Schwarzes Schaf

Ich habe diese Woche mal wieder ein wenig mit meinem Kollegen darüber gesprochen, wie sehr es mich nervt wenn die Mädels bei uns mir dauernd erklären wollen, dass ich falsch liege. Ich lasse immer alle so sein wie sie sind. Nicht alles kann ich verstehen. Nicht alles will ich verstehen. Aber es ist ihr Leben. Was sie tun oder nicht, ist nicht meine Sache. Leider wird mir diese Haltung in den wenigsten Fällen erwidert. Auch wenn ich alle so sein lasse wie sie sind, gewähren sie mir umgekehrt nicht dieselbe Gunst….

Und er, typisch männlich, „Ganz klar, du bist das schwarze Schaf.“ Ähm, ja, könntest du das noch ein wenig weiter ausführen….

Er ist der Meinung, sie sehen sich als weiße Schafe und mich als schwarzes. Alle haben eine Familie gegründet, Kinder bekommen und nebenbei einen Job gemacht. Und ich nicht. Ich bin sozusagen eine Karrierfrau die sich aber auch nicht so verhält. Ich bin zu anders und doch nicht anders genug. Ich bemuttere niemand. Ich bringe keinen selbstgebackenen Kuchen. Ich gehe als Single selbstbewusst durchs Leben und habe keine Scheu zu meinen Schwächen zu stehen. Und ich beteilige mich nicht am täglichen Gejammere.

Ja und. Selbst wenn sie mich als schwarzes Schaf sehen, können sie mich doch auch einfach ignorieren!

Nein, können sie nicht. Toleranz haben sie nie gelernt. Selbstreflektion ist ihnen fremd. Sie können mit mir nichts anfangen und anstatt mich einfach in Ruhe zu lassen, versuchen sie mich umzufärben. Wenn sie mich lange genug ansprechen darauf dass ich doch selbstgebackenen Kuchen mitbringen soll, vielleicht fange ich dann ja doch irgendwann zu backen an….

Oder ich reiß ihnen den Kopf ab….

Tja, was also tun? Ich kann die Mädels nicht ändern, nur mein Verhalten ihnen gegenüber. Und ich habe mich bis jetzt auf jeden Fall zurück gehalten. Mrs. Wichtig ist ja arm, hatte vor Jahren ein Burnout und ist nach wie vor nicht belastbar. Überhaupt sind sie alle vier ganz gut in der Opferrolle verhaftet. So versuchen sie zu bekommen was sie wollen. Ich bin aber immer noch kein Retter und will mich auch nicht als Opfer geben nur damit ich zu den weißen Schafen gehöre…..

Als ich den Job gewechselt habe war ich so froh und dankbar, dass ich bereit war mich zu verbiegen um nur ja nicht wieder zurück zu müssen! Und ich kann nach wie vor, jederzeit zurück geschickt werden. Doch ich habe mich wieder gefestigt und bin mittlerweile davon überzeugt, es wird sich alles weisen. Sollte ich nicht bleiben, dann hat es sicher einen guten Grund. Und wenn sie mich zurück schicken dann werde ich auch dort einen Weg finden damit umzugehen. Also habe ich beschlossen, mich nicht mehr zurück zu halten. Also schon, aber nicht um jeden Preis.

Wenn die Opfer rund um mich wieder jammern, lasse ich sie. Ich halte meinen Mund, denke meinen Teil und gehe meiner Wege. Doch wenn sie mich mal wieder angreifen, dann werde ich niemand mehr schonen. Sie glauben ja nur dauernd an mir rummäkeln zu können weil ich es, aus Angst zurückgeschickt zu werden, mit mir machen habe lasse. Doch wenn mein neuer Abteilungsleiter mich, trotz guter Leistung, zurückschickt um die ausgebrannte Mrs. Wichtig zu schützen, dann habe ich dort sowieso nix verloren. Wobei ich ihr ja nichts tun werde, so lange sie mich in Ruhe lässt!

Ganz ehrlich, diese Entscheidung erleichterte mich nicht nur, es ging mir den Rest der Woche dann auch viel besser. Ich habe nicht mehr das Gefühl auf rohen Eiern herumzulaufen im Büro.

© Libellchen, 2018

3 Kommentare zu “Schwarzes Schaf

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