Bis zur Pension…

Manchmal höre ich noch was von meiner alten Dienststelle. Mein Ex-Chef besucht mich ca. zwei Mal im Monat und hin und wieder ereilt mich ein Anruf. Letztens hat mich mein Planungskollege angerufen. Derjenige der mich abgesägt hat, beerbt mich jetzt offiziell – welch eine Überraschung – und hat ihm den Stellvertreterposten angeboten. Also konkret die Budgetaufgaben. Und er wollte wissen, was da auf ihn zukommen würde, wenn er es denn annehmen würde…

Nach drei Minuten war er überzeugt, es nicht zu wollen. Vor allem auch wegen meinen Ex-Mitarbeiterinnen. Die sind nämlich laut seiner Definition „schwierige Persönlichkeiten“. So kann man es auch sagen…

Ein anderer Kollege hat mitbekommen, dass Silvia gerade am untergehen ist. Sie macht ihre Arbeit gewohnt ordentlich und sorgfältig und ist aber umgeben von Leuten welche die reinsten Chaoten sind und ihr das Leben nachhaltig schwer machen. Das tut mir für sie definitiv leid, denn sie war die Einzige, deren Arbeitsleistung und Einstellung für mich immer extrem angenehm waren! Irgendwann dürfte es ihr dann auch mal zu viel geworden sein und sie dürfte ein wenig geschimpft haben. „Das ihr das alles schon sehr am A…. ginge“

Als er im großen Kreis bei allen die Frage gestellt haben dürfte, wer von meinen ehemaligen Ex-Mitarbeitern eigentlich glaube an meiner alten Dienststelle in Pension zu gehen, war er von dem Ergebnis überrascht. Ich nicht! Es waren alle. Auch Daniela die zwei Jahre jünger ist als ich und auch Silvia!

Und das, obwohl es bei uns – gegenüber der Privatwirtschaft – recht leicht ist einen anderen Job zu bekommen, ohne (große) finanzielle Einbußen. Doch über die Finanzen denken sie gar nicht nach. Sie denken gar nicht über einen Wechsel nach. Das kommt gleich gar nicht in ihren Kopf. Sie sehen nur ihren beschränkten dienstlichen Horizont. Möglicherweise ist es auch Angst vor dem unbekannten. Oder der Leidensdruck ist doch nicht so hoch wie sie gern tun…. Ich finde ja auch nichts dabei, wenn man bis zur Pension in einer Firma oder Dienststelle bleibt. Was ich nur doof finde ist, tagaus, tagein zu jammern über sein mieses Arbeitsleben, aber nichts dagegen zu tun.

Aber das zieht sich ja durch mein ganzes Leben. Menschen leiden und jammern. Über ihr Leben, ihren Job, ihre Ehe, ihre Beziehung, ihre Wohnung, ihre Stadt, ihre Familie, ihre Freunde,…. DOCH SIE TUN NICHTS UM IHRE LAGE ZU ÄNDERN. Sie sitzen zu Hause und warten darauf dass sich ihre Situation ändert, ohne dass sie etwas dafür tun müssen und ohne dass sich zu viel an ihrer Situation ändert. Wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Ich bin unglücklich im Job und habe vor dort noch die nächsten 25 Jahre zu arbeiten.

Ich bin unglücklich in meiner Ehe und warte einfach mal bis mein Mann draufkommt dass er mich auch nicht mehr will und sich scheiden lässt.

Ich bin unzufrieden mit meinen Freunden, springe aber trotzdem wenn sie wieder etwas von mir wollen.

Meine Familie reibt mich auf, doch ich gehe trotzdem zu jeder Familienfeier und rege mich danach wieder darüber auf, wie doof nicht alle sind.

Ich fühle mich in meinem Viertel in der Stadt nicht wohl und bleibe aber noch 50 Jahre dort wohnen. Schließlich wohne ich schon 10 Jahre hier.

Manches kann ich in Ansätzen verstehen. Familie zum Beispiel. Da kommt ein gewisses Maß von Pflichtgefühl dazu. Ich verstehe auch dass man eine Ehe nicht gleich über Bord wirft oder umzieht. Aber wenn man an einem Punkt angelangt ist, wo man jeden Tag darunter leidet, dann wird es wohl besser sein etwas daran zu ändern, anstatt sich hinzusetzen und zu warten dass irgend jemand etwas tut….

Manche Veränderungen gehen schnell, andere dauern eine Zeit, aber eines klar. Wenn man selbst nicht den ersten Schritt macht, dauert jede Veränderung ewig….

Und mit Menschen die nur jammern und nicht bereit sind etwas für ihr eigenes Glück zu TUN, werde ich hinkünftig meiden!

© Libellchen, 2017

2 Kommentare zu “Bis zur Pension…

  1. Ich fand die Jammerkultur im Öffentlichen Dienst extrem. Sowas könnte man sich in der Privatwirtschaft gar nicht erlauben, das würde sich sofort in der Bilanz niederschlagen 😊
    Ich glaube, den meisten geht es nur ums Jammern an sich, entweder um Bestätigung zu Bekommen oder um sich für ihr Märtyrertum feiern zu lassen!

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