Tiefe Gefühle und Verletzungen

Mir kam letztens ein Blogbeitrag unter in dem ich mich schon sehr wiedererkannt habe. Kurze Zeit später hat ihn dann auch eine Freundin von mir geteilt und gemeint sie freue sich schon auf meinen Blogbeitrag – auch wenn sie mich nicht namentlich erwähnte, wusste ich doch dass sie mich meint.

Mir wurde in diesem Zusammenhang auch klar, dass es offenbar nicht normal ist in einer Beziehung tiefe, echte Gefühle zu wollen. Ich meine irgendwie wusste ich das auch schon zuvor, habe aber nie so darüber nachgedacht…. Für mich war klar. Eine Beziehung brauche ich nur wenn ich auch alle meine Liebe – von der ich reichlich habe – einbringen kann. Natürlich sollte das auch keine einseitige Geschichte sein….Für mich ist eine Beziehung nur dann gut, wenn ich ganz ich sein kann. Mittlerweile zumindest ist das für mich so. Und dazu gehört auch nun mal, dass ich nicht so tun muss, als wäre ich total cool, das Leben einfach chillig und ich nicht so stark wie ich nun mal bin.

Da kommen wir zu einem kleinen – überflüssigen – Glaubensgrundsatz von mir… Als ich noch recht jung war, hat mir jemand gesagt – ich habe keine Ahnung wer es war – „Kein Wunder dass es mit dir und den Männern nicht klappt, du bist einfach zu stark. Männer mögen keine starken Frauen!“ Und ich habs geglaubt! Und mit jeder Enttäuschung und Verletzung wurde ich noch stärker. Und letztens sagte ich zu Aretha, ich habe es satt immer stärker zu werden, ich war schon immer zu stark, dass Männer an mir ein Interesse hätten, wie soll ich denn jetzt noch einen abbekommen…. Und Aretha so, in ihrer unvergleichlich direkten Art „Und wer hat dir den Blödsinn damals eingeredet? Das stimmt ja nicht. Weder jetzt, noch damals“. Überflüssigen Glaubenssatz Nummer 1 gefunden! Und wenn ich näher darüber nachdenke, kenne ich sogar einen Mann, der ganz gut lebt mit einer starken Frau. Meinen Vater nämlich! Der hat kein Problem damit. Zumindest kein augenscheinliches. Im Gegenteil. Er wirkt auf mich recht glücklich und zufrieden. Natürlich ist nicht immer alles eitle Wonne, aber darum geht es ja auch nicht….

Als ich noch jung war, lernte ich „Frau muss sich zurück nehmen, klein machen, dem Mann zu Diensten sein, sich seinen Wünschen beugen,…“ Vieles davon habe ich relativ rasch abgelegt. In Verbindung mit „Männer mögen keine starken Frauen“ blieb aber das klein machen irgendwie über. Nur nicht zu stark und unabhängig wirken. Nur nicht zeigen wie toll man eigentlich wirklich ist. Doch auch das habe ich im Laufe der Zeit abgelegt. Beim Planer-Ex war ich ganz ich. Und es war gut so. Er lief trotzdem nicht davon. Im Gegenteil! Wir haben die gemeinsame Zeit sehr genossen. Bis er dann doch lief. Und mich zurück lies mit Ratlosigkeit. Jetzt weiß ich endlich wer ich bin, kann das auch zeigen und kommunizieren, finde jemanden der das zu schätzen weiß, doch letztendlich hat es trotzdem nicht gereicht…. Und ich sitze da und denke mir, nach unzähligen Malen wo ich vieles falsch gemacht habe, habe ich diesmal alles richtig gemacht und es hat trotzdem nicht gereicht. Ich habe trotzdem nicht gereicht?

Ich mag mich so wie ich jetzt bin. Ich mag auch in einer Beziehung so bleiben können wie ich bin. Mit all meinen Macken, Stärken und Schwächen. Doch wenn ich jemand finde der zu mir passt und mit mir umgehen kann, stehe ich trotzdem am Ende (nach ein paar Monaten) alleine da. Das löste in mir den Gedanken aus, dass ich so wie ich bin, zu irgendwas bin. Zu stark. Zu sensibel. Zu liebend. Zu unabhängig. Zu was auch immer. Wie gesagt. Ratlosigkeit. Da ich aber keinen Bock mehr habe, mich anders zu geben als ich bin, war die logische Konsequenz – Ich werde einfach über bleiben….Denn so wie ich bin, ist es einfach unmöglich jemand zu finden der zu mir passt und nicht trotzdem abhaut. Was jetzt noch kein Weltuntergang wäre, würde ich nicht die Nähe und Körperlichkeit so sehr vermissen…. Normalerweise hängt mir das nach einer Trennung nicht so lange nach, normalerweise waren die Gefühle aber auch nicht so tief und die körperliche Nähe so harmonisch und gut…..

Ich habe viel riskiert, alles gegeben und bin tief gefallen. Das ist auch in Ordnung. Doch mit knapp 40 Jahren die Hoffnung aufgeben und sich dem allein sein dauerhaft ergeben, wollte ich auch nicht. Auch wenn sich die Verzweiflung durch mein Herz fraß. Dieses du bist nicht „gut genug“, „zu stark“, „zu kompliziert“, „zu sensibel“, „zu was auch immer“ saß sehr tief in mir…. Ich wollte das nicht zulassen, doch ich konnte es auch nicht abschütteln, daher ging ich zum TaoWin. Ich wollte da raus. Ich wusste ich stand an der Kippe aufzugeben, doch ich tat es nicht. Ich wehrte mich!

© Libellchen, 2017

2 Kommentare zu “Tiefe Gefühle und Verletzungen

  1. Nein, nein, nein! Du wirst nicht übrig bleiben! Wir sind nicht „zu“ etwas! Wir sind genau richtig! Und als die Frau, die dieses Jahr 40 geworden ist, kann ich dir sagen: es war ein hartes, grüblerisches Jahr – „obwohl“ ich seit vier Jahren jemanden habe, der immer noch nicht weg läuft. Ich habe geweint, gezetert und gehadert. Aber jetzt gegen Jahresende denke ich: vielleicht bin ich genug! Ich wünsche dir das beste!

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