Wichtige Retter

Letzte hatte ich ja schon ein wenig über Retter die zu Täter werden geschrieben. Eine Variante lebt Mrs. Wichtig in meiner neuen Dienststelle.

Sie will helfen. Sich kümmern. Die Abteilung retten! Alle koordinieren. Alles in Ordnung bringen. Blöderweise auch Dinge die gar nicht in Unordnung waren, bevor sie sich ihrer angenommen hatte! Achja, die Abteilung muss auch nicht gerettet werden.

Was war passiert. Nun, kurz gesagt, sie ist an mich geraten. Leider immer noch kein Opfer….

Wir haben kurzfristig eine Ferialpraktikantin bekommen. Und sie hat den Auftrag bekommen, das junge Ding zu beschäftigen. Am ersten Tag war noch meine Freundin im Büro, doch spätestens am Donnerstag tat sich für sie ein Problem auf, das sie versuchte zu lösen! Und zwar folgendermaßen…

Sie kommt in unser Büro – mein Kollege war auch da – und stellte ein paar Fragen…

Mrs. Wichtig: Wann kommst du morgen in der Früh?
Ich: Weiß ich noch nicht! (Wir haben Gleitzeit, Dienstantritt muss bis 9 Uhr erfolgen)
Mrs. Wichtig: Du bist aber immer früher da!
Ich: Nicht wirklich. Manchmal. Aber sicher nicht immer.
Mrs. Wichtig: Na weißt du, das Mädel kommt um dreiviertel 7 morgen und ICH stelle mir den Wecker sicher nicht früher!
Ich: Ich auch nicht!
Mrs. Wichtig: Ja, aber irgendwer muss sie reinlassen!
Ich: Wer hat ihr denn gesagt dass sie um dreiviertel 7 kommen kann?
Mrs. Wichtig: Unser Chef!
Ich: Na, dann wird er sich auch darum kümmern dass jemand da ist
Mrs. Wichtig: Aber was wenn er das nicht tut!!!!
Ich: Vielleicht solltest du das Gespräch einfach mit ihm weiter führen!
Mrs. Wichtig: Ich, wieso? Ich bin ja nicht zuständig!!!

Tja, das wars aber noch nicht. Mit dem Chef hat sie an diesem Tag nicht gesprochen, er war am nächsten Tag aber eh selbst da in der Früh. Das Gespräch vom Vortag hätten wir uns also sparen können!

Doch das sollte sogar noch weiter gehen. Sie war am nächsten Tag nämlich richtig schön verstimmt. Und als ich sie darauf ansprach, meinte sie, ihr habe meine Reaktion vom Vortag nicht gefallen! Weil früher ging alles viel kollegialer zu und ich erwarte immer Aufträge von meinem Chef zu bekommen! (Von wem sonst?)

Ich versuchte ihr dann zu erklären dass ich sehr genau wisse, was in den Verantwortungsbereich eines Vorgesetzten fällt, da ich das lange genug hatte. Wenn sie sich kümmern will, ist das ihre Sache, aber mich soll sie da raus halten. Wenn der Chef eine Zusage macht, dann hat er sich auch darum zu kümmern, dass alles funktioniert. Ob er es selber macht oder delegiert ist seine Sache. Aber ich werde mir sicher nicht seinen Kopf zerbrechen. Wenn er Türöffner braucht, wird er es mir schon sagen….

Sie ist kein Retter im klassischen Sinn. Sie will damit niemand was gutes tun. Sie will nur wichtig sein. Allerdings will sie die Arbeit an Leute auf gleicher Ebene delegieren. Sie sucht sich also Probleme, wo es gar keine gibt, bauscht das ganze noch ein wenig auf und will mich dann mit reinziehen. Und wenn ich mich dann nicht lasse, dann ist sie verschnupft. Oja. Mit Mrs. Wichtig werden wir noch viel Spaß haben….

© Libellchen, 2017

3 Kommentare zu “Wichtige Retter

  1. Hihihi – ähnliches Beispiel – sie: wir sollten Urlaubsansuchen schreiben – ich: ja, sollten wir – sie: soll ich das machen? – ich: wenn du willst – sie: naja, weil wenn ich schon meine und seine (das eines Kollegen) schreibe, könnte ich es auch für alle schreiben – ich: ja, gerne, mach einfach – sie: damits nicht jeder extra schreiben muss – ich: ja, bitte

    Dann stand ich auf und ging – wie oft soll ich ihr noch sagen, dass sies tun soll, wenn sies will – wobei – heut bin ich zu Hause im Zeitausgleich – mal sehen, ob morgen das Thema wieder Thema ist – oder ob sies heute geschrieben hat – vielleicht hätt ich ihr sagen sollen, dass ich nur eine Woche Urlaub und die zweite in Zeitausgleich gehe?

    Nö – weil sie wartet eigentlich eh nur, dass ich alle schreibe – weil hätte sie sie schreiben wollen, hätte sie es einfach tun können – aber so wollte sie mir einfach nur zu verstehen geben, dass ich, bevor ich früher heim geh, eigentlich noch die Urlaubsansuchen für alle schreiben sollte – schaun ma mal.

    Achja – und falls sie sie heute geschrieben hat – dann erzählt sie es morgen sicher zigmal unseren Vorgesetzten, dass sie ja alle geschrieben hat – mit dem Unterton, dass ich sie nicht geschrieben hab – weil eigentlich sind es nur in Summe 7 Zettel, wo Anfang- und Enddatum eingetragen gehört – des gemeinsamen Betriebsurlaubs = also alle gleich – also wär sie schneller gewesen, sie einfach zu schreiben, denn darüber zu diskutieren, warum sie sie schreiben könnte, wenn sie …. was auch immer.

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