Lebensrückblick – Teil 3, 3. Jahrzehnt

Mauer mit Sprüngen und Verluste.

20 bis 30….

Meine „Freundin“ die mit mir in der WG wohnte steckte zuerst jedem Jungen der mir gefiel ihre Zunge in den Hals und lies mich dann mit Schulden sitzen. Mein erster und letzter Kontakt mit dem Gerichtsvollzieher!

Der erste Job entwickelte sich gut. Ich war viel unterwegs, reiste viel, machte viele unbezahlte Überstunden und bekam dafür Anerkennung und jedes Jahr eine Gehaltserhöhung. Ich fühlte mich wohl. Ich konnte zeigen dass ich gut bin.

Am Wochenende gab es immer noch Party. Zuerst bei mir in der Wohnung und dann ging es in die Stadt.

Dann kam der erste richtige Freund. In Wien. Ich zog zu ihm, bis es in die Brüche ging. Er hatte mich zu sehr bedrängt. Wollte mich heiraten und mit mir auswandern. Ich wusste nicht mal ob ich ihn liebe. Rückblickend gesehen, konnte ich ihn gar nicht richtig lieben, da meine Mauer ja stand. Wie eine eins!

Dasselbe beim zweiten. Auch er wollte heiraten, Haus bauen, Kinder. Ich wollte Karriere machen. Ich hatte endlich einen Platz gefunden wo ich anerkannt wurde, den wollte ich nicht so schnell hergeben.

Er ging, genauso wie der Job nach fünf Jahren. Ich fand einen anderen Job und neue Freunde. Dauernd verschwanden Menschen aus meinem Leben. Immer wenn ich begann mich zu öffnen und aus meinen ersten zwei Jahrzehnten zu erzählen, nahmen sie die Füße in die Hand und liefen davon. Wenn meine Mauer bröckelte kamen die Gefühle unkontrolliert durch, also spachtelte ich die Risse wieder zu. Gefühle sind schlecht, funktionieren ist gut. Haben meine Grosis schon gewusst!

In diesem Jahrzehnt näherte ich mich auch meinen Eltern an. In Mini-winzigen Schritten kamen wir uns langsam näher.

Es war auch das Jahrzehnt der Energieräuber. Ich zog sie regelrecht an. Natürlich hatte ich dadurch auch keine Kraft mich um mich selbst zu kümmern. Die Partys wurden langsam weniger, verschwanden aber nicht ganz. Es war ein sehr oberflächliches, karrierbewusstes Jahrzehnt. Ein sehr kaltes Jahrzehnt, trotz Beziehungen.

Gegen Ende des Jahrzehnst begann meine biologische Uhr plötzlich zu ticken. Obwohl ich nie einen richtigen Kinderwunsch hatte, war ich da dann auf der Suche nach dem „Richtigen“ für eine Familie. Ich landete beim Ex. Der vielleicht schon eine Familie wollte, aber sicher nicht mit mir….

Damals wechselte ich auch in den öffentlichen Dienst und wurde „ruhiger“. Spass war nicht mehr mein Antrieb. Die Mauer stand noch immer und ich konzentrierte mich wieder verstärkt auf die Karriere.

© Libellchen, 2018

2 Kommentare zu “Lebensrückblick – Teil 3, 3. Jahrzehnt

  1. Interessant. Ich kann viele Parallelen ziehen, vor allem was die Mauer angeht. Kannst du dir das verzeihen? Ich denke manchmal so „Meine Güte, ich bin jetzt 40 und habe so lange gebraucht für manche Dinge!“ Dann wieder bin ich dankbar. Vielleicht mache ich auch mal so einen Jahrzehnte-Rückblick. Da hast du mich auf etwas gebracht!

    • Verzeihen? Interessanter Ansatz. Ich habe alles getan um zu überleben. Die Mauer baute sich ganz von alleine. Das tat ich nicht reflektiert, sondern aufgrund der Gegebenheiten. Erst nach dem Einsturz wurde mir klar, was ich getan hatte. Daher sehe ich keinen Grund zum Verzeihen. Würde ich sie heute wieder aufbauen, wäre das was anderes. Ich bin vielmehr dankbar, dass ich sie eingerissen habe und dass ich mich jeden Tag dagegen entscheide sie wieder aufzubauen! Übrigens zu ich bin jetzt 40 und habe so lange gebraucht für manche Dinge – ich kenne genug Menschen die älter sind und noch nicht mal angefangen haben mit vielen Dingen. Von daher, kein Stress. Sei froh über alles was du erreicht hast!

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