Intrigantenstadel

Was so auf meiner Hauptfront läuft, wisst ihr ja bereits. Es gibt aber noch eine Nebenfront! – Weil mir sonst vielleicht fad werden würde…

Es war an einem Tag Anfang Februar. Elke war in Urlaub und Daniela brauchte pflegefrei weil ihre Tochter krank war. Daher war die Kassa unbesetzt. Margit und ich saßen im Büro, Silvia telefonierte auf ihrem Platz im Nebenbüro. Plötzlich hörte ich ein Getrappel zu unserer Durchreiche und sofort wieder das weggetrappel. Keine zwei Sekunden später stand „zickiges Tussi“ vor der Tür und erklärte mir, dass ich etwas übernehmen MÜSSE. Dazu ist zu sagen „zickige Tussi“ hat mit mir dienstlich normalerweise nichts zu tun!

Als erstes dachte ich, sie wolle jetzt mir irgendwas in die Hand drücken, weil Silvia telefonierte und sie keine Minute warten wollte. Doch dann blubberte sie irgendwas von Rechnungen. Was mich erstmal verwirrte. Also fragte ich sie, was sie genau von mir will. Sie drängte sich an mir vorbei, stürmte in mein Büro und schön langsam bekam ich mit, dass es um Rechnungen für die Kassa ging. Da sie aber halt eine dumme Nuss ist, ersparte ich mir jeden Kommentar – das werde ich hinkünftig nicht mehr tun – und übernahm die Rechnungen halt. Dabei war ich ehrlich gesagt nicht zuckersüß zu ihr. Sie zu mir aber auch nicht… Danach stürmte sie aus meinem Büro raus, über den Gang in das Nebenbüro rein und blaffte Silivia an. Die blaffte zurück – aber so leise, dass ich es nicht hörte. Sie hat es mir danach nur erzählt. Für uns war die Sache danach erledigt. Das die Frau verhaltensauffällig ist, ist nichts neues und nicht weiter wert, darüber nachzudenken oder zu reden.

Doch nicht so für „zickige Tussi“ die lief als erstes zur Personalvertretung und eine Woche später zu unserem Chef. Woraufhin der uns einzeln zur Befragung holte und uns vorlegte was sie über die fünf Minuten in den zwei Büros zu sagen hatte. Insgesamt war es eine A4-Seite in kleiner Schrift befüllt. Ich bin arrogant, überheblich, lege menschenunwürdiges und respektloses Verhalten an den Tag, immer wenn der Chef nicht da ist lebe ich meine Machtallüren aus usw…. Alle Details habe ich mir nicht gemerkt, aber das waren so die Highlights!

Unser Chef wollte dann von mir wissen, wie ich die Situation erlebt habe. Ich schilderte ihm meine Verwirrung weil sie plötzlich vor meiner Tür stand und nicht klar kommunizierte was sie eigentlich von mir wollte. Wie sie ohne grüßen bei mir vorbei gestürmt ist und ich erst am Weg zu meinem Büro draufgekommen bin, dass sie will, dass ich die Rechnungen für die Kassa übernehme, weil die nicht da sind! – Hätte sie ja auch einfach sagen können!

Als ich fertig war, meinte er „und dann?“ Und ich erwiderte „dann ist sie bei mir rausgestürmt und nebenan reingestürmt“. Und er meinte, was ich noch zu ihr gesagt habe. Und ich „nichts“. Und er wieder „aber was sie erzählt hat, dachte ich da wäre eine halbe Stunde ein Pahö (Wirbel, Unruhe) gewesen“. Ich „sie war keine zwei Minuten in meinem Büro“. Und er wieder „aber wie kommt sie denn dann auf das alles?“ Ich „woher soll ich das wissen? Wenn so eine Aufregung gewesen wäre, hätte es ja auch Margit mitbekommen!“ Er wieder „die war da?“ Und ich „Ja, saß auf ihren Platz“. Darauf durfte auch sie ihre Eindrücke schildern. Was in etwa in einem Satz zusammengefasst werden konnte „Irgendwas wegen Rechnungen, aber sie war nur kurz im Büro“. Achja, und kein Pahö! Keine lauten Stimmen. Keine Aufregung. GAR NICHTS!

Und weil mir diese Woche noch zu unaufregend war, gab es auch noch mit der zickigen Tussi ein Gespräch – im Beisein meines Lieblingspersonalvertreters! Eigentlich war es ein Monolog von unserem Chef, was die zickige Tussi versuchte zu unterbrechen. Ein „jetzt nicht, jetzt rede ich“ von seiner Seite, stoppte sie aber gleich. Am Ende durfte sie dann doch noch etwas sagen und forderte einfach mehr Respekt im Umgang miteinander. Meine zwei Abschlusssätze waren „Respekt ist keine Einbahnstrasse“ und „Wie man in den Wald hineinschreit, so kommt es zurück“. Sie hat es zwar wahrscheinlich nicht verstanden, ich war trotzdem stolz dass sie mir eingefallen sind!

© Libellchen, 2017

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