Etwas wagen

Nachdem es mir im Moment hin und wieder richtig schlecht geht, habe ich mal wieder darüber nachgedacht, ob es nicht besser gewesen wäre, hätte ich meine Mauer niemals eingerissen…

Früher habe ich Trennung weit leichter weggesteckt, einfach weil ich nie jemand wirklich an mich rangelassen habe. Nur bei den letzten beiden war ich ganz ich. Ich habe mein Herz voll geöffnet und meine Seele ungeschützt präsentiert. Und ich bin zweimal auf die Schnauze gefallen und habe monatelang immer wieder geheult. Ich hatte etwas riskiert und verloren. Doch ich habe es riskiert. Es hat zwar nicht funktioniert, aber nicht, weil ich mich versteckt habe.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich habe gewagt und auch verloren. Doch wenn ich mal alt bin und am Sterbebett über meine verpasste Chancen im Leben nachdenke, wird die Liste recht kurz sein. Ich war mutig. Habe gelebt und geliebt.

Früher war das anders. Da war ich peinlich darauf bedacht nur ja nicht zurückgewiesen zu werden. Am besten gar nicht öffnen, nicht zu viele Gefühle zulassen, sonst wird man nur verletzt. Ich war nicht mutig. Ging so weit es ging auf Nummer sicher. Habe alles geplant, mit etlichen Ersatzplänen, habe versucht alle Eventualitäten zu berücksichtigen. Damit man nur ja nicht von etwas überrascht wird. Doch das habe ich nur getan weil ich Angst hatte. Angst davor verletzt zu werden und nicht damit umgehen zu können.

Doch so sehr ich mich auch bemüht hatte, das Leben hat mir trotzdem eine Herausforderung nach der anderen geschickt. Und heute mache ich keine Pläne mehr. Ich nehme das Leben wie es kommt. Und wenn jemand kommt, wo ich denke dass er es wert ist, dass ich mich engagiere, dann werde ich es auch in Zukunft tun. Und wenn ich wieder und wieder auf die Schnauze damit falle, dann ist es so.

Die Angst vor Verletzung beherrscht mich nicht mehr. Ich habe genug Selbstvertrauen in mich, dass ich es schon schaffen werde. So viel Mist habe ich schon hinter mich gebracht und ich bin mit jedem Mal stärker geworden.

Mir ist es lieber ich muss hin und wieder, die eine oder andere Verletzung wegstecken, als dass ich mal bereue etwas nicht gewagt zu haben….

Viele Menschen träumen von den ganz großen Gefühlen, doch wenn sie die Chance bekommen würden, sie auch auszuleben, dann flüchten sie. Denn würden sie es wagen, könnten sie auch verlieren. Früher habe ich auch zu diesen Menschen gehört, doch jetzt nicht mehr. Jetzt kann ich nur mehr den Kopf schütteln über Menschen die bei Liebesfilmen sagen „Das hätte ich auch gerne“ doch wenn sie im echten Leben die Chance dafür bekommen, nichts tun um diese Chance auch zu ergreifen.

Meine Mauer bleibt wo sie ist. Am Müll meiner persönlichen Geschichte.

Was dazu immer wieder passt, auch wenn es schon ein wenig älter ist….

Julia Engelmann

© Libellchen, 2017

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