Chef ist Chef!

Ich war mal wieder auf Fortbildung und der Vortragende kennt meinen Chef ganz gut, weil der auch ausbildet. Am Ende der zwei Tage hat dann der Vortragende angekündigt, dass im nächsten Modul auch mein Chef für ein paar Stunden vorbeikommen wird und er sagte „Da kommt dann auch der Kollege von Fr. Libellchen!“ und ich „Chef!“

Ich finde einfach – bei aller Teamarbeit – es muss einen Verantwortlichen geben. Das war meine Meinung und Erfahrung als ich Bereichsleiterin war und das ist meine Meinung jetzt wo ich eine „einfache“ Mitarbeiterin bin!

Nachdem ich Leiterin geworden bin, hat einer meiner Mitarbeiter mich immer als Kollegin vorgestellt. Und ich habe das auch hin und wieder korrigiert, wenn es gepasst hat und notwendig war. Er war es gewohnt Männer als Vorgesetzte zu haben, eine Frau als Chefin war für ihn nicht so einfach. Er hat es nicht böse gemeint, aber alleine das Wort Chefin kam ihm die ersten Jahre einfach nie über die Lippen. Andere taten sich mit den Worten leichter, doch empfunden haben sie es nicht. Da sind wir wieder beim Thema sensibel. Sie haben zwar die gegenderte, politische korrekte Wortwahl gewählt, doch empfunden haben sie es nicht so und ich wusste das auch.

Mein jetziger Chef ist toll. Für mich. Ich habe keine Hemmungen mit ihm zu sprechen, er gibt klar definierte Aufträge, wenn ich etwas von ihm brauche bekomme ich es, er unterstützt mich und ich fühle mich wohl. Mrs. Wichtig und meine Freundin S. wiederum tun sich schwer ihn als Chef zu sehen. Für sie ist nur sein Chef, unser aller Chef, ein „richtiger“ Chef. Und ich kann bis heute nicht verstehen warum und bin auch nicht bereit meine Haltung zu ändern. ER ist MEIN Vorgesetzter! Er ist kein dominanter, böser Vorgesetzter, aber ER ist mein direkter Ansprechpartner. Wenn ich etwas brauche gehe ich zu ihm. Wenn ich Probleme habe gehe ich zu ihm. Meine Arbeit bekomme ich von ihm zugeteilt. Ich spreche meine Urlaube mit ihm ab, meine Arzttermine und sonstige Abwesenheiten.

Ihm wäre es vielleicht egal wenn mein Kursleiter ihn als meinen Kollegen bezeichnet, aber mir ist es nicht egal. Er ist dabei vielleicht auch ein wenig zu nachsichtig. Mitarbeiter die nicht so loyal sind wie mein Kollege und ich, könnten seine Nachsichtigkeit ausnutzen – wie es ja auch Mrs. Wichtig und meine Freundin S. immer wieder versuchen…. Vielleicht ist ihm das nicht klar. Vielleicht ist es ihm auch egal. Mir aber nicht. Ich weiß was man alles für Probleme hat, wenn die eigenen Mitarbeiter einen nicht anerkennen wollen oder können! Deshalb habe ich entschieden meinen Chef – egal wer es gerade ist – diesbezüglich immer zu unterstützen. Sollte ich mal an einen Chef kommen, wo ich das nicht kann, muss ich mir überlegen mir einen anderen Job zu suchen. Aber mein jetziger hat nichts getan, dass er die Bezeichnung Chef nicht verdient hat.

Mir ist Sprache sehr wichtig. Ich weiß, das die Sprache die Grundlage der Realität ist. Wenn ich eine Personengruppe verbal dauernd abwerte dann tue ich das auch emotional und dann ist es irgendwann normal. Wenn ich meinen Chef nie als solchen bezeichne, dann werde ich ihn auch nie als Chef empfinden. Wie gesagt, ist zwar nicht mein Problem, doch ich habe genug Erfahrungen gemacht, was das für Konsequenzen im täglichen Betrieb haben kann. Wenn man den Chef/die Chefin immer nur als Teil des Teams sieht und nie als Verantwortlichen dann tut man sich schwer auch Entscheidungen vom Teamleiter zu akzeptieren….Und auch wenn es mir persönlich egal sein kann, dann werde ich doch auch in Zukunft alle korrigieren die meinen Chef als meinen Kollegen vorstellen….

© Libellchen, 2018

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