Überforderung

Gleich vorweg, der Kurs ist toll. Wir lernen mal wieder einiges Neues und auch ein wenig Altes wird wiederholt. Aber mal ganz ehrlich. Ist diesen Leuten eigentlich klar, dass auch Vorgesetzte Menschen sind? Ich meine wir sind ja keine Wunderwuzzis! Wir sollen Leader sein, Manager, Experten und Coach. Wir sollen unsere Mitarbeiter motivieren, ihnen Sicherheit geben, sie fordern, sie beschützen und dabei natürlich auch dem Unternehmen dienen.

Wobei das alles in der Theorie total plausibel und logisch klingt, aber wie gesagt wir sind halt auch nur Menschen. Und wenn jemand, so wie ich, nicht gerne leere Worthülsen von sich gibt, nur um jemanden das Gefühl zu geben dazuzugehören, auch wenn es noch gar nichts zu informieren gibt, dann frage ich mich wie ich dabei authentisch bleiben soll – was natürlich auch extrem wichtig ist!

Wir sollen unser eigenes Stammhirn in Schach halten, während unser Gegenüber natürlich seines ausfahren darf. Im Zweifelsfall sind wir selber schuld, weil wir dem Mitarbeiter nicht genug Sicherheit gegeben haben in seiner pragmatisierten Stellung im öffentlich Dienst.

Wie gesagt, macht alles Sinn. Aber will ich das wirklich? Will ich mich aufopfern für den Job, damit vielleicht unter Umständen, möglicherweise einer meiner Mitarbeiter, doch mal sich ein Beispiel an meiner Vorbildwirkung nimmt?

Ich meine ganz ehrlich, wenn ich Kinder erziehen wollen würde, hätte ich welche bekommen! – auch dies ein gern gebrachtes Beispiel am Kurs. Und auch Kampfkuscheln ist nicht mein Weg – auch hier fehlt die Authenzität. Wenn ich so tue als wäre ich beeindruckt von der Jammerei meiner Mitarbeiter – weil sie sich schließlich Gedanken über Anordnungen des Ministeriums machen und sie stundenlang hinterfragen – dann kann ich dabei nicht ehrlich bleiben. Schließlich empfinde ich das einfach nur als Zeiträuberei. Über vergossene Milch aufregen, bringt ja bekanntlich nichts….

Ich schätze ich werde da erst noch meinen ganz persönlichen Weg finden müssen. Mal schauen ob das mit mir als Führungskraft nochmal was wird. Ein charismatischer Leader wird aus mir aber in diesem Leben eher nicht mehr, dafür bin ich viel zu sehr Experte und Manager. Und das werde ich auch nicht ändern können. Schließlich heißt es doch immer man soll die Stärken stärken. Ob ich wohl irgendwann an diese Phase meines Lebens zurück denke und mich frage, wie war ich doch mal unbeholfen als Chef…? Vielleicht nutze ich auch das Angebot – da ich bereits Führungskraft bin, könnte ich noch acht Coachingstunden bekommen. Ich meine hilft es nicht, schadet es nicht. Also mir. Mein Coach war ja letztens ziemlich fertig. Ob die wohl auch Kunden ablehnen???

© Libellchen, 2016

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