Hausverstand

Ich habe im Büro die ehrenvolle Aufgabe mich um die Rechnungshofberichte zu kümmern. Ich habe die Verwaltung der Ablage über und durchstöbere neu eingehende Berichte auf ihre Relevanz für unsere Dienststelle. Doch ich lese nicht nur „unsere“ sondern überfliege auch andere Berichte wenn die Überschrift interessant klingt.

Und immer wieder frage ich mich „No, na, net! Das sollte doch wohl eigentlich schon der Hausverstand sagen!“ Tut er aber offenbar nicht. Manche Beamte dürften ihren Hausverstand offenbar beim betreten der Dienststelle abgeben…. Sonst kann ich mir die Fülle der Empfehlungen des Rechnungshofes nicht erklären!

Gut ich war schon immer ein Fan von logischem Denken und habe noch dazu eine kaufmännische Ausbildung. Ich habe ein Händchen für Organisation und bin zu faul Dinge immer wieder neu aufzusetzen, weshalb ich Vorlagen speichere und Dinge nach einem gewissen Schema abarbeite. Dinge die der Rechnungshof immer wieder empfiehlt…

Standardisierung! – Ich liebe sie.
Belege geordnet und wieder auffindbar ablegen! – Kann ich im Schlaf.
Sorgsam mit Steuergeld umgehen. – Predige ich seit 13 Jahren.
Effizienz steigern. – Ende mit „das haben wir immer schon gemacht“
Redundanzen prüfen. – Wo sie Sinn machen natürlich wichtig, aber nicht immer sind sie notwendig. Manchmal können Dinge auch einfach seriell abgearbeitet werden….
Prozessorientiert! – Nicht Befindlichkeitenorientiert!

Alles in allem muss der Job des Rechnungshofes sehr frustrierend sein. Tagein, tagaus sehen was schief läuft im Staate Österreich. Eigentlich ja schade, dass es den Rechnungshof überhaupt geben muss. Wie gesagt, für mich wäre vieles mit Benutzung des Hausverstandes abzustellen….

Der ein oder andere Bericht ist auch total langweilig, aber die meisten haben schon auch Schmunzelpotenzial. Weshalb sie dann wahrscheinlich in der Sendung „Bist du deppert“ landen. Ich liebe die Sendung, auch wenn man hier immer wieder zu dem Punkt kommt – Hirn einschalten hätte vielleicht geholfen!

Eine Sache landet zu hundert Prozent auch dort. Und früher oder später werde ich sicher auch einen Rechnungshofbericht darüber lesen. Doch zur Zeit geistert er durch die Medien und ich verstehe einfach nicht, wie es dazu kommen konnte!

Ein energetischer Schutzring um das Krankenhaus Wien Nord um € 96.000,–

Ich meine, was denkt man sich als Beamte(r) wenn man so einen Auftrag erteilt? Ist einem nicht klar dass es sich um Steuergelder handelt? Ist einem nicht klar, dass der überwiegende Teil der Wiener keinen Sinn für solche Dinge hat? Hat man die Vergaberichtlinien nicht gelesen? Da gibt es keinen Budgettopf für übersinnliches! Und wenn einem das schon alles egal ist, wieso fragt man nicht mich? Ich hätte den Schutzring schon für 50.000,– gezogen!

Und ich will mich jetzt nicht über Menschen lustig machen die an so etwas glauben. Ich habe selber drei Schutzringe. Aber die habe ich selber gemacht. Kostenlos! Ich käme aber niemals auf die Idee Steuergelder dafür auszugeben! Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung was bei den Leuten ausgesetzt hat. Den einer alleine kann das nicht durchziehen, dazu gehören mindestens zwei, eher drei, Personen (4-Augen-Prinzip).

Ehrlich gesagt verstehe ich die Kaberettisten wenn sie jammern, das ihnen die Realität ihr Leben so viel schwerer macht in letzter Zeit!

© Libellchen, 2018

 

2 Kommentare zu “Hausverstand

  1. Ich unterbiete und ziehe den Schutzring für 45.000 😉

    M. E. ist das das Machtpotential, das Männer haben. Ich sehe es bei meinem Chef genauso. Das ist gesetzeswidrig? Mir doch egal. Wo kein Kläger, da keine Klage.

    Und deren Schutzring ist noch viel größer, als der ums Krankenhaus. Die kennen dann einen Schwager von einem Cousin des Staatsanwaltes, dann zahlen die halt irgendwas ins Staatssäckel (natürlich auch wieder von Steuergeldern) und am Ende sitzen alle zusammen in der Kneipe und trinken sich einen.

    Kennst du eigentlich die Serie „Vorstadtweiber“? Die lief bei uns in der ARD und ist immer noch in der Mediathek abrufbar. Da geht es auch ein bisschen um diese Seilschaften. Köstlich 🙂

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