Priorität

Ich bin kein Soziologe, aber sollten Kinder nicht behütet und beschützt werden? Sollte nicht ihr Wohl an erster Stelle stehen? Gerade Babys brauchen ihre Eltern zum Überleben. Sie können nicht selbst essen und trinken, nicht gehen, nicht reden. Sind einfach hilflos. In vielen Familien gibt es nach der Geburt eines Kindes Streit. Das Neugeborene steht plötzlich im Mittelpunkt und Geschwister oder der Ehemann werden vernachlässigt. Das Kind hat Priorität. Dazu kann ich in meinem Fall nichts sagen. Meine Eltern haben mich aber auf jeden Fall aus dem gröbsten rausgebracht. Ich bin nicht verhungert, haben reden und laufen gelernt und noch ein paar andere Dinge. Sie haben sicher einiges richtig gemacht!

Doch so weit ich denken kann – was nun mal das Babyalter ausschließt – könnte ich mich nicht erinnern, jemals bei irgend jemand eine Priorität gehabt zu haben! Meine Mutter hat sich selbst verwirklicht, mein Vater war einmal im Monat da und hat da nicht viel mit mir geredet, meine Omi hat nur alles getan das Opi glücklich ist und Opi hat sich nur ständig bemitleidet dass er nicht glücklich ist. Was ich wollte, hat keinen interessiert.

Ich weiß noch, als ich mal Schokolade an der Supermarktkasse wollte und mir Omi vor allen erklärt hat, wie undankbar ich doch sei. Wo wir doch so furchtbar arm seien und sie sowieso schon ihr letztes Hemd für mich gebe, ich mich auch noch erdreiste, etwas zu wollen! Da hörte ich auf, etwas zu wollen. Ich habe meine Kindheit über einfach funktioniert. Habe genommen was ich bekommen habe und aufgehört eigene Wünsche zu entwickeln.

So bin ich irgendwie groß geworden und ausgezogen. Ich lernte Männer kennen die mehr oder weniger froh waren mich zu haben, wo ich es aber auch nur selten unter die Top 5 der Dinge und Menschen geschafft habe, die für sie Prioriät haben! Vielleicht wäre es halb so schlimm für mich gewesen wenn ich nicht umgekehrt sie zu meiner Priorität eins gemacht hätte! Gut daran arbeite ich bereits. Meine Priorität eins ist ab sofort für mich selbst reserviert. Auch wenn ich es hin und wieder immer mal wieder vergesse, aber ich arbeite daran. Ich war noch nie für jemand wirklich wichtig, wird Zeit dass ich es für mich selbst bin!

Und in diesem Sinne bin ich auch nicht mehr bereit meine Zeit mit Männern zu vergeuden, bei denen ich nicht einen gewissen Status einnehme. Entweder werde ich gut behandelt oder ich bin weg. Ich habe den ganzen Mist nämlich nicht notwendig. Ich komme auch ganz gut alleine klar. Der nächste Mann der eine Rolle in meinem Leben spielen will, soll sich gefälligst anstrengen!

Wobei das Gefühl bei niemanden Priorität zu haben auch damit zusammen hängt, dass ich viel zu wenig, viel zu selten meine Wünsche äußere. Kein Wunder, hat mir Omi ja nachhaltig ausgetrieben…. Als ich heuer, in meiner Verzweiflung den Wunsch geäußert habe, meine 40er nicht alleine feiern zu wollen, haben meine Stiefmutter und mein Vater nämlich ganz selbstverständlich meinen Wunsch in die Tat umgesetzt. Sie haben keine Mühen gescheut und sich sofort um die Unterkunft gekümmert. Vielleicht funktioniert das auch bei anderen, sollte ich vielleicht öfter ausprobieren!

© Libellchen, 2017

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