, usw. Das ist nicht mein Leben. Wenn sich Chancen ergeben ergreife ich sie. Ich denke nicht monatelang darüber nach ob ich soll oder nicht und lasse dann eine Chance nach der anderen verstreichen. Bei meinem Jobwechsel stand als erstes der Entschluss. Der kam aus tiefstem Herzen. Der Job den ich jetzt habe, war dann ein „Zufall“. Über Ecken landete ich dort wo ich jetzt bin. Innerhalb kürzester Zeit. Natürlich geht es nicht immer so im Leben. Aber ich kenne genug Menschen die die Chance nicht ergriffen hätten, weil sie immer noch darüber nachdenken ob sie es wagen sollen oder nicht! Die säßen immer noch an der alten Dienststelle, würden sich immer noch aufreiben lassen und darüber nachdenken ob es eine gute Chance war oder nicht. Diese Menschen enden dann wahrscheinlich wie mein Großvater und Krimhilde. Mit gaaaaanz viel Reue im Alter.

Wobei das bei mir ja auch nicht immer so war. Es gab mal eine Zeit, wo ich mir eine gute Idee auch sehr gut selbst ausreden konnte. In jungen Jahren habe ich sehr viele Chancen aus Angst nicht ergriffen. Das änderte sich aber als ich ca. 20 Jahre alt war. Damals wagte ich das erste Mal etwas, das mir am Herzen lag, einfach weil ich mich nie fragen wollte „Was wäre gewesen wenn.“ Tja, ich fiel auf die Schnauze, wie so oft, doch ich wusste es wenigstens. Mir ist das persönlich sehr wichtig. Zu lange habe mich meinem Großvater bei seinem Bedauern zugeschaut! Das will ich für mich einfach nicht. Ich will mein Leben leben und nicht planen. Ich will etwas wagen und im Alter Geschichten haben, die ich erzählen kann. Ganz ohne Konjunktive…..

© Libellchen, 2018

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