Schnellzug erwischt

Um bei der gestrigen Metapher anzuknüpfen, bleiben wir bei Weichen und bei Zügen.

Als erstes möchte ich mal zusammenfassen wie bei uns eine Arbeitsplatzbewerbung erfahrungsgemäß von statten geht. Es wird ein Arbeitsplatz ausgeschrieben, man bewirbt sich, geht zu einem Hearing, wird getest und interviewt und in meinem Fall, persönlich angegriffen. Zweimal erlebt, zweimal dasselbe!

Seit dieser Woche weiß ich, das ist nur bei uns so!!!! Am Montag war ich ja bei dem Gespräch. Am Dienstag rief mich eine Freundin an. Da ich nicht abheben konnte, schickte sie eine SMS nach, dass ich sie bitte dringend zurückrufen solle! Ich hatte ehrlich keine Ahnung was los ist, suchte mir ein ruhiges Plätzchen und rief zurück. Und dann kam es. Sie wusste von meinem Gespräch am Montag. Ihr Chef hatte mit ihr gesprochen dass er gehört habe, dass bei meiner Dienststelle jemand aus dem Budgetbereich weg wolle. Sie habe ihm dann erklärt dass es sich dabei um mich handle und hat ihm meinen Lebenslauf in die Hand gedrückt, den sie von mir zuvor schon für alle Fälle bekommen hatte. Wobei ich nicht wusste, wie die beiden Abteilungen zusammen hingen. Jetzt weiß ich es. Sie haben denselben Chef. Denjenigen der mich laut der Schwester meines Kollegen kontaktieren würde.

Ab da wurde es dann ein wenig chaotisch. Meine Freundin sagte mir, ich solle ihren Chef anrufen. Was ich auch tat. Der wiederum fragte mich, ob ich schon das Mail von seinem Chef bekommen habe, was ich zu dem Zeitpunkt verneinen musste. Ich bekam es dann zirka zwei Stunden später. Also plauderte ich erstmal mit dem Chef meiner Freundin, der mich eigentlich kennt, sich aber nicht mehr erinnern konnte. Er erklärte mir ein wenig was sie sich vorstellen würden. Ich solle einfach mal ein Budgetcontrolling mit aufbauen. Klar doch. Mach ma. Und bis der zukünftige Arbeitsplatz vorhanden ist, würde er mich brauchen können fürs Projektcontrolling. Klar doch, auch das mach ma! Na gut, dann solle ich erstmal Kontakt aufnehmen mit meinem zukünftigen Interims-Vorgesetzten und mit unserer Personalvertretung reden. Bezüglich Unterstützung wäre es gewesen…. Das könnte schwieriger werden. Was ich ihm auch gleich sagte!

Zwei Stunden später kam dann das Mail von dem Vorgesetzten Chef an. Er würde sich freuen wenn ich Kontakt bezüglich eines Arbeitsplatzwechsels aufnehmen würde! Ähm. Ein Mann auf der Ebene, schickt mir ein Mail auf meine private Mailadresse, dass er sich freuen würde, wenn ich für ihn arbeiten würde. Ohne mich jemals gesehen zu haben…. Bitte lest an dieser Stelle nochmal wie ich das bisher kennen gelernt habe!!!! Ich schrieb natürlich zurück, dass bereits alles läuft und ich mich freuen würde, für ihn zu arbeiten! Ich machte einen Termin mit meinem möglichen Interims-Vorgesetzten und suchte das Gespräch mit der Personalvertretung – dem einzigen dem ich zutraue dass er es schafft und der einzige mit dem ich auch spreche! Er war zwar nicht begeistert, aber er sah schon ein, dass sie nicht ganz unschuldig daran seien, dass ich weg will!

Am Donnerstag war ich dann bei meiner zukünftigen Abteilung. Also dort wo ich erstmal geparkt werde, bis deren neuer Organisationsplan verfügt ist. Mein zukünftiger Interims-Chef erklärte mir die Struktur und zeigte mir meinen Zielarbeitsplatz im Budgetcontrolling. Er zeigte mir meinen Interimsarbeitsplatz und den Notfallplan, für den Fall das die Umgliederung nicht so kommt wie geplant. Auch dann haben sie für mich einen Platz. Er erklärte mir, dass ich zumindest die Grundlagen des Projektmanagements lernen muss. Dazu gibt es einen Kurs in meiner alten Heimat. Ich erklärte mich mit allem einverstanden – ich habe ja kein Problem mit Fortbildung – und dann machten wir eine kleine Runde. Er stellte mir die zukünftigen Kollegen vor und zeigte mir meinen Arbeitsplatz. Dann gingen wir zu seinem Chef. Als er mich persönlich sah, dürfte die Erinnerung dann doch wiedergekommen sein, da er meinte ich müsse ihm nicht vorgestellt werden.

Tja. Er wolle mich so schnell wie möglich. 1. Mai ginge sich aber wahrscheinlich nicht aus. 1. Juni sei schon realistischer. Er würde aber trotzdem 1. Mai versuchen, so ich denn damit einverstanden sei… Natürlich war ich einverstanden! Der Arbeitsplatz ist höher bewertet als mein jetziger. Ich verliere zwar eine Zulage und muss 10 Minuten länger fahren. Aber ich habe dann keine Mitarbeiter mehr. Bin als Expertin für Budget und SAP gefragt und arbeite in einem kleinen Team. Und ich muss unsere Personalvertretung und Mr. Wichtig nicht mehr sehen! Keine Margit und Barbara mit ihrer Negativität. Kein Kurt mit seiner Unselbständigkeit. Keine Daniela die sich für wichtiger hält als sie ist. Keine Elke die nur nimmt und nichts gibt. Kein Chef der mich Mr. Wichtig zum Fraß vorwirft. Kein Kollege Zwiderwurz. Diese Liste liese sich noch ein wenig fortsetzen, aber eigentlich würde ich das alles gerne hinter mir lassen.

So einfach ist es aber natürlich nicht. Mir war klar, dass meine Dienststelle nicht so einfach mitspielen wird, was mir mein Chef auch bestätigt hat. Er war zwar nicht überrascht das ich mich extern umsehe, doch weglassen werde er mich auch nicht so einfach. Na dann schauen wir mal, wie lange er sich wehren kann….

Mögen die Machtspiele beginnen.

© Libellchen, 2017

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